Kalendernotiz vom 26. Oktober in Paris: Die Eröffnung des Cernuschi-Museums nahe dem Parc Monceau

Von Manon de Sortiraparis · Aktualisiert am 28. September 2026 um 13:34
Nur einen Steinwurf vom Parc Monceau entfernt wird die ehemalige Residenz eines Reisenden und Sammlers am 26. Oktober 1898 offiziell zu einem Pariser Museum. Als Erbschaft an die Stadt Paris übergeben, begleitet von Tausenden von Objekten aus Asien, eröffnet das Hôtel particulier von Henri Cernuschi damit ein neues Kapitel seiner Geschichte.

Am Mittwoch 26. Oktober 1898 drängten sich die Gäste an der Avenue Velázquez am Rand des Parc Monceau. In dem herrschaftlichen Stadthaus von Henri Cernuschi, der zwei Jahre zuvor gestorben war, eröffnet der Conseil municipal von Paris offiziell das Museum zu seinem Namen, im Rahmen einer Zeremonie, die von Léon Bourgeois geleitet wurde, dem damaligen Minister für Öffentliche Bildung und die Schönen Künste.

Hinter dieser Einweihung verbirgt sich der ungewöhnliche Lebensweg eines Mannes, der 1821 in Mailand geboren wurde. Als engagierter Republikaner tritt Henri Cernuschi in den italienischen Revolutionen von 1848 in Erscheinung und wird Abgeordneter der kurzlebigen Römischen Republik. Nach dem Sturz gezwungen, ins Exil zu gehen, gelangt er nach Frankreich, wo er sich schrittweise als Ökonom und Finanzier ein Vermögen aufbaut. Gegner des Zweiten Kaiserreichs wird er nach der Proklamation der Dritten Republik im September 1870 Franzose.

Éphéméride du 26 octobre à Paris : L'inauguration du musée Cernuschi près du parc MonceauÉphéméride du 26 octobre à Paris : L'inauguration du musée Cernuschi près du parc MonceauÉphéméride du 26 octobre à Paris : L'inauguration du musée Cernuschi près du parc MonceauÉphéméride du 26 octobre à Paris : L'inauguration du musée Cernuschi près du parc Monceau
Henri Cernuschi, financier, républicain et collectionneur dont l’hôtel particulier et les collections asiatiques sont légués à la Ville de Paris après sa mort en 1896. Copyright : Nadar (?) – domaine public / Public Domain Mark 1.0.

Tief geprägt von der Pariser Kommune, verlässt Cernuschi Frankreich im September 1871 zu einer Weltreise an der Seite des Kunstkritikers Théodore Duret. Ihre Reise führt sie unter anderem nach Japan und in China. Cernuschi erwirbt dort rund 5000 Objekte, mit einer Vorliebe für Bronzen, aber auch Keramiken und zahlreiche Objekte aus den Bereichen der chinesischen und japanischen Künste. Als er im Januar 1873 nach Paris zurückkehrt, ist seine Sammlung bereits so beachtlich, dass sie die Sammler aufmerksam macht!

Ein Teil dieser Erwerbungen wird bereits 1873 im Palais de l’Industrie gezeigt, im Rahmen einer Ausstellung über das Ferner Osten. Der Moment fällt mit dem Aufschwung des Japonismus in Frankreich zusammen: Künstler, Dekorateure und Pariser Sammler begeistern sich seinerzeit für Drucke, Keramiken, Bronzewaren und Objekte aus Japan. Zu den Schöpfern, die von den von Cernuschi gesammelten Objekten mit diesen Kunstformen vertraut gemacht wurden, zählen unter anderem Théodore Deck und Gustave Moreau.

