Conclave: Der preisgekrönte vaticanische Thriller erscheint bei Netflix

Von Julie de Sortiraparis · Aktualisiert am 26. Februar 2026 um 17:05
Edward Bergers spannendster Thriller Conclave mit Ralph Fiennes erscheint am 7. März 2026 auf Netflix. Für das durchdachte Drehbuch wurde Peter Straughan bei den Oscars 2025 ausgezeichnet.

Unter der Regie von Edward Berger (Im Westen nichts Neues) adaptiert Conclave den Bestseller von Robert Harris und reiht sich nahtlos in das Genre des politischen Thrillers ein, der im Herzen des Vatikans spielt. Mit Ralph Fiennes, Stanley Tucci und Isabella Rossellini vor der Kamera, lief der Film am 4. Dezember 2024 in den deutschen Kinos an und wurde 2025 mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch (Peter Straughan) ausgezeichnet. Ab dem 7. März 2026 ist er auf Netflix verfügbar.

Nach dem plötzlichen Tod des Papstes muss Kardinal Lawrence den Konklave leiten – das ritualisierte Treffen, bei dem die Kardinäle im Geheimen einen neuen Papst wählen. In diesem abgeschlossenen Raum verbindet sich die feierliche Atmosphäre der Zeremonie mit den politischen Machtspielen: fragile Allianzen, alte Rivalitäten und raffinierte Einflussnahme, alles unter dem Druck eines unumstößlichen Zeitplans.

Im Laufe der Abstimmungen erkennt Lawrence, dass ein vom Verstorbenen hinterlassenes Geheimnis den Ausgang der Wahl entscheidend beeinflussen könnte. Zwischen riskanten Enthüllungen und Flurfunk-Agitation wird die Zeit zum größten Gegner: Bevor die weiße Taube fliegt, muss er herausfinden, was die Institution verschweigt.

Der Trailer zu Conclave

Das Drehbuch von Peter Straughan basiert auf dem Roman von Robert Harris aus dem Jahr 2016 und wurde durch die Recherchen des Autors zum Konklave 2013 inspiriert. Für die Dreharbeiten wurde Rom genutzt, insbesondere das berühmte Cinecittà-Studio: Aufgrund des begrenzten Zugangs zum Vatikan wurden Orte wie die Sixtinische Kapelle und das Apostolische Palast in Studio nachgebaut. Berger arbeitete eng mit seinem Editor Nick Emerson am Schnitt und Ton, um die Wahlgänge zu unterscheiden – Sequenzen, die normalerweise repetitiv sind, aber die dramatische Spannung maßgeblich vorantreiben.

Edward Berger arbeitet erneut mit dem Komponisten Volker Bertelmann zusammen, der bereits einen Oscar für Im Westen nichts Neues erhalten hat. Die Filmmusik setzt auf einprägsame instrumentale Klänge, darunter den Cristal Baschet. Neben dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch hat der Film die Awards-Saison 2025 mit mehreren Nominierungen (Schnitt, Kulissen, Kostüme, Musik, Darsteller) geprägt und bei den BAFTA-Auszeichnungen einige Preise abgeräumt.

Unser Eindruck von Conclave :

In Conclave präsentiert Edward Berger, Regisseur von Im Westen nichts Neues, einen fesselnden politischen Thriller, der im geheimen, von Geschichte geprägten Herzen des Vatikans spielt. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Robert Harris tauchen wir ein in die Abläufe einer Pontifikalkonklave, ein heiliges Ritual, bei dem politische Rivalitäten und persönliche Intrigen auf Glaubensfragen treffen. Mit einem charismatischen Ralph Fiennes in der Rolle des Kardinal Lawrence hinterfragt der Film subtil die Machtstrukturen und inneren Konflikte einer Katholischen Kirche auf der Suche nach Erlösung und Erneuerung.

Der Film beginnt mit einer ehrwürdigen Proklamation: "Der Stuhl des Heiligen Stuhls ist vakant." Dieses Wort, das den Tod des Papstes ankündigt, leitet den Konklave ein, bei dem die Kardinate ihren neuen Oberhirten wählen. Schnell zeigt sich, dass hinter den scheinbar ruhigen Debatten ein stiller Krieg aus Manipulationen und Ehrgeiz steckt. Regisseur Edward Berger unterstreicht diesen Zwiespalt durch ruhige, kontemplative Einstellungen der kargen Vatikansflure, unterbrochen von präzisen Dialogen, die Spannungen und Heuchelei enthüllen.

Im Mittelpunkt steht Kardinal Lawrence, dargestellt von Ralph Fiennes, dessen makellose Darbietung die Intelligenz und Moral eines Mannes zeigt, der in einem korrupten System gefangen ist. Als Verantwortlicher für die Organisation des Wahlprozesses versucht er Ordnung zu bewahren, während vergängliche Bündnisse und schockierende Enthüllungen ans Licht kommen—insbesondere im Zusammenhang mit Kardinal Bellini (John Lithgow) und dem jungen Kardinal Benitez (Luis Gnecco). Der Höhepunkt ist erreicht, als ein Geheimnis um Benitez gelüftet wird, das jahrhundertealte Dogmen in Frage stellt.

Besonders prägnant ist die Rolle der Nonne, gespielt von Isabella Rossellini, die mit zurückhaltender Eindringlichkeit in die Handlung integriert ist. Sie bringt Einblicke in die Persönlichkeit des verstorbenen Papstes und in den Zustand der Kirche und sorgt zu entscheidenden Momenten für Wendungen in den Diskussionen.

