Nein, der Name „Gobelins” hat nichts mit den kleinen Wesen aus Harry Potter zu tun! Und doch ist die Parallele gar nicht so abwegig... Denn auch hier geht es um virtuose Handwerker, magische Farben und ein seit Jahrhunderten überliefertes Know-how.
Ein Juwel des französischen Know-hows im Herzen des 13. Arrondissements
Bevor wir das Geheimnis des Namens lüften, wollen wir uns noch einmal vor Augen führen, was die Manufacture des Gobelins eigentlich ist. Diese Institution mit Sitz in der Avenue des Gobelins 42 im 13. Arrondissement von Paris untersteht heute dem Mobilier national. Seit mehr als vier Jahrhunderten pflegt sie die Kunst der außergewöhnlichen Tapisserie, die nach jahrhundertealten Techniken von Hand gefertigt wird.
Die Manufaktur wurde offiziell unter Ludwig XIV. und Colbert im 17. Jahrhundert gegründet und sollte die königlichen Paläste, Botschaften und Staatsresidenzen schmücken. Auch heute noch produziert und restauriert sie einzigartige Werke für die prestigeträchtigsten öffentlichen Gebäude Frankreichs.
Aber warum trägt diese Hochburg des staatlichen Handwerks einen so seltsamen Namen, der an kleine Fabelwesen erinnert? Hier beginnt die Geschichte...
Geben Sie zu: Wenn Sie„Manufacture des Gobelins”hören, stellen Sie sich vielleicht eine geheime Werkstatt vor, in der kleine Wesen mit spitzen Nasen geschäftig hin und her huschen, wie aus einem Fantasy-Roman. Sowohl in Harry Potter als auch in Der Herr der Ringe werden Kobolde oft als geschickte Handwerker und talentierte Goldschmiede dargestellt, die zwar manchmal etwas mürrisch sind, aber unglaublich geschickt mit ihren Händen umgehen können.
Und letztendlich ist die Parallele gar nicht so abwegig. Denn auch die Gobelins von Paris haben ihren Ruf auf handwerklicher Exzellenz aufgebaut – nicht in der Schmiede oder mit Edelmetallen, sondern in der Kunst des Färbens und der Tapisserie.
Alles begann um 1443 mit Jehan Gobelin, einem Färber aus Reims. Er ließ sich am Ufer der Bièvre nieder, einem kleinen Fluss, der heute unter dem Asphalt des im 13. Arrondissement verschwunden ist. Dort eröffnete er eine Werkstatt und machte sich dank seiner scharlachroten Farbstoffe von außergewöhnlicher Intensität schnell einen Namen. Die Legende, die später vom Chemiker Chevreul überliefert wurde, erzählt, dass Jehan Gobelin, dessen Reichtum fast magisch schien, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe.
Der Erfolg war so groß, dass der Ort unter dem Namen „Moulin des Gobelins” bekannt wurde und schließlich das gesamte Viertel diesen Namen annahm. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „les Gobelins” in erster Linie die Nachkommen und das Erbe eines mutigen Handwerkers sind, dessen Beherrschung der Farben bereits seine Zeitgenossen in Staunen versetzte.
Ein Jahrhundert später zog der Ort die Aufmerksamkeit der Könige von Frankreich auf sich. Heinrich IV. ließ dort 1601 die flämischen Tapissiers Marc de Comans und François de La Planche ansiedeln, um eine Produktion französischer Wandteppiche aufzubauen, die mit denen aus Flandern konkurrieren konnten.
Unter Ludwig XIV. kaufte Minister Colbert das Anwesen und gründete dort 1662 die königliche Manufaktur Manufacture royale des Gobelins, die die königlichen Residenzen ausstatten und dekorieren sollte. Die Manufaktur vereinte damals die besten Handwerker des Königreichs: Tapezierer, Kartonmaler, Tischler, Vergolder ... Ein Schmelztiegel der Talente, der den französischen Geschmack in ganz Europa bekannt machte.
Entgegen seiner Etymologie stammt das Wort „Gobelin” also nicht von den Wesen aus der Folklore. Es handelt sich um einen Familiennamen, der zu einem Ortsnamen und dann zu einem Symbol für handwerkliche Exzellenz wurde. Aber die Assoziation mit den „Goblins” aus den Legenden bleibt ein schöner Zufall: In beiden Fällen handelt es sich um leidenschaftliche Handwerker, die in der Lage sind, Rohmaterial in Meisterwerke zu verwandeln.
Das Gebäude existiert noch immer in der Avenue des Gobelins 42 im 13. Arrondissement von Paris. An diesem historischen Ort führen die Handwerker des Mobilier national die Tradition fort: Wandteppiche, prestigeträchtige Teppiche, Restaurierung von Textilkunstwerken.
Hier geht es nicht um industrielle Produktion, sondern um handwerkliches Know-how, das über Generationen hinweg weitergegeben, verfeinert und perfektioniert wurde.
Der Name Manufacture des Gobelins stammt also von einer Familie von Färbern aus dem 15. Jahrhundert, die sich am Ufer der Bièvre niedergelassen hatte. Ihre außergewöhnliche Beherrschung der Farben gab dem Viertel seinen Namen, später dann auch der königlichen Manufaktur, die an derselben Stelle gegründet wurde. Und wenn das Wort heute an die legendären Handwerker aus der Welt der Fantasie erinnert, ist das letztlich eine perfekte Anspielung!
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