Transavia hat den Auftakt gemacht, doch sie könnte nicht die Letzte bleiben. Seit der Blockade der Straße von Hormuz durch den Iran Ende Februar 2026 sehen sich europäische Fluggesellschaften mit einer immer schwieriger zu lösenden Gleichung konfrontiert: Fliegen ist deutlich teurer geworden, und manche Verbindungen rentieren sich einfach nicht mehr. Wenn die Krise über den Frühling hinaus anhält, könnten Flugausfälle sich häufen und deutlich mehr Reisende ab den Flughäfen der Île-de-France betreffen, wie Paris-Orly oder Roissy Charles-de-Gaulle.
Das Problem liegt in einem ausgesprochen ungünstigen Kalender. Der Höhepunkt des Flugverkehrs in Europa setzt traditionell Mitte Mai ein, mit Brückentagen und dem ersten Urlaubsverkehr. Genau jetzt drohen die Kerosinreserven ihren Tiefstand zu erreichen. Mit anderen Worten: Die Nachfrage wird steigen, gerade dann, wenn die Versorgung am fragilsten ist. Willie Walsh, der Chef der IATA, hat davor gewarnt, dass massive Stornierungen möglich wären Europa spätestens Ende Mai treffen könnten, falls die Krise anhält.
Die Chefs von Air France-KLM und Ryanair haben beide öffentlich schon ab Mai 2026 mit deutlichen Störungen gerechnet. Der Ton ist ungewöhnlich: Normalerweise meiden Luftfahrtmanager alarmierende Aussagen, um Kunden nicht in Panik zu versetzen. Wenn sie sich öffentlich äußern, ist die Lage tatsächlich besorgniserregend.
Die am stärksten gefährdeten Abfahrten aus Frankreich sind zunächst die saisonalen Billigfluglinien: Volotea, Transavia und einige easyJet»-Linien, die kürzlich eröffnet wurden, würden als Erste geopfert, sollten die Kosten untragbar werden. Die Langstrecken über die Golf-Hubs (Dubai, Doha, Abu Dhabi) sind ebenfalls anfällig, da die lokale Kerosinversorgung unsicher ist.
Ein Anzeichen der Spannungen bei den Vorräten: Am Flughafen Liège mussten zwei Boeing 767-Frachtmaschinen Mitte März aufgrund unzureichender Treibstoffmengen nach Brüssel-Zaventem umgeleitet werden. Solche Vorfälle, bislang Einzelfälle, könnten zunehmen, wenn die Reservebestände weiter fallen. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) verfügen mehrere europäische Länder heute nur noch über weniger als zwanzig Tage Treibstoffdeckung. Sinkt dieser Wert unter 23 Tage, könnten in einzelnen Flughäfen physische Engpässe auftreten, die eine Kette von Absagen auslösen.
Der Hedging (die finanzielle Absicherung gegen die Treibstoffpreise) schützt Unternehmen vor Preisschwankungen, nicht aber vor einer physischen Kerosinknappheit an Flughäfen. Im düstersten Szenario könnte eine länger andauernde militärische Eskalation zu nachhaltigen Lieferengpässen führen und solche Absicherungsgeschäfte außer Kraft setzen. Selbst Ryanair, das am besten abgesichert ist, hat gewarnt, dass es bei weiterer Verschärfung der Lage 5 bis 10 Prozent seiner Flottenrotationen in Mai, Juni und Juli streichen könnte. Auf Seiten von Lufthansa wurden bereits bis Oktober 2026 rund 20.000 Kurzstreckenflüge gestrichen, und die Regionaltochter CityLine wurde geschlossen, um Kraftstoff zu sparen.
Der wichtigste Reflex: nicht selbst stornieren. Wenn die Fluggesellschaft storniert, erhalten Sie eine vollständige Rückerstattung und gegebenenfalls eine Entschädigung gemäß der EU-Verordnung CE 261/2004. Storniert Sie jedoch eigenständig, verlieren Sie diese Rechte. Im Streitfall bleibt in Frankreich die DGAC die zuständige Stelle, um Ihre Fluggastrechte durchzusetzen. Unser Leitfaden zu den Möglichen Rechtsmitteln bei stornierten Flügen erläutert alle notwendigen Schritte.
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