Der Passage Brady lohnt sich auch aus einem anderen Grund als die Mosaiken der Galerie Vivienne und die Vergoldungen von Véro-Dodat. Diese historische Passage, die heute die Rue du Faubourg-Saint-Denis mit dem Boulevard de Strasbourg verbindet, ist zu einer der emblematischen Adressen des multikulturellen Paris geworden.
Um sein heutiges Gesicht zu verstehen, muss man jedoch zwei Jahrhunderte zurückblicken. Der Herr Brady, zusammen mit Herrn Briavoine, begann 1825 mit dem Bau. Die Passage öffnete am 15. April 1828 ihre Türen und setzte ein ehrgeiziges Vorhaben um, das 113 Läden und Ateliers umfasst, darüber Wohnräume.
Der Ort vereint damals Kleidergeschäfte, Händler, Lesesäle und sogar eine Badeanstalt. Doch der erhoffte Erfolg bleibt zunächst aus. Bereits in den 1830er Jahren gewinnen die Secondhandläden eine bedeutende Rolle in der Galerie. Der Passage Brady besitzt zu jener Zeit noch ein architektonisches Element, das heute verschwunden ist: eine Rotunde, die mitten auf seinem Verlauf lag.
Die Geschichte des Durchgangs nahm 1854 eine Wende. Der Durchbruch des Boulevard de Strasbourg durchschneidet seine Trasse und lässt den zentralen Abschnitt sowie die Rotunde verschwinden. Seither präsentiert Brady eine Konfiguration, die in Paris recht selten vorkommt: Der Passage ist durch den Boulevard in zwei Abschnitte geteilt. Im Westen, zwischen der Nr. 46 Rue du Faubourg-Saint-Denis und der Nr. 33 Boulevard de Strasbourg, bewegt man sich immer noch unter einem Glasdach. Auf der anderen Seite, Richtung Nr. 43 Rue du Faubourg-Saint-Martin, ist der zweite Teil nun im offenen Himmel!
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zieht der Sektor ebenfalls mehrere Nabis-Künstler an. Pierre Bonnard, Édouard Vuillard, Maurice Denis, Paul Sérusier, René Piot oder auch Henri-Gabriel Ibels zählen zu den Stammgästen der Restaurants des Passage in den 1890er-Jahren. Ein künstlerischer Hintergrund, der im Hinblick auf die Identität, die Brady ein Jahrhundert später entwickeln sollte, durchaus unerwartet ist.
Denn ab den 1970er- und 1980er-Jahren verändert sich das Erscheinungsbild wirklich. Händlerinnen und Händler sowie Gastronomen, vor allem aus Indien, dem Pakistan und dem Indischen Ozean, siedeln sich nach und nach im Durchgang und seinem Umfeld an. Restaurants, Feinkostläden und Spezialgeschäfte prägen allmählich jene Identität, die ihm heute den Spitznamen "Little India" eingebracht hat. Das Phänomen beschränkt sich übrigens keineswegs auf den Passage Brady: Die benachbarten Straßen bilden heute eines der wichtigsten indischen Quartiere, pakistanischen und sri-lankischen Viertel von Paris.
Heute ist der überdachte Abschnitt nach wie vor der markanteste. Unter dem Glasdach reihen sich Restaurants und Geschäfte, während der Name Brady noch immer in einer blauen Mosaikfläche auf gelbem Boden zu sehen ist. Auf der anderen Straßenseite verändert sich die Atmosphäre mit dem Entdeckungsbereich, der stärker mit den Verkleidungs- und Kostümgeschäften verbunden ist.
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Standort
Passage Brady
Passage Brady
75010 Paris 10
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