Gedenktag am 14. September in Paris: Olympe de Gouges veröffentlicht die Erklärung der Rechte der Frau

Von Manon de Sortiraparis · Aktualisiert am 3. September 2026 um 12:07
Am 14. September 1791 veröffentlicht Olympe de Gouges in Paris einen radikalen Text für ihre Zeit: Die Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin. In 17 Artikeln fordert sie eine volle Gleichstellung der Geschlechter.

Am 14. September 1791 veröffentlicht Olympe de Gouges in Paris eine Broschüre mit dem Titel Les Droits de la femme, in der sich ihre Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne wiederfindet. Zwei Jahre nach der Déclaration des droits de l'homme et du citoyen greift die Schriftstellerin deren Grundidee systematisch auf, um eine Widerspruch aufzudecken: Wie kann man universelle Rechte proklamieren und gleichzeitig die Hälfte der Bevölkerung vom politischen Bürgerschaft ausschließen? In 17 Artikeln treibt Olympe de Gouges die Prinzipien von 1789 bis zu ihrer logischen Konsequenz und fordert Rechtliche und politische Gleichstellung zwischen den Geschlechtern.

Der gewählte Moment ist keineswegs zufällig. Frankreich schließt zu diesem Zeitpunkt die Ausarbeitung seiner ersten Verfassung ab. Ludwig XVI. hat sie soeben am 13. September 1791 akzeptiert und schwört am folgenden Tag vor der Versammlung den Eid. Die Revolution behaupte, die politische Ordnung Frankreichs grundlegend umgestaltet zu haben, doch Frauen bleiben vom Wahlrecht und der nationalen Repräsentation ausgeschlossen. Sie nehmen an revolutionären Tagen teil, besuchen Tribünen und Clubs, verfassen Petitionen, arbeiten und entrichten Beiträge, verfügen jedoch nicht über dieselben politischen Rechte wie Männer.

Éphéméride du 14 septembre à Paris : Olympe de Gouges publie la Déclaration des droits de la femmeÉphéméride du 14 septembre à Paris : Olympe de Gouges publie la Déclaration des droits de la femmeÉphéméride du 14 septembre à Paris : Olympe de Gouges publie la Déclaration des droits de la femmeÉphéméride du 14 septembre à Paris : Olympe de Gouges publie la Déclaration des droits de la femme
Portrait d’Olympe de Gouges, femme de lettres et autrice de la Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne, à la fin du XVIIIe siècle. Copyright : Domaine public – Collection Edmond de Rothschild / Musée du Louvre

Genau diese Inkonsistenz ist es, die Olympe de Gouges angreift. Geboren als Marie Gouze in Montauban 1748, verwitwet schon in jungen Jahren, ließ sie sich in Paris nieder, wo sie sich in der Welt der Literatur und der öffentlichen Debatte durchsetzte. Dramaturgin, Pamphletistin und politische Autorin, außerordentlich produktiv, hat sie bereits die Abschaffung der Sklaverei, das Recht auf Scheidung, die Meinungsfreiheit sowie verschiedene Projekte sozialer Reformen verteidigt. Die Revolution bietet ihr einen politischen Spielraum, der ihrem Temperament entspricht: Sie vervielfacht Broschüren, Briefe und Plakate, um direkt in die Debatten ihrer Zeit einzugreifen.

Mit der Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin ist ihre Methode ausgesprochen eindeutig. Olympe de Gouges übernimmt die Struktur der Erklärung der Menschenrechte und der Bürgerrechte vom 26. August 1789, ersetzt jedoch das universell Männliche durch eine Formulierung, die die Frauen explizit sichtbar macht.

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Proclamation de la Constitution place du marché des Innocents à Paris, le 14 septembre 1791, le jour même où Olympe de Gouges publie Les Droits de la femme. Copyright : CC0 Paris Musées / Musée Carnavalet – Jean-Louis Prieur, dessinateur ; Pierre-Gabriel Berthault, graveur

Bereits im ersten Artikel wird der Grundsatz festgelegt: "Die Frau wird frei geboren und bleibt in ihren Rechten dem Mann gleich." Der Artikel 3 definiert die Nation neu als das Zusammenkommen "von Frau und Mann". Der Artikel 6 verlangt, dass Bürgerinnen und Bürger persönlich oder durch ihre Vertreter an der Gesetzgebung mitwirken und gemäß ihren Fähigkeiten Zugang zu öffentlichen Ämtern erhalten. Der Artikel 13 führt das Denken in steuerlicher Richtung fort: Da Frauen zu den Lasten der Gesellschaft beitragen, müssen sie auch an der Verteilung von Arbeitsplätzen, Würde und Verantwortlichkeiten beteiligt werden.

Olympe de Gouges fordert also nicht nur eine Verbesserung der Lage der Frauen, sie wirft die Frage nach der Staatsbürgerschaft selbst auf. Wenn die Rechte natürlich und universell sind, nach welchem Grundprinzip könnte man dann die Frauen ausschließen?

