Der von James Vanderbilt inszenierte und geschriebene Film Nuremberg blickt zurück auf den Prozess gegen die Nazi-Führer im Jahr 1945. Mit Rami Malek, Russell Crowe und Michael Shannon in den Hauptrollen kommt dieses historische Drama, das in Frankreich von Nour Films vertrieben wird, am 28. Januar 2026 in die Kinos, einen Tag nach den nationalen Vorpremieren am 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
Der Film, der auf dem Toronto Film Festival vorgestellt wurde und in San Sebastián im Wettbewerb lief, nimmt die Perspektive des amerikanischen Psychiaters Douglas Kelley ein, der mit der Beurteilung der geistigen Zurechnungsfähigkeit der Angeklagten beauftragt war. Seine Begegnung mit Hermann Göring, einer zentralen Figur des Nazi-Regimes, bildet den Rahmen für eine psychologische Konfrontation, die die individuelle und kollektive Verantwortung hinterfragt.
Die Erzählung zeigt, wie Kelley in einen intellektuellen Zweikampf verwickelt wird, in dem Manipulation zu einem zentralen Thema wird. Mit Archivaufnahmen, Rekonstruktionen und Dialogen, die sich auf die Themen des Nürnberger Prozesses konzentrieren, beleuchtet der Film einen prägenden Moment des Völkerrechts.
Die Produktion, die bei ihrer Präsentation auf Festivals für ihre historische Genauigkeit gelobt wurde, rekonstruiert den politischen und juristischen Kontext der Nachkriegszeit. Sony Pictures Classics übernimmt den Vertrieb in den Vereinigten Staaten. Der Kinostart in Frankreich ist ein wichtiger Meilenstein für Nour Films und gilt als das ehrgeizigste Projekt in der Geschichte des Unternehmens.
Der Film richtet sich an ein Publikum, das sich für historische Dramen, Gerichtsberichte und die Untersuchung von Machtmechanismen interessiert. Die Themen drehen sich um internationale Gerechtigkeit, individuelle Verantwortung und die Auswirkungen dieses Prozesses auf das Gedächtnis.
Unsere Meinung zu Nürnberg:
Nürnberg greift einen entscheidenden Moment des 20. Jahrhunderts auf, als die Welt, noch immer schockiert von den Verbrechen des Nationalsozialismus, versuchte, das Unvorstellbare zu verurteilen. Statt eine umfassende Nacherzählung des Prozesses zu bieten, wählt der Film einen enger gefassten, fast ehrfürchtigen Blickwinkel: den psychologischen Blick auf die Angeklagten, vor allem Hermann Göring.
Durch diese Linse stellt die Erzählung weniger die juristische Mechanik in den Mittelpunkt, sondern fragt nach dem Wesen des Menschen selbst – in seiner problematischsten Form. Sie stellt die brennende Frage: Sind diese Männer anders als wir, oder sind sie uns unglaublich ähnlich? Der Film agiert mit einer klassischen, aber nie langweiligen Inszenierung, wechselt zwischen Gerichtsverfahren, intensiven Zwiegesprächen und ruhigeren, introspektiven Momenten – alles gepaart mit einem Rhythmus, der die Spannung bis zum Ende hochhält.
Besonders nutzt er den unmittelbaren historischen Rahmen — der Prozess findet direkt nach dem Krieg statt, während die Welt gerade erst beginnt, das Ausmaß der Konzentrations- und Vernichtungslager zu begreifen — um ein Gefühl der moralischen Dringlichkeit zu erzeugen: Es wird verurteilt, während das Verständnis sich noch im Aufbau befindet, geprägt von Schock und Staunen.