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Le « musée chinois et japonais » d’Henri Cernuschi dans son hôtel particulier près du parc Monceau, en 1880. Au fond se dresse le monumental Bouddha Amida. Copyright : Photographe anonyme / Paris Musées – Musée Carnavalet – CC0 1.0

Cernuschi will seiner Sammlung jedoch ein dauerhaftes Gehäuse geben. Er erwirbt von den Brüdern Pereire ein noch unbebautes Stück der Avenue Velázquez und beauftragt den Architekten William Bouwens van der Boijen mit dem Bau seines Privathauses. Mit seiner neoklassizistischen Fassade, die von Norditalien inspiriert ist, seinen Medaillons, die Aristoteles und Leonardo da Vinci darstellen, und seinen großzügi­gen Innenräumen ist das Haus darauf ausgelegt, sowohl bewohnt zu werden als auch die Werke in Szene zu setzen.

Im Zentrum des Ausstellungskonzepts thront ein monumentales Stück: der Amida-Buddha, eine imposante japanische Bronzestatue von etwa 4,5 Metern Höhe. Cernuschi erwarb sie in Japan im Jahr 1871, nachdem sie dem Brand des Banryūji-Tempels im Meguro-Viertel von Tokio entronnen war. Für den Transport zerlegt, wird sie in Paris von den Barbedienne-Werkstätten wieder zusammengesetzt. Der große Saal des Hotels ist um diese Skulptur herum konzipiert; heute gehört sie zu den Werken, die dem Museum unmittelbar zugeordnet sind!

Visuels musée et monument - musée CernuschiVisuels musée et monument - musée CernuschiVisuels musée et monument - musée CernuschiVisuels musée et monument - musée Cernuschi

Die Pariser warten jedoch nicht auf die Eröffnung am 26. Oktober, um in das Anwesen einzudringen, denn das Hôtel war tatsächlich schon 1875 für Besucher geöffnet, zu Lebzeiten von Cernuschi. Das Ereignis von 1898 entspricht daher der offiziellen Gründung des städtischen Museums, nachdem das Vermächtnis an die Stadt Paris erfolgt war, und nicht der allerersten öffentlichen Präsentation der Sammlung.

Henri Cernuschi stirbt am 11. Mai 1896 in Menton und vermacht Paris sein herrschaftliches Stadthaus und die Sammlungen, die es enthält. Sein Sekretär, Eugène-Benoît Causse, begleitet daraufhin die Umwandlung des Hauses in ein Museum und wird dessen erster Leiter. Zwei Jahre später, bei der Eröffnung, verweist der offizielle Bericht der Stadtverwaltung insbesondere auf 1505 japanische Stücke, 856 chinesische und 75 indische Werke, verteilt auf Bronzen, Porzellane, Faïence, Möbel, Zeichnungen und Bücher.

Voyage sur la route du Kisokaido : nos photos de l'exposition du Musée CernuschiVoyage sur la route du Kisokaido : nos photos de l'exposition du Musée CernuschiVoyage sur la route du Kisokaido : nos photos de l'exposition du Musée CernuschiVoyage sur la route du Kisokaido : nos photos de l'exposition du Musée Cernuschi

Das Museum entwickelt sich im Laufe des 20. Jahrhunderts rasch weiter. Unter Henri d’Ardenne de Tizac, der 1905 Causse nachfolgt, verschafft sich die Einrichtung eine wachsende Bedeutung von Archäologie und alter chinesischer Kunst. Die Ankäufe und Schenkungen erweitern den Fundus anschließend erheblich. Heute bewahrt das Cernuschi-Museum fast 15 000 Werke, vor allem aus China, Japan, Korea und dem Vietnam, und nutzt dabei weiterhin das für die Sammlung in den 1870er-Jahren vorgesehene Hôtel particulier!

Für weiterführende Informationen:

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Praktische Informationen

Termine und Öffnungszeiten
Am 26. Oktober 2026

× Unverbindliche Öffnungszeiten: Um die Öffnungszeiten zu bestätigen, wenden Sie sich an die Einrichtung.

    Standort

    7 Avenue Velasquez
    75008 Paris 8

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    Offizielle Seite
    www.cernuschi.paris.fr

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