An der Île de la Cité stolz emporragend, ist das Handelsgericht von Paris weit mehr als nur ein Ort für finanzielle Streitigkeiten. Umgeben von ebenso außergewöhnlichen Denkmälern wie der Conciergerie, der Sainte-Chapelle oder dem Justizpalast, ist dieses Bauwerk ein verborgenes Juwel des Zweiten Kaiserreichs.
Die Geschichte des Handelsgerichts ist untrennbar mit den bedeutenden Haussmannschen Bauwerken verbunden. Im Jahr 1860 verfolgt Napoleon III das Ziel, die Île de la Cité zum Verwaltungszentrum der Hauptstadt zu machen. Doch der Baron hat eine sehr konkrete Vorgabe: Er möchte, dass das neue Gebäude von der rechten Uferseite aus sichtbar ist und exakt im Zentrum seines brandneuen Sébastopol-Boulevards liegt. Das Problem? Das verfügbare Gelände lässt keine natürliche Ausrichtung der Kuppel auf die Straße zu.
Doch das hält den Architekten Antoine-Nicolas Bailly nicht auf. Er wagt das Ungewöhnliche – eine Art kühner Balanceakt (oder eine kühne Heresie, je nachdem). Er beschließt, den Dom vollständig aus der Waage zu bringen. Betrachtet man das Gebäude von vorne, fällt auf, dass es nicht genau in der Mitte der Struktur steht! Diese absichtlich herbeigeführte Asymmetrie sorgt dafür, dass die 45 Meter hohe Kuppel stolz am Ende der Boulevards-Ansicht thront – wie ein urbaner Leuchtturm, der die Straße markiert.
Eröffnet im Jahr 1865, ersetzt das Gebäude alte Markthallen und weniger prunkvolle Messehallen. Im Inneren herrscht königlicher Luxus: eine monumentale Doppelwendeltreppe, Skulpturen, die Gerechtigkeit, Klugheit und Entschlossenheit darstellen, sowie ein Großer Saal der Akten, der selbst große Paläste in den Schatten stellt. Hier wird über Handelsstreitigkeiten verhandelt, doch die Besucher bleiben vor allem, um die bemalten Decken und die Kronleuchter zu bewundern, die eine Geschichte voller Bedeutung in sich tragen.
Standort
Handelsgericht Paris
1 Quai de la Corse
75004 Paris 4















