Das Design-Wagnis von Starck

Von · Aktualisiert am 12. Februar 2013 um 09:11
Jeder kennt Starck. Bei manchen erinnert er an eine Uhr oder einen Designerstuhl, bei anderen an ein grandioses Restaurant. Starck ist ein genialer Allrounder, der nicht nur unsere Alltagsgegenstände mit seinem Design geprägt hat, sondern auch Hotels und Restaurants verschönert hat.

Das Restaurant des Hotels Meurice, das Mama Shelter, das Royal Monceau, das Kong, das Maison Baccarat, das Paradis du Fruit in der Avenue George V... All diese Einrichtungen tragen die Handschrift des Designers und sind dennoch fast radikal unterschiedlich. Seine Entwürfe oszillieren zwischen stolzer Modernität und französischer Tradition, zwischen Pflanzenwelt und Kunst, venezianischen Inspirationen und der Wiederbelebung von Symbolen der Popkultur.

Starck hat im Bereich Architektur, Design von Alltagsgegenständen und Möbeln gearbeitet und war dabei oft den Modetrends einen Schritt voraus. Er war insbesondere der erste, der mit La Redoute für Sonderkollektionen zusammengearbeitet und sich intensiv mit Bio-Lebensmitteln beschäftigt hat. Seine Einrichtungen an Orten wie dem Royal Monceau sind das Ergebnis dieser sehr unterschiedlichen Arbeiten.

Französische Tradition und Modernität

Starck wird oft mit einer bestimmten Vorstellung von Modernität in Verbindung gebracht, fast schon einer futuristischen Kühle, wie beispielsweise bei seiner Arbeit für die Terrasse des Restaurants Kong in Paris. Und doch ist er auch ein Vertreter der französischen Architekturtradition, die er in seinen Kreationen wiederverwendet und destilliert. Wenn man Starck über seine Arbeit an Pariser Hotels sprechen hört, entdeckt man seine besondere Vorliebe für eine französische intellektuelle und künstlerische Tradition. In seinen Antworten zitiert er Jean-Jacques Rousseau, Jeanneret, die Romantik, die 20er und 30er Jahre... Er sagt, er lasse sich vom Interieur der Wohnungen von Schriftstellern inspirieren, die sowohl praktisch als auch künstlerisch sind. Philippe Starck ist interessiert und neugierig auf alles, wie seine Zusammenarbeit mit seiner Tochter Ara Starck bei der Gestaltung des Restaurants desHotels Meurice beweist. Die Einrichtung kombiniert Weiß- und Silbertöne, die perfekte Verbindung von Design und Barocktradition. Er hat es verstanden, den Stil des Grand Siècle beizubehalten und gleichzeitig mit subtilen Akzenten eine entschieden moderne Atmosphäre zu schaffen. Die Idee für das Restaurant des Meurice, das Dali, war es, dem berühmten surrealistischen Maler Salvator Dalí Tribut zu zollen. Das Royal Monceau, ein weiteres von Starck entworfenes Hotel, zeigt ebenfalls diese ungewöhnliche Mischung aus Modernität und Tradition. Das Royal Monceau ist als Palast konzipiert, mit einzigartigen Zimmern, die den Anforderungen der Gegenwart entsprechen, aber auch Stile und Epochen miteinander vermischen. Es ist sowohl von der Tradition einer großen Bibliothek (mit fast 700 Titeln) als auch von der Modernität eines dynamischen kulturellen Knotenpunkts (Gitarren in den Zimmern, Eintrittskarten für Ausstellungen, Fotowettbewerbe ...) inspiriert). Bei seiner Carte blanche im Maison Baccarat in Paris spielte Starck ebenfalls mit dieser feinen Grenze zwischen Gegenwart und Vergangenheit: Er spielte mit der Fantasiewelt rund um Kristallpaläste und arbeitete gleichzeitig mit Kronleuchtern, die leicht traditionell bleiben.

Die Einladung zum Reisen

Starcks Kreationen drehen sich oft um das Thema Reisen, bestimmte für den Designer typische Akzente laden zum Entfliehen ein. Seine Inspirationen sind manchmal orientalisch, manchmal europäisch und erinnern mit kleinen Akzenten an die unglaubliche Schönheit der venezianischen Paläste. Hier und da findet man im Royal Monceau, das er entworfen hat, Murano-Glas, eine typische Glasproduktion der Insel Murano südlich von Venedig. Schon sehr früh interessierte sich Starck für Konzepte, die heute sehr in Mode sind. In seiner Arbeit hat er einen Respekt vor Pflanzen und eine Sensibilität für die Natur und Pflanzen entwickelt. Man denke hier an seine Kreationen für das Paradis du Fruit in der Avenue Georges V. Starck schafft immer wieder eine Art modernes Garten Eden, das hochmoderne Designelemente integriert. Im Kong, einem weiteren Restaurant, an dem er gearbeitet hat und das asiatische Küche serviert, findet man eine japanisch anmutende, exotische Atmosphäre vor, die zum Reisen einlädt und gleichzeitig mit beiden Beinen in der Zukunft steht. Starcks Arbeit in den Pariser Restaurants ist vor allem ein zeitliches Schweben zwischen einem imaginären Orient, einem traumhaften Venedig und einem verspielten Futurismus. Um diese Einladungen zum Reisen herum kreisen Details, die Starck am Herzen liegen: Ökologie, Pflanzen, Obst, gesunde und ausgewogene Ernährung.

Symbole der Popkultur

Für das Mama Shelter wollte Starck einen hochurbanen Ort schaffen. Die Idee: ein sehr modernes Hotel im Herzen des 20. Arrondissements mit 172 Zimmern, die mit einem 24-Zoll-iMac und WLAN ausgestattet sind. Ein Büro, angemessene Preise, eine trendige und praktische Einrichtung: Alles ist darauf ausgerichtet, ein junges, urbanes Publikum anzusprechen. Ein Ort, der populär sein will und verspielte Details verwendet, die an eine bestimmte Idee der Verwendung von Popkultur im Design erinnern: knallige Farben, eine stilvolle Bar und Batman-Lampen, die der Fantasie amerikanischer Comicbücher entsprungen sind. Auch das Kong ist sehr poppig, mit seinen durchsichtigen Stühlen, die mit weiblichen Figuren verziert sind, und seiner farbenfrohen Decke. Starck steht eindeutig für Dualität, für die Vermischung der Genres, und vor allem lässt er seine Neugier für die Vergangenheit und die Zukunft spielen.

Philippe Starck prägt die Pariser Lokale mit seinen Kreationen. Er ist überall in Paris präsent, und man stößt häufig auf das eine oder andere seiner Designs. Durch diese Vielfältigkeit hat er sich als einer der berühmtesten Designer Frankreichs einen Namen gemacht. Und als einer der meistausgezeichneten: Sein jüngster Preis ist der des Designers des Jahres der Messe Maison & Objet in Paris. Bis zum nächsten Mal.

Praktische Informationen
Tags : starck
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