Grave, der erste Langfilm von Julia Ducournau, mit Garance Marillier, Ella Rumpf und Rabah Naït Oufella, zählt zu den Filmen, die am 21. Juni 2026 auf Disney+ im Rahmen der täglich von der Plattform angekündigten Auswahl hervorgehoben werden. Diese Hervorhebung bedeutet nicht zwingend, dass es sich um eine neue Eintragung im Katalog handelt.
Grave
Film | 2017
Kinostart: 15. März 2017
Ausgestrahlt auf Disney+ : 21. Juni 2026
Drama, Horror | Laufzeit: 1 Std. 38 Min.
Von Julia Ducournau | Drehbuch: Julia Ducournau
Mit Garance Marillier, Ella Rumpf, Rabah Naït Oufella
Nationalität: Frankreich, Belgien
Freigegeben ab 16 Jahren
In Grave erlebt Justine, eine brillante Teenagerin aus einer vegetarischen Familie, deren Beruf Tierärztin ist, den Weg zur Tiermedizinischen Fakultät, zu der auch ihre ältere Schwester schon geht. Während eines Aufnahmeritus wird sie gezwungen, zum ersten Mal rohes Fleisch zu essen. Diese Grenzübertretung löst eine körperliche und intime Verwandlung aus, die die Erzählung in Richtung Körperhorror kippen lässt.
Auf der Critics’ Week 2016 vorgestellt, erhielt der Film den FIPRESCI-Preis, bevor er 2017 den Grand Prix des Gérardmer-Festivals sowie den Louis-Delluc-Preis für den ersten Spielfilm gewann. Sein Ruf wuchs zudem durch auffällige Festivalvorführungen, insbesondere in Toronto, wo einige Vorstellungen beim Publikum für Unbehagen sorgten.
Unsere Kritik zu Grave
Grave war noch nicht in den französischen Kinos zu sehen, da ihr Ruf ihr vorausreichte. Dieses Werk von Julia Ducournau bereitete schon im Vorfeld Schauder vor, insbesondere nach dem vagalen Schrecken zweier Zuschauer bei einer Vorstellung in Toronto. Man fragte sich: Ist der Film wirklich so „grave“, wie es scheint?
Es geht um Justine, ein junges, hochbegabtes Mädchen, zunächst so sanft wie naiv. In ihrer Familie ist Vegetarismus Leitkultur und jeder ist Tierarzt. Selbst folgt sie diesem Weg. Als sie kurz davor steht, die Veterinärmedizin zu beginnen, nimmt ihr Leben eine entscheidende Wende: Von der Vegetarierin wird sie zur Kannibalin.
So gesagt und angesichts des Filmtitels könnte man einen blutigen Hemmschalter erwarten. Doch Grave ist weniger blutig, als man vermutet, auch wenn es tief verstört.
Der Film funktioniert oft über Suggestion. Symbolträchtige Bilder bereiten leise Justines Abstieg in die Hölle vor: die Aus- der Scheinwerfer eines Autos, ein hängendes Plüschtier in Form eines Lammchens... Hinweise schälen sich in die Handlung hinein wie Warnungen, die der Zuschauer allein wahrnimmt.
Der Verlauf der Geschichte ist von Ironie durchzogen. Bei ihrer Ankunft an der Veterärakademie wirkt Justine verloren, mit weit aufgerissenen Augen, ängstlich vor der Belastung des Einstandsrituals. Die neuen Studierenden werden wie Vieh behandelt, gehorchen älteren Studenten und schließen sich der Gruppe an. Während die junge Frau versucht, ihren Prinzipien treu zu bleiben, wird sie angehalten, sich nicht zu widersetzen – selbst wenn es darum geht, Fleisch zu essen. Dann geraten die Dinge außer Kontrolle und die Rollen kehren sich um.
Für die Rolle der Justine wählte Julia Ducournau Garance Marillier, der sie bereits in ihrem Kurzfilm Junior die Hauptrolle anvertraut hatte. Die Wahl überzeugt: Zu Beginn des Films wirkt die junge Studentin so unschuldig, dass man kaum ahnt, wie kahl und beunruhigend sie später erscheinen wird. Und doch, wenn das Lamm zum Wolf in der Schäferei wird, sorgt ihr Spiel für ein ungutes Gefühl. Ihr tierischer Blick, die nach oben gezogenen Lippen und ihre wuchtige, tierische Ausstrahlung lassen keinen Zweifel: Justine ist zur Raubkatze geworden.
Ein weiterer starker Punkt des Films ist seine Musik. Sie schafft teils einen reizvollen Kontrast zur Szene, doch der Auslöser Justines, der Moment, in dem sie wirklich in die Dunkelheit kippt, wird von einem angsterzeugenden, Gothic geprägten Stück markiert. Komponiert vom englischen Jim Williams, trägt der Soundtrack dazu bei, den Zuschauer noch stärker in das Werk hineinzuziehen und emotionaler zu stimmen als die Bilder selbst.
Grave verbindet schwarzen Humor mit Horror. Alltägliche Szenen, in denen sich jeder wiederfinden könnte, werden abrupt von einer unerwarteten Wendung durchkreuzt. Über den Kannibalismus hinaus behandelt der Film mehrere Themen wie Missbrauch, Demütigung, Homosexualität und Belästigung. Dennoch bleibt es schwer, hinter dem Werk eine einzige, klare Botschaft zu erfassen. Man bedauert auch ein Ende, das sich bereits in der Hälfte des Films ahnen lässt.
Grave bleibt dennoch ein relativ einzigartiges Werk, das sich hilflos dem Horror-Genre zuordnen lässt.
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