50 Jahre. Vor 50 Jahren erschien das legendäre Album„Horses” von Patti Smith. Im Herbst 1975 veröffentlichte die amerikanische Künstlerin ihre allererste Platte. Eine Platte, die dank zeitloser Songs wie„Free Money”,„Redondo Beach” und nicht zu vergessen„Gloria” die Geschichte des Rock maßgeblich prägen sollte. 50 Jahre später hallt dieses Album noch immer in den Köpfen vieler Menschen nach.
Zur Anekdote:„Horses” hätte eigentlich am 20. Oktober erscheinen sollen, dem Geburtstag des französischen Dichters Arthur Rimbaud, der Patti Smith so sehr am Herzen lag. Aufgrund einer Vinylknappheit infolge der Ölkrise von 1975 wurde die Veröffentlichung des Albums jedoch auf den 10. November verschoben. Patti Smith nahm dies nicht übel, da es sich um den Todestag von Rimbaud handelte!
50 Jahre nach der Veröffentlichung dieses unverzichtbaren Albums von Patti Smith touren die New Yorker Künstlerin und ihre Mitstreiter durch Europa, um dieses Jubiläum gebührend zu feiern. 2015 hatte Patti Smith beschlossen,im Olympia aufzutreten. Zehn Jahre später kehrt die Sängerin und Dichterin in diesen unverzichtbaren Pariser Saal zurück. Wir haben das erste dieser beiden Konzerte im Olympia am Montag, den 20. Oktober 2025, besucht. Wir berichten Ihnen von dieser Zeitreise voller Energie, Rock, Poesie, Rebellion und Emotionen.
Angekündigt für 20 Uhr, betreten Patti Smith und ihre treuen Musiker schließlich kurz vor 20:15 Uhr die Bühne. Die Bühnenbildgestaltung ist schlicht, ebenso wie die Beleuchtung, die während des gesamten Sets nahezu unverändert bleibt. Auf der Bühne steht natürlich der GitarristLenny Kaye, den wir nach seiner Abwesenheit während der Tournee des Quartetts gerne wieder sehen, aber auch der SchlagzeugerSeb Rochford, Tony Shanahanund Jackson Smith, Pattis Sohn, nicht zu vergessen Jesse Paris Smith, ihre Tochter, die während der Zugabe am Klavier sitzt. Stolz wie eh und je mit ihrem langen grauen Haar, ihren schwarzen Stiefeln, den unveränderlichen Jeans und einer schwarzen Jacke schreitet Patti Smith langsam auf die Bühne, die Brille auf der Nase, bevor sie sie abnimmt, um das Publikum zu begrüßen.
Heute, mit 78 Jahren, scheint die Künstlerin schwächer zu sein als früher. Aber sie wird uns schnell das Gegenteil beweisen. Denn sobald Patti Smith zu singen beginnt, findet sie ihre frühere Leidenschaft wieder, getragen von einer unbestreitbaren magnetischen Ausstrahlung. Der erste Song, das sensationelle„Gloria”, ist der Beweis dafür. In etwas mehr als 6 Minuten erteilt uns die Hohepriesterin des Punk eine gute Lektion in Sachen Rock'n'Roll. Die Beine wippen, die Arme gehen in die Höhe und der Herzschlag beschleunigt sich. Los geht's mit zwei Stunden echtem Rock, serviert von einer Ikone, von der man nie genug bekommen kann. Denn Patti Smith gehört zu den seltenen Künstlern, die ihre Songs zu 100 % leben. Patti Smith singt nicht, sie verkörpert ihre Stücke mit Wut, Intelligenz und Elan.
Patti Smith und ihre Mitstreiter machen weiter mitdem reggaeartigen„Redondo Beach”, gefolgt vom kraftvollen„Free Money”, das erneut zu einigen unkontrollierten Hüftbewegungen führt. Die New Yorker Künstlerin beschert uns dann mit ihrem romantischen, traurigen Epos „Birdland” einen wahrhaftigen Moment der Stille. Patti Smith ist an diesem Montagabend besonders gut in Form und singt sich bei diesem Titel sogar die Seele aus dem Leib. Einfach überwältigend und transzendent. In diesem Moment beschließt die Künstlerin übrigens, zum ersten Mal an diesem Abend das Wort zu ergreifen. Mit einem Hauch von Humor erklärt die Dichterin, dass es Zeit ist, die Seite der Schallplatte„Horses” zu wechseln, um mit dem nächsten Titel fortzufahren. Wir wechseln also zur B-Seite und setzen diese wunderschöne Raum-Zeit-Reise mit„Kimberly”, dem mitreißenden„Break It Up” und dem herzzerreißenden„Elegie” fort. Dieser Titel, der normalerweise Jimi Hendrix gewidmet ist, wird an diesem Montagabend Arthur Rimbaud gewidmet, der am 20. Oktober geboren wurde und dem Patti Smith eine immense Verehrung entgegenbringt.
