Darüber spricht man wenig, doch es betrifft uns alle. Die Cité des sciences et de l’industrie in Paris präsentiert Kacke, eine ernste Geschichte, eine Ausstellung, die sich den menschlichen Exkrementen widmet — ihrer Geschichte, ihrer Behandlung und ihren sozialen, gesundheitlichen und Umwelt-Herausforderungen, ab dem Frühjahr 2027.
Vom Musée de la civilisation de Québec konzipiert und anschließend gemeinsam mit Universcience co-produziert und angepasst, richtet sich die Ausstellung an Familien und Besucher ab 9 Jahren. Das Thema sorgt zwar für ein Schmunzeln, eröffnet aber sehr konkrete Fragestellungen: Wie haben Gesellschaften mit Fäkalien umgegangen? Warum sind Toiletten zu einem privaten Raum geworden? Was wird aus dem Exkrement nach dem Spülen? Und was können wir heute damit anfangen?




Der Rundgang geht unmissverständlich dem Thema Stuhlgang nach – dennoch mit einer sachlichen, wissenschaftlich fundierten Herangehensweise. Es geht um das Mikrobiom, um Ernährung, um Hygiene, um den Zugang zu Toiletten, um Inkontinenz bei Senioren, um die Abwasserbehandlung und auch um Ungleichheiten. Hinter dieser alltäglichen Geste zeigt die Ausstellung ein Bündel von Fragestellungen, die mit öffentlicher Gesundheit, Umwelt und dem gesellschaftlichen Leben verknüpft sind.
Der Besuch nimmt auch die Form einer Zeitreise durch Räume und Welten. Acht Nachbildungen intimer Orte ermöglichen Einblicke in verschiedene Arten, aufs WC zu gehen – von der Antike bis heute. Dabei begegnet man unter anderem den kollektiven Praktiken des antiken Rom, japanischen Toiletten und auch spielerischeren Darstellungen rund um das Kot in bestimmten Kulturen.
Die Ausstellung erinnert auch daran, dass schlecht gemanagte Exkremente ein Gesundheitsrisiko darstellen können. Umgekehrt können sie, gesammelt und aufbereitet, zur Erzeugung von Biogas, Dünger oder anderen Ressourcen genutzt werden. Der Kot wird damit zu einem Thema der Ingenieurkunst, der Ökologie und der Stadtentwicklung – fern von bloßen Schulhof-Witzen.
Der Rundgang wird als familienfreundlich angekündigt und bietet eine immersive Inszenierung: Nachbildungen von Toiletten, Kulissen, der Eindruck von Texturen, Alltagssituationen und auf die Jüngsten zugeschnittene Vermittlungsangebote. Die Ausstellung dürfte weniger darauf ausgerichtet sein, Dinge zu berühren, als andere Angebote der Cité des sciences, wie das Museum uns bei einer Pressekonferenz erläutert, sondern setzt auf ein Thema, das sofort anspricht und den Dialog innerhalb der Familie eröffnet.
Wenn man die Toilette zurück ins kulturelle und wissenschaftliche Feld holt, Kacke – eine ernste Geschichte bei der Cité des Sciences erinnert daran, dass ein als peinlich empfundenes Thema auch viel über eine Epoche erzählen kann. In einer Zeit, in der Wasser, Hygiene und Recycling immer konkretere Fragen werden, könnte dieses Thema künftig auch außerhalb der Toilettenkabinen diskutiert werden.
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Standort
Stadt der Wissenschaft und der Industrie
30 Avenue Corentin Cariou
75019 Paris 19
Zugang
Metro: Linie 7, Station Porte de la Villette. Bus: Linien 139, 150, 152, Station Porte de la Villette. Straßenbahn:T3b, Station Porte de la Villette.
Offizielle Seite
www.cite-sciences.fr















