Es ist eine Nachricht, die in der Welt des pariser Laufens überraschend wirkt: Nach fast drei Jahrzehnten an der Spitze könnte Amaury Sport Organisation (ASO) die Organisation des Marathon de Paris und des Semi-Marathon de Paris ab 2027 verlieren. Laut Le Parisien soll die Stadt Paris angeblich den Beschluss gefasst haben, das Mandat an das Konglomerat Cadence zu vergeben, bestehend aus Keneo, OSE und einer Agentur der Gruppe Havas, um die beiden Veranstaltungen erneut zu vergeben. Eine unerwartete Zäsur, auch wenn Gerüchte seit einigen Monaten im Branchenkreise kursierten.
Die Konzession lief aus und musste für 2027 verlängert werden. Drei Gruppierungen standen im Rennen: Cadence (Keneo, OSE, Havas), der Titelverteidiger ASO und ein dritter Konsortium aus Playground, Infront und Oconnection. Schließlich dürfte Cadence von der Stadt Paris ausgewählt worden sein, Eigentümerin der Marken Halbmarathon und Paris-Marathon. ASO, das diese Veranstaltungen seit 1998 ausrichtet, bleibt damit außen vor bei einem Event, das es maßgeblich im globalen Sportkalender etabliert hat. Ein mit dem Fall vertrauter Informant des Le Parisien fasst die Situation mit einiger Überraschung zusammen: Es sei „ziemlich erstaunlich“, dass eine Veranstaltung, die „seit Jahren läuft“, die Hände wechselt.
Die Gruppierung Cadence ist im Pariser Laufsport nicht unbekannt. OSE, eines ihrer Mitglieder, organisiert bereits den Éco-Trail de Paris, eine Veranstaltung, die fest im Laufkalender der Île-de-France verankert ist. Keneo bringt eine Expertise im Sport-Event-Management ein, während die Agentur Havas den Bereich Kommunikation und Marketing des Projekts stärkt. Sollte der Pariser Rat diese Wahl in seiner Sitzung Ende Mai 2026 bestätigen, erhält Cadence die Leitung beider Veranstaltungen für vier Jahre, bis 2030.
Es ist offensichtlich die Frage, die sich jeder stellt. Für die Ausgabe 2026 ändert sich nichts: ASO hat weiterhin das Sagen und der Marathon de Paris 2026 ist gerade erst gelaufen, mit 58.853 Marathon-Teilnehmern und 50.000 beim Halbmarathon – ein weltweiter Rekord. Der Übergang würde somit erst ab 2027 erfolgen. Für die Läufer bleiben konkrete Änderungen noch abzustecken: Streckenführung, Anmeldeformalitäten, Lauferlebnis... All das wird von den Entscheidungen abhängen, die Cadence treffen wird, sobald die Konzession offiziell in deren Händen liegt. Man kann vernünftigerweise davon ausgehen, dass ein neuer Veranstalter sein eigenes Markenzeichen setzen möchte, mit neuen Ideen in Kommunikation, Logistik oder dem Teilnehmerlebnis.
Diese Veränderung hängt weiterhin vom Beschluss des Pariser Stadtrats ab, der für Ende Mai 2026 vorgesehen ist. Solange die Abstimmung noch aussteht, ist nichts beschlossen. Doch sollte die Entscheidung bestätigt werden, wäre dies eine der bemerkenswertesten Übergänge in der Geschichte des Laufsports in der Île-de-France. Das wird mit großem Interesse verfolgt.