Éphéméride du 3 septembre à Paris : L'adoption de la première Constitution française à ParisÉphéméride du 3 septembre à Paris : L'adoption de la première Constitution française à ParisÉphéméride du 3 septembre à Paris : L'adoption de la première Constitution française à ParisÉphéméride du 3 septembre à Paris : L'adoption de la première Constitution française à Paris
Le roi Louis XVI prêtant serment à la Constitution devant l'Assemblée nationale, dans la salle du Manège des Tuileries, le 14 septembre 1791. Estampe de Joseph de Longueil d'après Jean-Michel Moreau. Copyright : CC0 Paris Musées / Musée Carnavalet – Histoire de Paris.

In diesem Gedankengang taucht der Satz auf, der zum bekanntesten des Textes geworden ist. In Artikel 10 stellt sie fest, dass "die Frau das Recht hat, aufs Schafott zu steigen; sie muss auch das Recht haben, auf die Tribüne zu steigen". Die Formel besitzt eine besondere Wirkung in der französischen Revolution: Frauen unterliegen denselben Strafgesetzen wie Männer und können dieselben Strafen erleiden, doch ihnen fehlen die gleichen Mittel, um an der Ausarbeitung dieser Gesetze mitzuwirken.

Die Erklärung geht sogar noch weiter als das bloße Wahlrecht. Olympe de Gouges behandelt die Gleichheit vor dem Gesetz, den Zugang zu öffentlichen Ämtern, das Eigentum, die Meinungsfreiheit und die Anerkennung der Kinder aus unehelichen Verhältnissen. Im Präambel ruft sie die Frauen direkt dazu auf, sich ihrer Lage bewusst zu werden, und kritisiert die Verhältnisse wirtschaftlicher und rechtlicher Abhängigkeiten, die die Eheschließung strukturieren. Sie skizziert gar einen Vertrag zwischen Mann und Frau, der ihre Güter und Pflichten gerechter organisieren soll!

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Portrait de Marie-Antoinette en 1791. Olympe de Gouges adresse Les Droits de la femme à la reine, qu'elle invite à soutenir l'égalité entre les sexes. Copyright : Domaine public – Bibliothèque nationale de France

Der Text beginnt mit einer besonders kühnen Ansprache an Marie-Antoinette. Olympe de Gouges fordert die Königin auf, die Frauenrechtsfrage zu unterstützen, und legt ihr nahe, dass ein solches Engagement ihr Ansehen wiederherstellen könnte. Das Vorgehen fasst die politische Einzigartigkeit ihrer Autorin recht gut zusammen: revolutionär in ihren Forderungen nach Gleichheit, ist sie doch keineswegs Anhängerin einer radikalen Republik und plädiert weiterhin für eine konstitutionelle Monarchie.

Die Broschüre enthält übrigens eine aufschlussreiche Passage: Die Erklärung soll „von der Nationalversammlung in deren letzten Sitzungen oder in der nächsten Legislaturperiode beschlossen“ werden. Olympe de Gouges verfasst nicht einfach ein philosophisches Manifest, sie präsentiert ihren Text als eine direkte politische Antwort auf die soeben geschaffene verfassungsrechtliche Ordnung.

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Extrait de la Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne

Sein Appell bleibt bedauerlicherweise ohne gesetzgeberische Wirkung. Die Déclaration wird nicht angenommen und die französischen Frauen müssen mehr als 150 Jahre warten, bis ihnen das Wahlrecht zugestanden wird, das durch die Verordnung vom 21. April 1944 verliehen wurde und erstmals bei den Kommunalwahlen von 1945 ausgeübt wurde. Der Text von Olympe de Gouges erfährt seinerseits eine erstaunlich späte Nachwirkung: lange Zeit wenig verbreitet und weithin vergessen, findet er eine zentrale Stellung in der Geschichte der Frauenrechte des 20. Jahrhunderts.

Schicksal ihrer Autorin kippt rasch mit der Radikalisierung der Revolution. Olympe de Gouges widersetzt sich der politischen Gewalt, nähert sich den Girondisten an und greift insbesondere Robespierre an. Verhaftet im Juli 1793 nach der Veröffentlichung eines Plakats, das als kontra-revolutionär eingestuft wurde, wird sie vor das Revolutionstribunal gestellt und hingerichtet am 3. November 1793 am Ort der Revolution, dem heutigen Place de la Concorde.

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Une exécution capitale place de la Révolution, actuelle place de la Concorde, vers 1793. Olympe de Gouges est guillotinée sur cette même place le 3 novembre 1793. Copyright : CC0 Paris Musées / Musée Carnavalet – Pierre-Antoine Demachy

Vor zwei Jahren hatte sie geschrieben, dass eine Frau, die das Recht hat, am Schafott zu stehen, auch das Recht haben müsse, auf die Tribüne zu treten. Die Nachwelt hat diesen Satz oft mit ihrem eigenen Tod in Verbindung gebracht, wobei die Erklärung auf eine prophetische Formel reduziert wird.

Die vollständige Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin lesen

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