Korn: eine elektrisierende Show voller Hits in der Paris Bercy Arena – wir berichten

Von Caroline de Sortiraparis · Fotos von Caroline de Sortiraparis · Aktualisiert am 24. Oktober 2026 um 18:20
Die Mauern von Bercy bebten am Freitag, dem 23. Oktober 2026, anlässlich der triumphalen Rückkehr von Korn in die Hauptstadt – fast zehn Jahre nach dem letzten Hallenkonzert der Band in Paris. Rund anderthalb Stunden lang reihte die von Frontmann Jonathan Davis angeführte US-amerikanische Nu-Metal-Band einen Hit an den anderen, von „It’s On“ über „Freak on a Leash“ bis hin zum brachialen „Got the Life“ … Und das alles in einer aufgeheizten Atmosphäre. Wir waren dabei und erzählen euch davon.

Seit über 30 Jahren lässt uns die Band aus Bakersfield schon mitfiebern. Als Aushängeschild der Nu-Metal-Szene betritt Korn 1994 mit einem besonders eindrucksvollen, nach der Band benannten Debütalbum die Musikwelt. Die Metalheads entdecken einen Sound, der sich von allem unterscheidet, was sie bis dahin gehört hatten: eine Mischung aus der Aggressivität des Metal, der Schwere des Grunge und dem Groove von Hip-Hop und Funk. Dazu kommt die so unverwechselbare Stimme ihres charismatischen Frontmanns Jonathan Davis.

Mehr als 30 Jahre nach ihrer Gründung in Kalifornien stehen Korn also noch immer im Rampenlicht. Diesen Herbst tourt die US-amerikanische Band im Rahmen einer neuen Tournee durch Großbritannien und Europa – in Erwartung eines neuen Albums.

Wenig überraschend war die Halle Paris Bercy an diesem Freitag, dem 23. Oktober 2026 bis zum Bersten gefüllt. In den Gängen der Pariser Halle tragen Jung und Alt stolz ihr T-Shirt mit dem Abbild der Band.

Bevor Jonathan Davis und die anderen die Bühne betreten, kann sich das Publikum im Paris Bercy bei zwei Vorgruppen aufwärmen. Leider kommen wir zu spät, um das amerikanische Duo Youth Code zu hören, entdecken aber bei einem 45-minütigen Set die überschäumende, ansteckende Energie der Briten von Architects. Ein gelungener Auftakt für die Feierlichkeiten.  

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Korn, eine unverzichtbare Band der Nu-Metal-Szene, die nichts von ihrer Leidenschaft eingebüßt hat

Gegen 21.35 Uhr gehen die Lichter im Saal aus. Ein Countdown von zehn Sekunden beginnt. Die Schatten der Mitglieder von Korn zeichnen sich auf einem weißen Vorhang ab, der die Bühne verdeckt und während des Bühnenumbaus aufgespannt wurde. Als er schließlich fällt, beginnen die Fans zu schreien. Ohne Umschweife legen Jonathan Davis und seine Mitstreiter mit dem Song „It’s On!“ aus dem hervorragenden Album „Follow The Leader“ fulminant los.

Für diese neue Tournee gibt es weder ein monumentales Bühnenbild, wie es manche Künstler auffahren, noch pyrotechnische Effekte. Korn setzt lieber auf zahlreiche Lichter und aufwendig gestaltete Videos, darunter eine abgehängte, motorisierte LED-Fläche, die sich im Laufe der Show bewegt. „The Nubian Queen“, der ikonische Mikrofonständer von Jonathan Davis, den 2001 der Schweizer Künstler H.R. Giger, alias der Schöpfer von Alien, entworfen hat, steht ebenfalls auf der Bühne.

