Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie ein roher Metallblock sich zu einer Skulptur mit feinen Kurven wandelt? Jedes dritte Wochenende im September, die Journées du patrimoine laden Groß und Klein ein, die verborgenen Schätze von Paris und der Île-de-France zu entdecken – von historischen Bauwerken bis zu den unauffälligsten Manufakturen. Am Samstag, den 19. und Sonntag, den 20. September 2026 wird die Veranstaltung in den Hauts-de-Seine eine deutlich handwerkliche Prägung bekommen: Die berühmte Fonderie d’Art Thinot, ansässig in Châtillon, gewährt Einblick in ihre Herzen und ihr außergewöhnliches Können.
Seit Jahrzehnten in dieser Gemeinde am Rande der Hauptstadt ansässig, setzt die Fonderie Thinot eine uralte Tradition fort, die Bildhauern, Designern und Restauratoren des Kulturerbes zugute kommt. Hier besteht die Arbeit mit Bronze, Messing und Aluminium nicht in Massenproduktion, sondern in einer wahren handwerklichen Alchemie. Dem Ateliergeflüster zufolge hätten mehrere monumentale Stücke, die heute in den Parks der Île-de-France zu bewundern sind, dort ihre ersten Schritte gemacht – auch wenn die legendäre Zurückhaltung der Handwerker Zweifel an bestimmten illustren Auftraggebern zulässt.
Die Besonderheit dieses Ortes liegt größtenteils in der Technik der verlorenen Wachsguß, ein Verfahren, das bereits in der Antike erfunden wurde und seither kaum verändert ist. Das Prinzip? Ein präzises Wachsmodell entsteht, das von einer Hülle aus feuerfestem Material umgeben wird, dann wird alles erhitzt: Das Wachs schmilzt, zieht sich zurück und hinterlässt eine hohle Form, in die flüssiges Metall bei mehr als 1 000 °C läuft und hineingegossen wird. Nachdem das Werkstück abgekühlt ist und aus der Form genommen wurde, beginnt die feine Arbeit der Ziselierung, um Grate zu entfernen, gefolgt von der Patinierung. Diese letzte Etappe, eine tatsächlich chemische Signatur, die durch Wärmeresultate der Oxidation der Metalle, verleiht Bronze seinen typischen Grünton, Braunton oder Goldbraun. Die Tür zu einem solchen Atelier zu öffnen, erlaubt es, zu beobachten, wie rohe Materie unter Hammer und Flamme zum Leben erwacht – fernab von feinen Museumsräumen.
Besuche in der Kunstgießerei Thinot
Die Kunstgießerei Thinot wurde 1947 von Lucien Thinot gegründet, einem erstklassigen Gießer, der in den Rudier-Werkstätten ausgebildet wurde und damit zu den historischen Rodin-Gießern zählt.
1985 übernahm sein Sohn Pierre Thinot das Atelier und führte die Tätigkeit bis zur Einstellung im Jahr 2010 fort. 1974 wurde die Gießerei nach Châtillon verlegt, in ein Viertel, das damals noch stark handwerklich geprägt war. Die Werkstatt ist heute unverändert erhalten, mit Öfen, Maschinen und dem ursprünglichen Inventar – ein seltener Zeitzeuge des traditionellen Sandgusses, der inzwischen praktisch verschwunden ist.
Lucien Thinot setzte das Erbe der Rudier-Dynastie fort und arbeitete gegen Kriegsende an posthumen Rodin-Produktionen mit der Susse-Gießerei zusammen. Mehrere Gussteile aus Rodin-Formen tragen die Bezeichnung Susse und Thinot, was auf eine indirekte, aber reale technische Verbindung hindeutet. Die Gießerei hat zudem mit Germaine Richier, Yves Klein, Salvador Dalí, Étienne Hajdu, Kumi Sugaï, Bourdelle, Gauguin, Alberto Giacometti und weiteren bedeutenden Künstlern gearbeitet. Sie gilt als wichtiger Knotenpunkt zwischen der figurativen Bronzetradition und moderner Experimentierfreude.
Freier Eintritt – Reservierung erforderlich
Teilnahmebedingungen: Kostenlos | Anmeldung erforderlich - https://www.billetweb.fr/visite-de-la-fonderie-de-chatillon
Zeiten: Samstag, 19. September 2026 – 14:00–15:30 | Sonntag, 20. September 2026 – 14:00–15:30
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Termine und Öffnungszeiten
Von 19. September 2026 bis 20. September 2026
Standort
Kunstgießerei Thinot
91 Avenue de la République
92320 Chatillon
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