Im mitten des das mittelalterliche Paris, soll eine Flamme die Toten im Herzen der Halles bewacht haben. Noch vor den Baltard-Pavillons, dem Forum und der Canopée, beherbergte das Viertel den Friedhof der Unschuldigen, eine riesige Pariser Nekropole, in der über Jahrhunderte Bewohner zahlreicher Kirchengemeinden der Rive Droite beigesetzt wurden. Und in dieser heute verschwundenen Kulisse erhob sich ein seltenes Zeugnis von Paris: eine Totenkandelaber-Laterne.
Eine Lichtlaterne der Toten ist ein kleines Bestattungsdenkmal, oft in Form einer Säule oder eines offenen Turms, in dem man früher eine Lampe platzierte. Ihre genaue Funktion wird bis heute diskutiert. Sie könnte auf das Vorhandensein eines Friedhofs hinweisen, die Seelen der Verstorbenen symbolisch begleiten oder das christliche Licht im Angesicht des Todes erinnern. Man findet sie vor allem in bestimmten Regionen des Zentrum-Westfrankreichs, insbesondere Poitou, Saintonge oder dem Limousin. In Paris hingegen scheint dieser Monumenttyp eher selten gewesen zu sein.
Das macht den Friedhof der Unschuldigen so interessant. Der Ort selbst trug bereits einen gewichtigen Ruf in sich: Er wurde schon im Frühmittelalter genutzt und entwickelte sich zu einem der größten Friedhöfe von Paris. Die ersten Aushebungen von Gebeinen in die alten Steinbrüche der Tombe-Issoire, von 1785 bis 1787, betrafen genau den Friedhof der Unschuldigen, der damals als der bedeutendste der Hauptstadt galt.
Der Friedhof der Unschuldigen war alles andere als ein ruhiges, kleines Geviert. Er war von Massengräbern umgeben, empfing die Toten vieler Pfarreien, und sein Boden war schließlich übersättigt. Dort befand sich auch eine berühmte Totentanz, gemalt im Jahr 1424, der als Ausgangspunkt jener ikonografischen Tradition in Frankreich gilt.
In dieser Grablandschaft hätte die Totlaterne den Anschein eines gothischen Fanal angenommen. Einige uralte Quellen und historische Berichte sprechen von einer flackernden Flamme, die nachts sichtbar war – mitten in dem Raum, in dem die Pariser tagtäglich mit dem Tod konfrontiert wurden.
Nach der Legende soll diese Laterne auf dem Grab eines Mannes errichtet worden sein, der zu Lebzeiten damit prahlte, die Hunde würden sein Grab niemals schänden. Die alte, recht derbe Formel lautete, dass sie „nie auf sein Grab pieseln würden“. Aus Stolz habe dieser Mann die entwürdigste Nachruhm nach sich ziehen wollen. Wie so oft in Volkslegenden sollte der Tod ihm ironisch antworten. Um sein Grab zu schützen – oder um seine Prahlerei zu verspotten – soll man darüber ein Denkmal erhoben haben: jene berühmte Totenlaterne. Der Einsatz sei demnach eingelöst worden: Kein Hund habe sein Grab je geschändet, weil es von einer feierlichen Grablaterne bedeckt war. Doch vor allem blieb der Stolz des Verstorbenen als makabere Anekdote im Herzen des alten Paris haften.
Diese Lanterne des morts ist höchstwahrscheinlich verschwunden, als der cimetière des Innocents am Ende des 18. Jahrhunderts aufgehoben wurde. Nach der Schließung des Friedhofs wurden die Gebeine in die Catacombes überführt, offiziell als „städtisches Ossarium von Paris“ am 7. April 1786 eingeweiht.
Die Gebäude, Gruftanlagen und Denkmäler des Friedhofs wurden danach zerstört oder verstreut. Das Carnavalet-Museum bewahrt mehrere Zeichnungen aus dieser Zeit, darunter Ansichten der Denkmäler des Friedhofs Les Innocents, die 1786 zerstört wurden, wertvolle Zeugnisse eines Grabviertels, das durch die städtebaulichen Veränderungen aus dem Stadtbild verschwunden ist.
Heute ist im Halles-Viertel keine Leuchte der Toten mehr zu sehen. Der Bezirk hat ein anderes Gesicht bekommen, die Fontaine des Innocents wurde verlegt und umgestaltet, die Gebeine ruhen unter Paris, und das kleine Grablicht erlosch mit dem alten Friedhof.
Geschichte von Paris: Der Friedhof der Unschuldigen und die Überreste, die heute noch davon übrig sind
Was wussten Sie schon? In Paris, im Viertel Les Halles, befand sich einst ein für die Hauptstadt bekannter Friedhof: der Friedhof der Unschuldigen (oder der Saints-innocents). Erfahren Sie mehr über seine faszinierende Geschichte und die wenigen Überreste, die von ihm übrig geblieben sind. [Mehr lesen]
Titelbild: Saint Aulaire, A., Zeichner-Lithograf Bernier, Claude-Louis (geboren 1755 – gestorben 1830), Zeichner Lemercier, Bénard & Co., Drucker-Lithograf. Weitere Titel: Folge von 6 Tafeln mit dem Cimetière des Innocents. (Gesamt-Titel), Cimetière des innocents; Église des Innocents. / B (Serientitel) Objektart: Druckgrafik, Grafikkunst Bezeichnung: Druckgrafik Materialien und Techniken: Lithografie Maße - Werk: Höhe 44,9 cm Breite 58,8 cm Maße - Montage: Höhe 50,8 cm Breite 65,3 cm Beschreibung: Auf einer Montage fixiert. Institution: Musée Carnavalet, Histoire de Paris IIIF
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Geschichte von Paris: Der Friedhof der Unschuldigen und die Überreste, die heute noch davon übrig sind