Im Parkett desOlympia ist es bereits ziemlich heiß. Aber die Temperatur steigt noch einmal um eine Stufe mit dem unverzichtbaren„Land: Horses / Land of a Thousand Dances / Gloria”. Mehr als 12 Minuten purer Genuss, in denen Patti Smith uns einmal mehr zeigt, dass sie die Priesterin des Punk ist und bleiben wird! Mit ihrer kraftvollen, rauen Stimme greift die New Yorker Sängerin zum Mikrofon, beugt sich vor und spuckt (im wahrsten Sinne des Wortes) ihre Wut mit einer verwirrenden Energie auf die Bühne, sodass ihr sogar die Jacke herunterfällt. Das Publikum jubelt und klatscht unter den bewundernden Blicken von Michael Stipe von REM, der an diesem Abend auf der Mezzanine sitzt.
Nach so viel Anstrengung gönnt sich Patti Smith eine kleine Pause und verlässt die Bühne mit ihrer Jacke verkehrt herum, was beim Publikum für Heiterkeit sorgt. Sie lässt ihre Band allein zurück, um Television zu würdigen, dieser legendären New Yorker Formation der 70er Jahre, bestehend aus Tom Verlaine, der 2023 verstorben ist, Richard Lloyd, Billy Ficca und Fred Smith. Lenny Kaye, Seb Rochford, Tony Shanahan und Jackson Smith bieten dem Pariser Publikum dann ein schönes Medley aus drei Titeln, nämlich„See No Evil”,„Friction” und„Marquee Moon”.
Zehn Minuten später kehrt Patti Smith für den zweiten Teil des Sets auf die Bühne zurück. Zu diesem Anlass hat die Künstlerin ihre schwarze Jacke gegen eine ärmellose Weste getauscht. Und die Sängerin hat noch einige schöne Überraschungen für uns parat, angefangen mit dem unverzichtbaren„Dancing Barefoot” aus„Wave” und dem packenden„Pissing In a River”, das wir uns für diesen Abend so sehr gewünscht hatten. Es ist immer noch genauso schön und bezaubernd. Patti Smith und ihre Band spielen dann eine Coverversion, eine sehr schöne Version von„Bullet With Butterfly Wings” von The Smashing Pumpkins. Ein Song, den Patti Smith so sehr zu lieben scheint, dass sie auf der Bühne herumhüpft. Und die Künstlerin hat noch jede Menge Energie übrig. Das Set geht weiter mit dem bewegenden„Peaceable Kingdom”, einem Song, der 2004 geschrieben wurde und an diesem Montagabend den palästinensischen Kindern gewidmet ist, gefolgt vom unverzichtbaren„Because the Night” in Erinnerung an Fred „Sonic” Smith, ihren 1994 verstorbenen Ehemann.
Da ein Konzert von Patti Smith ohne„People Have the Power” für viele ein missglücktes Konzert wäre, beschließen die Künstlerin und ihre Band, dieses unglaubliche zweistündige Set mit diesem belebenden und engagierten Stück zu beenden, das uns daran erinnert, dass die Macht beim Volk liegt. Denn, wie Patti Smith jedes Mal sagt:„Don't forget it, USE YOUR VOICE”!
Wir dachten, Patti Smith würde nach ihrem Zusammenbruch im Januar dieses Jahres in Brasilien geschwächt sein. Das ist jedoch nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Je mehr Jahre vergehen, desto mehr scheint die großartige New Yorker Sängerin jedes Konzert so zu erleben, als wäre es ihr letztes. Getragen von ihrer unglaublichen Band, ist Patti Smith nach wie vor von dieser unermesslichen Wut und dieser ansteckenden Energie erfüllt, die sie zu einer großartigen Künstlerin mit magnetischer Ausstrahlung und unbestreitbarem Talent machen.
Patti Smith: Die Setlist des Konzerts zum 50-jährigen Jubiläum von „Horses” im Olympia in Paris
Patti Smith kehrt am Montag, den 20. und Dienstag, den 21. Oktober 2025 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums ihres legendären Opus „Horses” ins Olympia in Paris zurück. Wir haben das erste dieser beiden Pariser Konzerte der Punk-Priesterin besucht. Eine Gelegenheit, Ihnen die Setlist zu verraten! [Mehr lesen]
Standort
Olympia
28 Boulevard des Capucines
75009 Paris 9











Patti Smith: Die Setlist des Konzerts zum 50-jährigen Jubiläum von „Horses” im Olympia in Paris














