Von haussmannischen Fassaden, die von bunten Tupfen übersät sind, bis zu dunklen Hallen, gepolstert mit unendlichen Spiegelungen, hat die japanische Künstlerin Yayoi Kusama eine psychedelische Spur in das Pariser Stadtbild eingedrückt. Eine führende Figur der Gegenwartskunst, Wegbereiterin der Avantgarde und des Pop Arts, ist die Bildhauerin und Installationskünstlerin am Alter von 97 Jahren verstorben und hinterlässt ein visuelles Universum, das sofort erkennbar ist. Obsessiv und immersiv, schöpft ihr Werk aus der unendlichen Wiederholung kreisrunder Motive — den berüchtigten polka dots — sowie aus weichen Skulpturen oder optischen Spielen, die dem Betrachter Raum und Zeit zu entgleiten scheinen.
Im Jahr 2023 glich die Hauptstadt einer offenen Galerie bei der Zusammenarbeit zwischen der Künstlerin bzw. dem Künstler und dem Haus Louis Vuitton. Eine gigantische Replik von Yayoi Kusama, mehrere Meter hoch, wirkte, als würde sie mit eigenen Händen die Fassade der historischen Boutique der Champs-Élysées bemalen. Nur wenige Kilometer weiter, gegenüber der Pont Neuf und der Samaritaine, dominierte eine weitere monumentale Skulptur die Ufer der Seine. Diese städtischen Erscheinungen hatten riesige Menschenmengen von Neugierigen und Liebhabern zeitgenössischer Kunst angezogen, die gekommen waren, um diese ungewöhnlichen Installationen im Herzen des 8. und 1. Arrondissements zu verewigen.
Erinnern Sie sich: Im Oktober 2019, anlässlich der FIAC Hors les Murs, staunten Spaziergänger und Liebhaber pariser Bummeltempos nicht schlecht, als eine riesige gelbe, mit schwarzen Tupfen bedeckte luftgefüllte Kürbis-Skulptur vor den Juwelen der prestigeträchtigen Place Vendôme (1. Arrondissement) aufgestellt wurde. Mit dem Titel « Life of the Pumpkin Recites, All About the Biggest Love for the People », war diese monumentale Skulptur mit einer Spannweite von zehn Metern eine Hommage an eines der Lieblingsmotive der Künstlerin. Für Kusama symbolisierte die Kürbisfrucht – die sie als Kind mit ihrer Familie in Japan anbaute – eine warme, großzügige und humorvolle Form, die einen fröhlichen, poetischen Kontrast zur architektonischen Strenge des Platzes erzeugte.
Noch bevor diese Welle die Boulevards erreichte, hatte Paris das Genie Kusama bereits 2011 mit einer großen Retrospektive im Centre Pompidou gefeiert. Die Besucher strömten hinein, um in ihren berühmten Infinity Mirror Rooms einzutauchen, diese geschlossenen Räume, in denen Spiegel und LED-Leuchten die Illusion eines endlosen Kosmos erzeugen. Nach Berichten aus Ateliers soll die Künstlerin diese Räume geschaffen haben, um ihre eigenen halluzinatorischen Kindheitsvisionen zu materialisieren und danach zu streben, ihren eigenen Körper in der Unendlichkeit des Universums aufzulösen – ein Konzept, das sie als Selbstverblassung bezeichnete.
Zu den eindrucksvollsten Erinnerungen der Besucher des Bois de Boulogne gehört zweifellos die berühmt-berüchtigte Installation Infinity Mirror Room - Phalli's Field (Floor Show), aus der Sammlung der Fondation Louis Vuitton. Beim Betreten dieses samt Spiegeln gepolsterten Raumes hatte das Publikum buchstäblich das Gefühl, in einen seltsamen, immersiven Becken abzutauchen: Der Boden war vollständig bedeckt mit hunderten weichen, weißen Gewebewölbungen, durchzogen von leuchtend roten Tupfen. Dank der unendlichen Spiegelungen an den Wänden schienen diese organischen Skulpturen, die an Pilze oder Korallen erinnern, sich wie ein zart marmoriertes Meer ins Unendliche auszudehnen und so eine sensorische, immersive Erfahrung zu schaffen, die lange bleibt.
Was das Werk von Kusama vor allem auszeichnet, ist die obsessive Ansammlung. Geboren 1929 in Matsumoto, hat sich die Künstlerin rasch an der Schnittstelle von Pop Art, Konzeptkunst und Minimalismus durchgesetzt. Sie erzählte oft, dass ihre ersten Muster aus Punkten und unendlichen Netzen bereits in ihrer Kindheit in intensiven Halluzinationen entstanden seien, in denen die Blumen des Elternhauses die Wände, die Decke und ihren eigenen Körper zu überziehen schienen. Sie hat diesen Ansatz unter dem Begriff „Auto-Oblitération“ theoretisiert und damit den Betrachter eingeladen, seine eigene Individualität im Kosmos aufzulösen.
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