Die Bindung ist ein französisches Drama, gedreht von Carine Tardieu, die gemeinsam mit Raphaële Moussafir das Drehbuch schrieb, basierend auf dem Roman L’Intimité von Alice Ferney. Mit Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï und Vimala Pons in den Hauptrollen feierte der Film am 19. Februar 2025 seine Premiere in den Kinos. Er wurde bei der Venice Biennale 2024 (Sektion Orizzonti) präsentiert und gewann bei der 51. César-Verleihung 2026 drei Hauptpreise: Bester Film, beste Adaption und beste Nebendarstellerin für Vimala Pons.
Sandra, eine eigenwillige Frau in den Fünfzigern, führt ein geregeltes Leben zwischen ihrer Buchhandlung und ihrer Wohnung. Als ihr Nachbar plötzlich mit einem kleinen Jungen und einem Säugling alleine dasteht, sieht sie sich unfreiwillig gezwungen, ihren Alltag zu teilen. Was ursprünglich nur eine einmalige Unterstützung war, entwickelt sich allmählich zu einer festen Begleitung und schließlich zu einer tiefgreifenden Verbindung.
Im Verlauf der Tage entsteht die Bindung in den Zwischentönen des Alltags: ein getauschter Blick, ein gemeinsames Schweigen, eine anvertraute Sorge. Sandra, die ein Leben ohne Anker forderte, entdeckt eine unerwartete Art des Engagements bei dieser Patchwork-Familie. Der Film zeigt, wie zwischen Trauer, Einsamkeit und dem Bedürfnis, für den anderen da zu sein, persönliche Verbindungen auch abseits der konventionellen Strukturen entstehen können.
Mit Die Bindung lebt Carine Tardieu ihre freie Interpretation des im Jahr 2020 veröffentlichten Romans von Alice Ferney. Die Regisseurin hat den Fokus gezielt auf die Figur der Sandra gelegt, um sie zum Zentrum des Films zu machen, und setzt dabei auf eine intime, konzentrierte Erzählweise. Für die Dreharbeiten wurde ein leichtes Team zusammengestellt, und eine schwenkbare Kamera kam zum Einsatz, um nah an die Schauspieler und Kinder heranzukommen. Die cinematografische Leitung Elin Kirschfink wählte eine natürliche Farbpalette, die warme Innenaufnahmen mit kühleren Außenbildern kontrastiert. Der Film erhielt 2026 drei César-Auszeichnungen (Bester Film, Beste Adaption für Carine Tardieu, Raphaële Moussafir und Agnès Feuvre, Beste Nebendarstellerin für Vimala Pons) und noch fünf weitere Nominierungen, unter anderem für die Beste Schauspielerin und den Besten Schauspieler.
Im Anschluss an Les Jeunes Amants und Ôtez-moi d’un doute setzt die Regisseurin ihre Erkundung menschlicher Beziehungen und zerbrechlicher Gleichgewichte fort. Der Film gehört zur Tradition des französischen dramatischen Kinos, das sich auf das Innere konzentriert, wobei die Inszenierung vor allem Gesichter, Stille und Dialoge in den Mittelpunkt stellt. Die Tonarbeit, unter anderem mit klassischer Musik und osteuropäisch inspirierten Stücken von Eric Slabiak, untermalt diese Dynamik, ohne die Emotionen zu stark in den Vordergrund zu rücken.
Unsere Meinung zu Die Verbundenheit :
Es gibt Filme, die kraftvoll zuschlagen, und andere, die leise ins Ohr flüstern. Die Verbundenheit von Carine Tardieu gehört zur zweiten Kategorie: ein dramatischer intimer und sensibler Film, bei dem sich die Emotionen in stillen Momenten, Gesten und zurückhaltenden Worten aufbauen. Nach dem Roman Intimität von Alice Ferney erzählt das Werk davon, wie fragile Leben aufeinandertreffen, sich manchmal anstoßen und schließlich einen gemeinsamen Raum erschaffen – ohne Bedienungsanleitung oder sofortige Versprechen auf Heilung.
Mit Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï und Vimala Pons entfaltet Die Verbundenheit eine berührende Chronik von Trauer, Einsamkeit und der Neudefinition von Beziehungen. Ohne je die Intensität bewusst zu forcieren, lässt die Geschichte Gefühle in kleinen, feinen Nuancen aufblühen. Sie besitzt die seltene Fähigkeit, sowohl die Schwere eines Verlusts als auch das Potenzial für neues Gleichgewicht spürbar zu machen. Die ausgefeilte schauspielerische Leitung schafft dichte Figuren, die voller Widersprüche und Scham stehen.