Die historische Rekonstruktion steht im Einklang mit den Anforderungen des Themas: dezent, glaubwürdig in den Kulissen, Kostümen und Protokolldetails, so lebendig, dass das Milieu nicht wie ein Museum wirkt, sondern wie eine klaffende Wunde. Visuell überzeugt Nürnberg zudem durch eine erstklassige Kinematografie und ein durchdachtes Lichtdesign: düstere, wohl komponierte Innenaufnahmen, die Gesichter herausarbeiten und eine Chiaroscuro-Atmosphäre schaffen, in der die Wahrheit niemals ohne Widerstand aufspringt – elegant nüchtern, ohne Effekthascherei.
Doch vor allem die Leistung der Schauspieler verleiht dem Film seine Kraft. Russell Crowe stellt einen charismatischen, beunruhigenden Hermann Göring dar, der mühelos zwischen berechneter Freundlichkeit und symbolischer Gewalt hin- und herwechselt; eine Performance, die von manchen als „überdreht“ kritisiert wird, doch gerade ihr Übermaß spiegelt die Alltagsmonstrosität wider – die Fähigkeit, Raum einzunehmen, zu verführen, zu manipulieren und sich selbst zu inszenieren.
Seinem Gegenüber, Rami Malek, gelingt die Darstellung eines eher introvertierten Psychiaters, der zugleich Beobachter und Gefangener seiner Entdeckungen ist: Jemand, der nach Anzeichen von Abweichung, Unmenschlichkeit und Unfähigkeit sucht, und schlussendlich dem aufdringlichsten Beitrag seiner Erkenntnisse begegnet. Denn die Kernaussage des Films, jenseits des historischen Thrillers, ist weniger das „Warum“, sondern das „Wie“: Wie können scheinbar rationale, sozial integrierte Menschen so tief ins Grauen abgleiten — und wie zerbricht die behagliche Vorstellung einer radikalen Andersartigkeit?
Nürnberg richtet sich vor allem an Zuschauer, die sensibel sind für historische Dramen und anspruchsvolle Gerichtsfilme, die moralische Reflexion vor spektakulärer Action stellen. Für jene, die Dialoge, intellektuelle Auseinandersetzungen und philosophische Fragen rund um Gerechtigkeit, Verantwortung und Erinnerung schätzen, bietet der Film eine dichte, ernste und anregende Erfahrung. Er fordert Aufmerksamkeit, Hinhören und eine gewisse geistige Offenheit – belohnt diese Investition jedoch mit tiefen Fragestellungen.
Wer hingegen einen didaktischen, detailreichen oder auf große Spannung ausgelegten Gerichtsfilm erwartet, wird eher enttäuscht. Nürnberg strebt weder nach spektakulärer Inszenierung noch nach Vereinfachung und verzichtet bewusst auf einen Großteil der historischen Komplexität zugunsten einer fokussierten Perspektive. Das macht ihn vor allem für erwachsene, neugierige Zuschauer geeignet, die eine introspektive, weniger demonstrative Herangehensweise schätzen.
Während einige Kritiker eine Vereinfachung oder einen zu standardisierten Erzählansatz bemängeln, kompensiert Nürnberg diese Schwäche durch starke Schauspielerei, formale Strenge und die Fähigkeit, ein bedeutendes Kapitel der Geschichte als packendes, bewusst wirkungsvolles Kinoerlebnis zu gestalten – eine Erfahrung, die aufwühlt, ohne zu predigen. Man verlässt den Film ergriffen, nicht etwa, weil er alles erklärt, sondern weil er den Mut besitzt, sich der unbequemsten Wahrheit zu stellen: Nichts unterscheidet die Täter grundlegend von anderen Menschen, und genau deshalb ist Wachsamkeit Pflicht — eine Option, die keine ist.
Nürnberg
Film | 2026
Kinostart am 28. Januar 2026
Drama, Historie | Laufzeit: 2h28
Von James Vanderbilt | Mit Rami Malek, Russell Crowe, Michael Shannon
Herkunftsland: USA
Dieses historische Drama kehrt zu einem prägenden Moment des 20. Jahrhunderts zurück und beleuchtet die Herausforderungen des ersten großen internationalen Prozesses der Gegenwart.
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