Diese unauffällige Kapelle im sechsten Arrondissement von Paris verbirgt ein prunkvolles italienisches Barockdekor.

Von Rizhlaine de Sortiraparis · Aktualisiert am 17. August 2026 um 18:38
Hinter der eher schlichten Fassade der Rue de Vaugirard versteckt sich die Kirche Saint-Joseph-des-Carmes mit einer Überraschung: Eine bemalte Kuppel, Trompe-l’œil, Goldverzierungen und reich verzierte Kapellen entführen die Besucher direkt ins italienische Barock des 17. Jahrhunderts.

Im 70 rue de Vaugirard, im 6. Arrondissement von Paris versteckt sich die Kirche Saint-Joseph-des-Carmes heute im Herzen des Campus des Institut catholique de Paris. Hinter ihrer eher zurückhaltenden Fassade verbirgt sich jedoch eine Ausstattung, die direkt vom italienischen Barock inspiriert ist, mit Malereien, Skulpturen, Trompe-l’œil und prunkvollen Kapellen. Ein kleines Rom-Gefühl nur wenige Schritte vom Luxemburger Garten.

Wenn Maria de' Medici Italien nach Paris holt

Die Geschichte beginnt im Jahr 1611, als Marie de Médicis den Discalce-Karmeliten die Niederlassung in Paris erlaubt. Die erste Steinlegung ihrer Kirche erfolgt 1613, und der Bau, 1620 fertiggestellt, wird 1625 geweiht. Saint-Joseph-des-Carmes wird damit zur ersten Pariser Kirche, die dem heiligen Josef gewidmet ist.

Die Orden bringen architektonische Einflüsse aus Italien in die Hauptstadt. Der Barock, der vor allem darauf abzielt, Emotionen durch Bewegung, Perspektivenvirtuosität, üppige Dekorationen und eine inszenierte Lichtführung zu wecken, kommt hier besonders in der Kuppel zum Ausdruck.

Saint-Joseph-des-Carmes besitzt tatsächlich die erste Kuppel auf Tambur, die in Paris errichtet wurde. Um 1644 malte der aus Lüttich stammende Maler Walthère Damery dort den Propheten Elias, wie er auf einem Feuerwagen gen Himmel getragen wird. Diese Trompe-l'œil-Freske markiert zudem die erste Malerei, die im XVII. Jahrhundert auf einer Pariser Kuppel geschaffen wurde.

Bernini und die Dekorationen des 17. Jahrhunderts

Man sollte auch einen Blick auf die Kapellen werfen. Die Sainte-Anne-Kapelle bewahrt insbesondere Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, veredelt mit Gold- und Silberauflagen, von der Stadt Paris restauriert. Ein weiteres bemerkenswertes Detail: Im linken Querhaus befindet sich ein Altar, geschaffen vom Bildhauer Antonio Raggi nach Entwürfen Berninis, einer herausragenden Figur des römischen Barock, begleitet von einer Jungfrau mit Kind.

Doch Saint-Joseph-des-Carmes ist auch ein Ort des dunkleren Gedenkens. Aus dem Kloster wurde während der Revolution ein Gefängnis, und im September 1792 ereignete sich dort das Massaker an mehr als hundert Geistlichen. Ihre Reliquien ruhen heute in der Krypta. Eine Pariser Kirche, in der der Gegensatz zwischen unscheinbarer Fassade, barocker Üppigkeit und revolutionärer Vergangenheit noch heute viele Überraschungen bereithält.

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Praktische Informationen

Standort

70 Rue de Vaugirard
75006 Paris 6

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Zugang
U-Bahn-Linien 10 oder 12, Haltestelle Sèvres–Babylone

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