Ein Wüstenstaub aus der Sahara zieht derzeit in Richtung Frankreich. Seit Mitte Februar 2026 steigen Staubwolken aus Nordafrika in Richtung Europa auf, wie die Daten des Copernicus Atmosphärenüberwachungsdienstes (CAMS) zeigen, dem europäischen Überwachungsnetz für die Atmosphäre. Nach dem Überflug über Kap Verde, die Kanarischen Inseln und Madeira wird diese Staubfront voraussichtlich am 23. Februar Spanien erreichen, bevor sie ab dem 24. Februar 2026 nach Frankreich aufsteigt – inklusive Paris und der Île-de-France. Dieser südliche Luftstrom aus Marokko und Algerien bringt ungewöhnlich milde Temperaturen für die Jahreszeit mit sich: In der Hauptstadt könnten die Temperaturen beinahe frühjahrmäßig sein.
Dieses Phänomen ist für diese Jahreszeit keineswegs ungewöhnlich. Die ersten Monate des Jahres sind regelmäßig von Staubaufwällen aus der Sahara geprägt, die aus Nordafrika herüberschwappen. Auch Paris bleibt davon nicht verschont: Im März 2022 färbte eine große Staubwolke den Himmel der Hauptstadt in gelb-orange Tönen, während eine feine Staubschicht auf Dächern, Terrassen und parkenden Autos zurückblieb. Ähnliche Ereignisse hatte es auch im Februar 2021 in der Île-de-France gegeben, bei denen die Grenzwerte für die Feinstaubpartikel PM10 laut Airparif, der Organisation für die Luftqualitätsüberwachung in der Region, überschritten wurden.
Viel hängt in Wirklichkeit von der Höhe ab, in der sich der Rauchschwaden bewegen, sowie von den lokalen Wetterbedingungen bei ihrer Ankunft. Bleiben die Staubpartikel in größeren Höhen, wirkt sich das hauptsächlich auf das Erscheinungsbild aus: Der Himmel wird trüb und milchig, manchmal leicht gelblich oder orange gefärbt, während die Wettervorhersagen kaum beeinträchtigt werden. Die feinen Partikel dienen als Kondensationskerne, die die Bildung dichter Wolken begünstigen. Wird der Rauch dagegen bis auf Bodenniveau abgelenkt, insbesondere bei trockenem, stabilen Wetter, kann die Luftqualität in der Île-de-France erheblich verschlechtern. Regen hingegen reinigt die Atmosphäre und spült die Partikel aus der Luft, hinterlässt aber manchmal gut sichtbare Sandspuren auf Oberflächen.
Historische Daten von Airparif zeigen, dass bei ähnlichen Ereignissen mindestens ein Drittel der im Île-de-France gemessenen PM10-Partikel direkt auf Saharastaub zurückzuführen sind. Diese Staubpartikel führen zu einem Konzentrationsanstieg von etwa 10 Mikrogramm pro Kubikmeter, was ausreicht, um die Warn- und Empfehlungenwerte von 50 µg/m³ zu überschreiten.
Die Antwort ist differenziert. Feinstaubpartikel PM10, die kleiner als 10 Mikrometer sind, können in die Atemwege eindringen und Reizungen verursachen oder Asthmaanfälle auslösen – und bestehende Herz-Lungen-Erkrankungen verschlimmern. Dennoch weist Atmo Auvergne-Rhône-Alpes darauf hin, dass diese Wüstenstaubpartikel im Vergleich weniger schädlich sind als jene, die durch Verkehr oder Holzheizung entstehen. Besonders gefährdet sind Kinder, Seniorinnen und Senioren, Asthmatiker sowie Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für diese Personengruppen empfiehlt der Haut Conseil de la Santé Publique, körperliche Anstrengungen im Freien während der Luftverschmutzungsperiode möglichst zu vermeiden.
Für die restliche gesunde Bevölkerung besteht kein Grund zur übermäßigen Beunruhigung. Man sollte einfach die aktuellen Luftqualitätswerte in Echtzeit auf airparif.fr oder auf der Seite Atmo France im Auge behalten und das Trockenreiben des mit Sand bedeckten Autos vermeiden, um Kratzer auf der Lackierung zu vermeiden. Das Ereignis sollte sich allmählich in den kommenden Tagen auflösen, da erste Regenschauer in der Regel ausreichen, um die Atmosphäre zu reinigen und die Konzentrationen wieder auf normale Werte zu bringen.