Carine Tardieu inszeniert organisch, ganz nah an den Gesichtern, wechselt zwischen Nahaufnahmen – in denen zögerliche Bewegungen und widersprüchliche Impulse sichtbar werden – und weiteren Einstellungen, die die Figuren in ein manchmal zu großes alltägliches Umfeld einbetten. Überwiegend setzt sie auf weiche, natürliche Farbtöne: warme Interiors, in denen Nähe tastend wiederaufgebaut wird, und kühlere Außenszenen, die die anfängliche Isolation verstärken. Diese dezente, kohärente Bildsprache begleitet die Entwicklung der Bindung, anstatt sie nur zu illustrieren.
Der Film profitiert stark von der Geschichte Sandra. Die seit langem bekannte, eigensinnige Buchhändlerin gerät unfreiwillig in den Strudel eines Dramas, als eine Notlage sie beinahe unfreiwillig ins Herz einer brüchigen Familie rückt. Bruni Tedeschi zeichnet eine Figur voller Zurückhaltung, die von ungeahnten Impulsen durchzogen ist, die sie kaum zulässt: Alles zeigt sich im Blick, der Haltung und in gestoppten Sätzen. Gegenüber steht Alex (Pio Marmaï), ein junger, erschütterter Vater, der mit einer Schein-Leichtigkeit voranschreitet, die nie ganz die Müdigkeit oder den Schmerz verbirgt. Der Film fängt diese heikle Phase ein, in der man noch für die Kinder da ist, auch wenn der Weg noch unklar ist.
Im Zentrum steht die Beziehung zwischen Sandra und Elliot (César Botti), die eine wertvolle Ehrlichkeit vermittelt: manchmal unbeholfen, manchmal humorvoll, stets verankert im Realen. Die Dialoge, oft von feiner Ironie durchzogen, verzichten auf Erklärungen und Pathos. Ein Beispiel, das viel aussagt, wie der Film Kraft, Verantwortung und kindliche Bewunderung miteinander verbindet:
"Kinder zu haben, überfordert mich vollkommen!
- Meine Mutter, ist die stark?
- Sie sorgt sich um dein Leben und nur um ihres. Ja, ich glaube, Cécile ist sehr stark."Besonders beeindruckt der Film durch seine Ablehnung von Vereinfachungen. Er liefert keine "Lösung" für Trauer oder Einsamkeit: Stattdessen beobachtet er feinfühlig, wie jeder seinen Weg findet, stolpert und wieder aufsteht. Die Klangwelt trägt diese Authentizität entscheidend: eine sparsame Filmmusik, versteckte klassische Musikpassagen und vor allem aussagekräftige Stille, in der man Atmungen, umgeblätterte Seiten oder ungeduldige Kinder hört – Details, die eine intime Atmosphäre schaffen, ohne sie aufdringlich zu betonen.
Über das Melodram hinaus wirft Die Verbundenheit eine zentrale und einfache Frage auf: Was macht eine Familie aus? Blut, Gewohnheit, Anwesenheit oder die Entscheidung, füreinander da zu sein – auch wenn es nicht perfekt ist. Tardieu bleibt bewusst offen, was den Film stark macht: keine Idealbilder, alle Figuren mit ihren blinden Flecken. Ein Satz von Sandra an Alex fasst diese Haltung des "Präsenten" mehr zusammen als das Retten: "Ich bin nur diejenige, die da war! Deine Aufgabe ist es, glücklich zu sein, damit Lucille ein Beispiel hat. Sonst ist alles verloren."
Die Verbundenheit ist ein zarter, schamvoller Film, der niemals sentimental oder laut wirkt. Er setzt auf Nuancen statt Effekte und lädt die Zuschauer ein, sich Zeit zu nehmen, um seine Figuren wirklich zu verstehen. Ein Werk, das keinen Schock sucht, sich aber tief einprägt – wie jene leisen Bande, die irgendwann Bedeutung gewinnen.
L’Attachement
Film | 2025
Kinostart: 19. Februar 2025
Drama | Dauer: 1h45
Von Carine Tardieu | Mit Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmaï, Vimala Pons
Originaltitel: L’Attachement
Herkunft: Frankreich
Mit dem César-Preis der französischen Academy ausgezeichnet, bestätigt dieses Drama die Position von Carine Tardieu in der heutigen französischen Filmszene. Es verbindet gekonnt literarische Adaptation mit einer intimen Erzählweise, die sich auf familiale Dynamiken konzentriert. Angetrieben von einem hoch gelobten Schauspielensemble und einer präzisen Regie, gilt es als ein bedeutendes Werk des Jahres 2025.
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