Eine landesweite Streikaktion der SNCF ist für morgen Mittwoch, der 10. Juni 2026 vorgesehen. Zum ersten Mal seit Ende 2024 haben die vier größten Eisenbahngewerkschaften CGT Cheminots, UNSA Ferroviaire, Sud Rail und die CFDT Cheminots einen gemeinsamen Vorankündigung für einen 24-stündigen Mobilisierungstag vorgelegt. In der Île-de-France sind die Pendler auf den Transilien-Linien, den von der SNCF betriebenen RER und den TGV, die nach Paris hinein bzw. aus Paris heraus verkehren, zuerst betroffen. Für einen vollständigen Überblick über die Störungen dieser Woche lesen Sie unseren Beitrag zu den Verkehrsströmen in Paris und Île-de-France vom 8. bis 14. Juni 2026.
Gewerkschaften werfen mehrere Dossiers gleichzeitig vor. An der Spitze stehen interne Umstrukturierungen und die Tochtergesellschaften des Konzerns, die darauf abzielen, lokale Gesellschaften zu gründen, um die von den Regionen ausgeschriebenen Ausschreibungen für deren Regionalzugnetze zu bedienen. Ein Teil der Beschäftigten wird dabei mit einem „Sozialrucksack“ übertragen, der deren Vorteile 15 Monate lang garantiert. Doch für Fabien Villedieu von Sud Rail ist dieses System eigentlich nur ein „Sozialhandtasche“: Nach 15 Monaten fallen die Abkommen weg und die Bedingungen variieren stark von Region zu Region.
Auch die Gewerkschaften fordern neue Lohnerhöhungen, da sie der Ansicht sind, dass die für 2026 beschlossenen Anpassungen die Inflation nicht kompensieren. Zugleich weisen sie auf eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen hin: Die Arbeitsunfälle sind im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen, und seit Jahresbeginn wurden dreizehn Suizide von Mitarbeitenden verzeichnet, eine bisher beispiellose Situation laut den Vertretern der Belegschaft.
Diese Bewegung ist der erste große soziale Stresstest für Jean Castex, der im November 2025 zum Geschäftsführer der SNCF ernannt wurde. Bei seinem Amtsantritt versprach er, eine einheitliche Gruppe zu führen. Die Gewerkschaften erinnern ihn an dieses Versprechen: Sie fordern, dass die Belegschaft der neu gegründeten Tochtergesellschaften dieselben Rechte erhält wie jene des öffentlichen Konzerns, eine Forderung, die unter anderem von der CGT Cheminots und der Unsa Ferroviaire getragen wird.
Aus der Leitung kommt indes der Hinweis auf einen „konstruktiven Sozialdialog“ und die Betonung, in den letzten Monaten zahlreiche Vereinbarungen getroffen zu haben. Man verweist zudem darauf, dass die SNCF im Geschäftsjahr 2025 einen Nettogewinn von 1,8 Milliarden Euro erzielt hat und keinem der rund 150 000 Beschäftigten ein Einkommen unter dem um 10 % erhöhten Mindestlohn zufließt. Außerdem ist eine Prämie von 1.450 Euro für alle Mitarbeitenden der Gruppe garantiert worden.
Die SNCF hat bereits ihre Verkehrsprognosen vorgelegt. Bei den TGV Inoui, Ouigo und TGV Lyria meldet das Unternehmen im Durchschnitt zwei Züge von drei im Einsatz. Es betont, dass alle Reisenden, deren Zug ausfällt, erneut kontaktiert werden und sich eine Rückerstattung oder eine Umbuchung sichern können. Wer seine Reise fortsetzt, dem versichert die SNCF, dass durch die noch verfügbaren Plätze am selben Tag Reisen für alle Mitglieder der Buchung möglich sein sollten.
Die Intercités werden ebenfalls stark betroffen sein, mit etwa jedem zweiten Zug im Betrieb, sowohl tagsüber als auch nachts. Die betroffenen Reisenden erhalten dieselben Konditionen: vollständige Rückerstattung oder kostenfreier Umtausch bei Annullierung.
Transilien SNCF Voyageurs hat seine detaillierten Vorhersagen für morgen veröffentlicht. Der Verkehr wird auf dem Großteil der RER- und Transilien-Linien stark beeinträchtigt sein. Folgendes ist zu beachten:
RER
Transilien
Gute Nachrichten für Pendler im Großraum Paris, die nach einer Alternative suchen: Die U-Bahn, die Busse und die Straßenbahnen sind von diesem Arbeitskampf nicht betroffen. Der Verkehr auf all diesen Linien dürfte den ganzen Tag über normal oder nahezu normal bleiben. Deshalb ist es sinnvoll, diese Verkehrsmittel zu bevorzugen, sofern der Weg es zulässt. Radfahren und zu Fuß gehen bleiben zudem gute Optionen für kurze Strecken, insbesondere innerhalb von Paris.
Transilien und Île-de-France Mobilités bitten zudem Fahrgäste, die es können, ihre Bahnfahrten außerhalb der Stoßzeiten zu verschieben, oder gegebenenfalls von zu Hause aus zu arbeiten, sofern dies ihre Tätigkeit zulässt.
Detaillierte Fahrplandaten je Zug stehen seit heute Abend 17 Uhr auf SNCF Connect bereit. Wenn Ihr Zug ausfällt, werden Sie per E-Mail oder SMS benachrichtigt bzw. wurden Sie bereits informiert. Alle betroffenen Tickets, einschließlich der Promotion-Tarife, die normalerweise nicht erstattungsfähig sind, können vollständig erstattet oder auf einen anderen Zug umgetauscht werden.
Für eine Rückerstattung wenden Sie sich an die Nummer 36 35 oder gehen Sie vor der ursprünglich geplanten Abfahrtszeit zum Bahnhof. Die Rückzahlung wird innerhalb von drei bis fünf Tagen auf das Konto überwiesen, das mit Ihrer Bankkarte verknüpft ist. Wird mit Chèques-Vacances bezahlt, erfolgt die Rückerstattung automatisch in Form eines digitalen Guthabens, wie auf der Website von SNCF Voyageurs angegeben.
Es wird empfohlen, den aktuellen Verkehr in Echtzeit direkt über SNCF Connect oder über die Mobilitäts-App Ihrer Wahl vor der Abfahrt zu prüfen und gegebenenfalls Alternativen einzuplanen, falls Ihre Reise morgen, Mittwoch, unumgänglich ist.
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