Unser erster Moment, in dem wir uns von Anna Von Hausswolff begeistern ließen, liegt im Jahr 2018. Damals betrat die skandinavische Künstlerin die Bühne der Grande Halle de la Villette im Rahmen des Villette Sonique Festivals. Seitdem verfolgen wir jede ihrer Auftritte in der Hauptstadt, um dieses intensives Klangerlebnis immer wieder aufs Neue zu erleben – eine kraftvolle Mischung aus Ambient Pop, Post-Rock und Drone-Musik.
Nach einer außergewöhnlich kreativen Show in einer Kirche im 17. Arrondissement von Paris und ihrem energischen Konzert in der Marbrerie in Montreuil kehrte Anna Von Hausswolff am Samstag, den 31. Januar 2026 nach Paris zurück. Und es ist in einem restlos ausverkauften Trabendo, dass die schwedische Künstlerin um 20:30 Uhr die Bühne betritt, nachdem eine beeindruckende Vorgruppe von ihrer Landsfrau, der Musikerin und Saxofonistin Lisen Rylander Löve, den Abend eingeläutet hatte.
Im Saal gibt es natürlich die langjährigen Fans ebenso wie jene, die die Künstlerin erst mit ihrem sechsten Studioalbum "Iconoclasts" entdeckt haben. Es ist zugänglicher und poppiger als die drei vorherigen Alben, "The Miraculous", die exzentrische "All Thoughts Fly" und das großartige "Dead Magic", doch "Iconoclasts" will hell erstrahlen, ohne seine dunkle Seite zu verbergen. „The world is full of shit and full of evil“, singt sie in „Facing Atlas“. Mit "Iconoclasts" verabschiedet sich die schwedische Sängerin, Organistin und Komponistin ein Stück weit von den gothischen Klangwelten, die ihren Ruf begründeten, und integriert diesmal auch Saxofonklänge von Otis Sandsjö. Ein weiteres Mal beweist sie, dass sie eine unkonventionelle Künstlerin ist und bleibt.
Für dieses Konzert im Pariser Trabendo übernimmt Lisen Rylander Löve alle Saxophonparts. Und das Publikum wird schnell in die Stimmung versetzt mit „Consensual Neglect“, einem instrumentalen Stück, das die Atmosphäre behutsam aufbaut. Die Sängerin und ihre fünf talentierten Musiker, die für den Anlass die gleiche Kombination tragen, starten anschließend mit „Facing Atlas“. Annas kraftvolle und klare Stimme berührt uns tief. Doch das ist erst der Anfang.
Klein, aber unglaublich talentiert, Anna Von Hausswolff setzt nahtlos mit „Mouth“ an. Das Stück endet in einem explosiven Finale, bei dem ihre langen blonden Locken im Rhythmus der Percussions durch die Luft wirbeln. Die schwedische Sängerin setzt ihre multisensorische Reise mit weiteren Stücken fort, größtenteils aus ihrem Album „Iconoclasts“. Besonders hervorzuheben ist „The Whole Woman“, bei dem die Künstlerin ihr beeindruckendes tragbares Orgelinstrument, das berühmte Cantiga Organetto, zum Einsatz bringt. Doch die Hitze steigt spürbar an, als die ersten Töne des gleichnamigen Titels erklingen. Bis dahin hatte Anna sich auf ihrem Pult zwischen Synthesizern eingerichtet, doch nun greift sie zum Kabelmikrofon, schreitet auf die kleine Bühne im Trabendo und legt sich für mehrere Augenblicke lang flach auf den Boden. Das etwa achtminütige Stück ist alles andere als vorbei, es entfaltet eine überwältigende, beinahe glühende Energie, die bis zum Ende anhält.
Nachdem wir in die fesselnde Klangwelt von „An Ocean of Time“ eintauchten, greift Anna Von Hausswolff zur Gitarre und verzaubert uns mit „The Mysterious Vanishing of Electra“. Dieser Titel bahnt sich langsam seinen Weg Richtung Transzendenz. Getragen von einem tribalartigen Rhythmus, beginnen die Zuschauer unkontrolliert zu headbangen, während Anna's Stimme hypnotisch zwischen Glanz und Dunkelheit schwankt.
Die befreiende Energie und die schamanische Atmosphäre des Sets setzen sich fort und sorgen für unser aller große Freude – dank des hervorragenden „Stardust“. Darauf folgt „Aging Young Women“, das dem Publikum eine sanftere und zartere Pause schenkt. Anschließend beginnt der spannendste Moment des Abends mit dem unfassbaren Stück „Ugly and Vengeful“. Über mehr als 17 Minuten tauchen wir langsam in die Dunkelheit ein, getragen von einer seltenen Klangkraft und Annas beinahe inzantierende Stimme. Es ist unglaublich hypnotisch, und man möchte kaum, dass dieses mystische Konzert endet.
Zum Glück kehrt Anna Von Hausswolff mit ihren Mitmusikern für eine Zugabe aus zwei Songs zurück, beginnend mit „Funeral For My Future Children“, einem Stück aus "Ceremoy" (2012). Für den krönenden Abschluss dieses eindrucksvollen Sets wählt die schwedische Künstlerin „Struggle With the Beast“. Getragen von repetitive Saxophon-Melodien, lädt das Stück unweigerlich zur Trance ein. Mit diesem Konzert, so atemberaubend wie kraftvoll, hat Anna Von Hausswolff es geschafft, "Iconoclasts" auf der Bühne noch intensiver und transzendenter wirken zu lassen.
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