Miss Dior. Jeder kennt den Flakon, der mit einer Schleife in Form einer Dolchklinge geschmückt ist, und seine blumigen Noten. Doch hinter dem ersten Parfum von Christian Dior, das 1947 auf den Markt kam, verbirgt sich eine Schattenfigur mit einem bewegten Schicksal. Miss Dior ist kein imaginäres Muse: Es ist Catherine Dior, die geliebte Schwester des Couturiers, deren Mut die Geschichte des besetzten Frankreich geprägt hat.
Im Jahr 1947, als Christian Dior kurz davor stand, seine Modenschau zu präsentieren, suchte er nach einem Namen für seinen ersten Duft. Seine Muse Mitzah Bricard ruft, als Catherine Dior hereinkommt: „Schau, das ist Miss Dior!“ Der Name ist gefunden. Aber was die Öffentlichkeit damals nicht wusste, ist, dass diese junge Frau gerade die Hölle durchlitten hat.
Der Einstieg in die Résistance begann 1941 im franco-polnischen Netzwerk F2; Catherine Dior führte riskante Aufklärungsmissionen über die Bewegungen der deutschen Truppen. Von der Gestapo im Juli 1944 verhaftet und gefoltert, nennt sie keinen Namen. Sie wird mit dem letzten Transport ins KZ Ravensbrück deportiert, aus dem sie erst im Mai 1945 zurückkehrt, unkenntlich und erschöpft.
Für Christian Dior scheint die Benennung dieses Parfums ein Weg zu sein, das Überleben seiner Schwester und die Rückkehr des Lichts nach den dunklen Jahren zu feiern. Indem er Gardenie, Rose und Jasmin miteinander mischte, wollte er die Gärten ihrer Kindheit in Granville wieder aufleben lassen – wie ein Bollwerk gegen das Grauen der KZ-Lager, das Catherine erfahren hatte. Sie selbst zog sich nach dem Krieg in die Provence zurück, um Gärtnerin zu werden, und kultivierte diese schönen Blumen.
Wenn die moderne Kommunikation ein Bild von romantischer, unbeschwerter Weiblichkeit vermittelt, wird oft übersehen, dass der Name „Miss Dior“ aus einer sehr dunklen Epoche stammt. Catherine war eine Frau von absoluter Zurückhaltung, mied die Oberflächlichkeiten der Gesellschaft und weigerte sich, ihre Vergangenheit als Widerstandskämpferin zu versilbern. Sie war nicht nur eine eine Inspirationsquelle, sondern eine bedeutende Akteurin der Geschichte, deren Spur vor allem die Freiheit ist.















