Als Ältester von vier Geschwistern wird er 1929 in Brüssel geboren, zwischen dem Südbahnhof und den Schlachthöfen, in einer polnisch-jüdischen Familie. Sein Vater, Abraham, ist Lederwarenmacher, seine Mutter, Fradla, Näherin.
Die Besetzung Belgiens im Mai 1940 verändert ihr Leben grundlegend. Nachdem sie vor dem Vormarsch der Wehrmacht nach Frankreich geflohen waren, kehren die Kaliskis nach Brüssel zurück, weil ihnen die Mittel fehlen.
Darauf beginnt eine Überlebensgeschichte, die an ein Wunder grenzt, weil sie den Kontrollen, Denunziationen und der großen Razzia im jüdischen Viertel von Cureghem am 3. September 1942 entgeht.
Doch Abraham wird am 12. Februar 1944 festgenommen. Daraufhin gelingt es Fradla, ihre jüngsten Kinder unterzubringen, und sie verstecken sich mit Chaïm bis zur Befreiung im September 1944.
Für Chaïm endet das Leben am Tag der Festnahme seines Vaters, dessen Trauma ihn sein ganzes Dasein begleiten wird. Erst im Alter von sechzig Jahren, 1989, auf den Rat seiner Schwester Sarah — ebenfalls Malerin — beschloss er, ihre Geschichte zu zeichnen. Dem Vorhaben widmete er sich achtzehn Jahre lang und schuf Tausende von Zeichnungen.
Der Strich wirkt auf den ersten Blick kindlich, ist aber keineswegs harmlos: Szenen von Verhaftungen und Razzien, die den Künstler nachhaltig beschäftigen; er bleibt für immer das „versteckte Kind“, von Angst und Beklemmung geprägt, die sich in den Bildern auf seiner Netzhaut eingebrannt haben.
Überwiegend mit China-Tusche gezeichnet, vereinen diese ergreifenden Szenen Text und Bild.
Sie bestehen aus »sehr lauten« Zeichnungen, die Schreie des Entsetzens, Gebrüll, das Brummen von LKW-Motoren oder das Klirren von Waffen bei Razzien anklingen lassen und zu einem Wirbel vereinen, dem wiederkehrende Refrains beigemischt sind – wie obsessive Litaneien.
Der Leser taucht ein in eine jüdische Gemeinschaft, die am Verschwinden zu sein scheint, und erfährt davon durch die Gespräche zwischen dem Vater des Künstlers und den Menschen, denen er auf seinen Spaziergängen begegnet.
Die von Chaïm Kaliski geschaffenen Zeichnungen bilden die bewegende Chronik einer jüdischen Kindheit und ein Zeugnis von unerreichbarer Präzision über die jüdische Gemeinschaft Brüssels unter der Besatzung.
Ein perfektes Beispiel für Outsider-Kunst: Das Werk gehört einem Mann mit hypermnäischem Gedächtnis und einer enormen historischen Bildung, dessen Spur sich in den 120 Zeichnungen zeigt, die in dieser erstmals in Frankreich organisierten monografischen Ausstellung präsentiert werden.
Termine und Öffnungszeiten
Von 16. April 2026 bis 30. August 2026
Standort
Museum für Kunst und Geschichte des Judentums
71 Rue du Temple
75003 Paris 3
Route berechnen
Zugang
Metrolinie 11 Station "Rambuteau".
Tarife
Tarif enfant -18ans : Kostenlos
Tarif jeune -26ans : €5.5
Tarif réduit : €7.5
Tarif plein : €10.5
Offizielle Seite
www.mahj.org
Instagram-Seite
@mahjparis
Weitere Informationen
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