Der Modegigant für Kinderbekleidung steht vor einer schweren Krise. Am Dienstag, dem 3. Februar 2026, beantragt die Gruppe IDKIDS beim Handelsgericht Lille Métropole die Insolvenz in Eigenverwaltung für die meisten ihrer französischen Marken. Die Verhandlung ist für 16:00 Uhr angesetzt. Sitz des in Roubaix im Norden ansässigen Unternehmens ist das Gebiet Nord, das im Bereich Kinderartikel spezialisiert ist. Es droht, in die lange Liste französischer Textilunternehmen einzutreten, die in Schwierigkeiten geraten, nach Firmen wie IKKS, Camaïeu, Kookaï oder Pimkie.
Dieser Schutzantrag betrifft die Marken Obaïbi (Bekleidung für 0-3-Jährige), Okaïdi (3-14 Jahre), Oxybul (Sensorikspiele) sowie die Logistikplattform IDLOG. Die Luxusmarke Jacadi Paris, die ausländischen Tochtergesellschaften und alle Franchises der IDKIDS-Gruppe sind hiervon jedoch ausgenommen. IDKIDS beschäftigt in Frankreich 2.000 Mitarbeitende und weltweit 6.000 Angestellte, bei einem Gesamtumsatz von 800 Millionen Euro. Die Marke Okaïdi allein erzielt einen weltweiten Umsatz von 600 Millionen Euro, davon 300 Millionen in Frankreich.
Die Konzernleitung rechtfertigt diese Entscheidung mit der Notwendigkeit, dem Unternehmen „Zeit und finanzielle Ressourcen zurückzugeben“, um „die Transformation zu beschleunigen“. In ihrem Kommuniqué spricht IDKIDS von einem „angespannten wirtschaftlichen Umfeld“ und weist auf den Wettbewerb durch „Billiganbieter, Secondhand-Shops und die aggressive Konkurrenz der Ultra-Fast-Fashion“ hin. Das Unternehmen erklärt vor allem, einen „Sanduhreffekt“ zu spüren: Während das Premium-Segment an der Spitze des Marktes stabil bleibt und „Low-Cost und Ultra-Fast-Fashion“ im unteren Bereich florieren, geraten Marken wie Okaïdi im mittleren Preissegment unter Druck. „Okaïdi muss sein Geschäftsmodell weiterentwickeln und seine Alleinstellungsmerkmale stärken, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, betont die Führung.
Die französische Modebranche befindet sich seit mehreren Jahren in einer Krise. Nach dem Boom des Online-Shoppings, der COVID-19-Pandemie und der aktuellen Inflation kämpft die Branche nun auch gegen die Konkurrenz durch Secondhand-Mode und den schnelllebigen Trend der Ultra-Fast-Fashion. Dabei sind vor allem asiatische Plattformen wie Shein oder Temu im Aufwind. Laut dem Französischen Modeinstitut (IFM) ist der Umsatz im Bekleidungs- und Textilsektor im Jahr 2025 um 1,3 % gesunken und seit 2019 um insgesamt 8,5 % gefallen – eine Entwicklung, die besonders die mittelpreisigen Marken hart trifft.
Für Farida Khelifi, Gewerkschaftsvertreterin bei CGT bei IDKIDS, war die geplante Sicherheitsmaßnahme in Form eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens "seit Jahren" überfällig. Grund dafür ist eine "Zahlenkombination im hohen zweistelligen Bereich" auf der Schuldenliste, die auf "strategische Fehler" in einem "geschwächten" Sektor zurückzuführen sind. Sie kritisiert zudem, dass die Kollektionen heute weniger trendig seien, mit einem Stil, der als "zu karnevalesk" und "zu teuer für die Mittelschicht" empfunden wird. Die sinkende Kaufkraft der Franzosen und der wachsende Druck durch Online-Plattformen belasten die Verkaufszahlen der stationären Geschäfte erheblich.
Die Ankündigung sorgt bei den Gewerkschaften für Besorgnis. Farida Khelifi befürchtet einen „Lohneinfluss“ durch die „Schließung von Filialen“, ohne dabei genau zu wissen, wie hoch der Umfang sein wird. Für sie ist klar, dass dieses Vorgehen „automatisch zu Filialschließungen“ und „Stellenabbau“ führen wird. Es sei daran erinnert, dass die Kette schon im März 2024 eine „Vereinfachungsstrategie“ angekündigt hatte, bei der laut einem Sprecher des Unternehmens 250 Arbeitsplätze in den Filialen und 50 im Hauptquartier gestrichen wurden.
In den Geschäften zeigen die Kunden ihre Treue zur Marke. Häufig loben sie das gute Preis-Leistungs-Verhältnis des Händlers. Doch der Online-Wettbewerb, der oft günstiger ist, stellt eine schwere Herausforderung dar: „Alle schauen auf den Geldbeutel.“
Im Gegensatz zu seinen angeschlagenen Filialen freut sich IDKIDS über die "Wachstumsachse" von Jacadi Paris, ihrer Premiummarke, die im Jahr 2025 ihre "erfolgreichste Bilanz aller Zeiten" verzeichnet hat, mit einer Gewinnsteigerung von 35 %. Diese unterschiedliche Entwicklung verdeutlicht das sogenannte "Sanduhreffekt", den die Geschäftsleitung anführt: Während das High-End-Geschäft widerstandsfähig bleibt, leidet das Mittelfeld. Jacadi, die im Luxussegment positioniert ist, hebt sich durch eine Kundschaft ab, die weniger anfällig für Veränderungen bei der Kaufkraft ist.
Dieses potenzielle neue Opfer würde sich einer langen Liste französischer Modehäuser für Damenmode anschließen, die in den letzten Jahren erhebliche Schwierigkeiten durchlebt haben. Einige wurden bereits geschlossen, wie Kaporal und Jennyfer, während andere wie Camaïeu, Kookaï, Gap Frankreich, Pimkie oder Comptoir des Cotonniers mehrere Sanierungsprogramme auflegen mussten.
Der internationale Konzern IDKIDS, der in 70 Ländern aktiv ist, steht vor einer wegweisenden Entscheidung vor dem Handelsgericht Lille Métropole. Am Nachmittag um 16 Uhr wird dort über die Zukunft seines Sanierungsplans abgestimmt. Das Ergebnis wird darüber entscheiden, ob Tausende Jobs und zahlreiche Filialen gerettet werden können. Die kommenden Wochen sind entscheidend, um festzulegen, welche Geschäfte geschlossen werden müssen und wie viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Um die Bedeutung des gerichtlichen Sanierungsverfahrens besser zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick auf die Website des öffentlichen Dienstes oder die aktuellen Berichte über lokale Unternehmenskrisen auf der Seite des Handelsgerichts.