Conclave geht über einen reinen politischen Thriller hinaus und beleuchtet tiefgreifende Themen wie Glaube, Modernisierung und die Widersprüche innerhalb der Katholischen Kirche. Durch starke Dialoge zeigt der Film die Diskrepanz zwischen spirituellen Idealen und politischen Realitäten. Eine eindrucksvolle Zeile von Kardinal Lawrence fasst diese Spannung treffend zusammen: "Die gefährlichsten Menschen sind jene, die Papst sein wollen." Diese Aussage macht deutlich, dass die Wahl des Papstes weniger eine göttliche Mission ist als vielmehr ein menschlicher Machtkampf.

Der Film scheut sich nicht, die Kirche mit ihren eigenen Dämonen zu konfrontieren. Über den Charakter des konservativen Kardinal Tedesco streift Berger die inneren Kämpfe zwischen Fortschrittlichen und Traditionalisten bei Themen wie Homosexualität oder Sexskandalen. Besonders die Enthüllung der intersexuellen Identität von Benitez ist ein mutiger erzählerischer Schachzug, der zu einer Diskussion über Inklusivität und die Möglichkeit, Diversität zu akzeptieren, ohne die Grunddogmen zu verraten, anregt.

Berger zeigt meisterhaft die Atmosphäre des Geschehens. Die Musik, gleichzeitig drängend und subtil, schafft eine angespannte Grundstimmung; die brillante Kinematografie präsentierte die ehrwürdigen Orte des Vatikans in einem fast sakralen Licht. Szenen des entscheidenden Wahlgangs in der Sixtinischen Kapelle, erleuchtet durch Kerzen, entfalten eine seltene emotionale und visuelle Intensität und erinnern an die spirituelle Dimension dieses politischen Prozesses.

Dennoch kann die erzählerisch langsame, nachdenkliche Erzählweise für manche ermüdend wirken. Leser, die einen schnellen Thriller erwarten, könnten durch die behutsame Entwicklung der Figuren und Konflikte irritiert werden. Kritiker vergleichen Conclave gelegentlich mit einer Soap, was dem Stil aber auch die Chance gibt, vollständig ins Thema einzutauchen.

Der Cast überzeugt durch starke Leistungen: Ralph Fiennes gelingt eine vielschichtige Darstellung eines Mannes, der zwischen Glauben und Gewissen hin- und hergerissen ist. Isabella Rossellini als Inquisitin Schwester Agnès verleiht der Figur mysteriöse Tiefe, während John Lithgow und Luis Gnecco die Figuren ebenso nuanciert gestalten. Jeder Schauspieler trägt dazu bei, die komplexen inneren und äußeren Kämpfe der Kardinäle glaubwürdig darzustellen.

Der Film ist weit mehr als eine historische Nachbildung oder eine literarische Adaption; er regt eine zeitgenössische Reflexion über die Herausforderungen der Kirche an. Themen wie Geschlechtsidentität, Akzeptanz der Homosexualität und Skandalbewältigung zeugen von einer Kirche im Wandel, die sich den Notwendigkeiten der Moderne stellt. Mit dem Satz von Benitez: "Ich hätte noch mehr gesündigt, hätte ich die Schöpfung Gottes verändert, anstatt meinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist", wird die Sehnsucht sichtbar, Glauben und menschliche Realität in Einklang zu bringen.

Trotz aller Stärken bleiben Schwächen bestehen: Einige Nebenstränge, wie die Motivationen des Kardinal Tedesco oder die Beziehung zwischen der Nonne und der Institution, werden nur angedeutet. Auch das Ende, das mutig offene Ausgänge eröffnet, wirkt für manche abrupt und lässt Fragen offen, die eine vollständige Lösung erwartet hätten.

Conclave ist ein anspruchsvoller, intelligenter politischer Thriller, der durch sorgfältige Regie und herausragende Darstellungen besticht. Edward Berger schafft es, die inneren Kämpfe des Vatikans eindrucksvoll einzufangen und gleichzeitig eine moderne Reflexion über Glaube und Macht zu liefern. Auch wenn der zeitweilige Nachdenklichkeit und die offene Erzählweise manchen den Zugang erschweren könnten, ist dieser Film eine mutige Arbeit, die mystische und politische Ebenen kunstvoll verbindet. Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen der Kirche.

Der Konklave

Conclave
Film | 2024
Kinostart: 4. Dezember 2024
Ab 7. März 2026 auf Netflix
Thriller | Laufzeit: 2h00
Regie: Edward Berger | Mit Ralph Fiennes, Stanley Tucci, Isabella Rossellini
Originaltitel: Conclave
Herkunft: USA

Zwischen zeremonieller Verschwiegenheit und Machtkämpfen entwickelt Conclave einen sorgfältig aufgebauten Spannungsbogen, geprägt von präzisen Ritualen und einem stetigen Fluss an Enthüllungen, die den Kern der Wahl neu definieren. Der Oscar für das beste adaptierte Drehbuch unterstreicht die Stärken dieser Umsetzung, die das Spannungsverhältnis zwischen Spiritualität und Politik beobachten, ohne eindeutige Urteile zu fällen.

Wenn Sie noch tiefer eintauchen möchten, entdecken Sie auch unsere Auswahl der Neuzugänge bei Netflix im März, unseren Leitfaden zu den größten Streaming-Neuheiten auf allen Plattformen und unsere Tagesempfehlung Was man heute streamen kann.

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Praktische Informationen

Termine und Öffnungszeiten
Ab dem 7. März 2026

× Unverbindliche Öffnungszeiten: Um die Öffnungszeiten zu bestätigen, wenden Sie sich an die Einrichtung.
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