Jonathan Davis, der zu diesem Anlass einen schwarzen Lederkilt trägt, legt mit „Here To Stay“ nach, gefolgt von „Reward the Scars“, einem kürzlich für das Videospiel „Diablo IV“ komponierten Stück. Die Stimmung erreicht anschließend eine neue Stufe, als die ersten Töne des kraftvollen „Got the Life“ erklingen. Nach dem mitreißenden „Rotting in Vain“ ergreift der Sänger das Wort und erinnert an den 30. Jahrestag von „Life Is Peachy“, das genau am 15. Oktober 1996 erschien. Jonathan Davis möchte sich außerdem bei seinen Fans für ihre unerschütterliche Treue all die Jahre hindurch bedanken. Wenig überraschend brandet daraufhin herzlicher Applaus im Pariser Saal auf. Genau in diesem Moment haut Korn den Song „Twist“ raus, bei dem man sich über den gutturalen, kathartischen Gesang des Frontmanns freuen kann.

Da er kaum still hinter seinem Mikrofonständer stehen bleibt, gehört Jonathan Davis eher zu den Sängern, die von einer Seite der Bühne zur anderen gehen und mit ihren Körperbewegungen die Intensität der Gefühle und Traumata zum Ausdruck bringen, die sie durch ihre Musik verarbeiten. Jonathan Davis klammert sich auch immer wieder an seinen Mikrofonständer und krümmt sich dabei sogar zusammen, wie bei „Here to Stay“ und „Blind“.

Auch wenn Jonahan Davis mit seiner unbestreitbaren Präsenz alle Blicke auf sich zieht, sind die anderen Mitglieder von Korn keineswegs bloß Staffage. Ganz im Gegenteil. Während Schlagzeuger Ray Luzier seine Sticks in die Luft wirft, beeindruckt Bassist Roberto „Ra“ Díaz mit seinem knackigen, aggressiven Spielstil. Und auch Brian Welch, alias „Head“, und James Shaffer, auch bekannt als „Munky“, die legendären Gitarristen, deren Gesichter hinter imposanten, langen Dreadlocks verborgen sind, fahren schwere Geschütze auf.

Leider gibt es für die Fans im hinteren Teil des Saals keine Live-Bilder von der Bühne, sondern düstere Einspielungen, die häufig mit dem Tod zu tun haben. Muss man daran erinnern, dass Jonathan Davis in einer Leichenhalle gearbeitet hat, bevor er sich der Musik zuwandte? Mit Licht und sorgfältig ausgearbeiteten Videos verfeinert Korn die Ästhetik seiner Show, ohne dabei das Wesen eines Live-Auftritts zu verfälschen: Emotionen zu vermitteln.

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Hits am laufenden Band, Dudelsack und eine energiegeladene Zugabe

Am Freitagabend geht es in der Bercy-Arena besonders hoch her. Auf den Rängen, auf denen wir stehen, bleiben die Zuschauer nicht sitzen und bewegen sich ausgelassen. Im Innenraum sind die Fans völlig aus dem Häuschen und feiern jeden Song. Einige Pappbecher fliegen durch die Luft, während mehrere Fans Crowdsurfing betreiben und Pogos tanzen. Im Laufe des Sets bilden sich auch Circle Pits. 

Die musikalische Reise geht mit einer ganzen Reihe weiterer kraftvoller Songs weiter, etwa « A.D.I.D.A.S. », « Shoots and Ladders » mit Jonathans untrennbarem Dudelsack als Intro, « Coming Undone », « Make Me Bad » sowie « Chi » und « Kill You », die die Band seit mehreren Tourneen nicht mehr gespielt hatte. Sichtlich berührt von der Energie, die vom Publikum ausgeht, richtet Jonathan Davis ein «Merci» in der Sprache Molières an die Menge, bevor er den Mittelfinger zeigt und damit den kraftvollen, energiegeladenen Song « Y'All Want a Single » ankündigt. 

Es ist etwa 22.42 Uhr, als Korn die Bühne verlässt. Doch schon bald kehrt die Band zu einer zweifellos euphorisierenden Zugabe zurück. Zum Finale spielen die Kalifornier mit viel Energie vier Highlights aus ihrer Diskografie: „Falling Away From Me“ (1999), „Blind“ (1994), „Twisted Transistor“ (2005) und natürlich „Freak on a Leash“ (1998).

Letztlich bescherte uns Korn eine kraftvolle und mitreißende Rückkehr in die Vergangenheit, zwischen befreienden Songs und schönen Erinnerungen – und das in einem etwa 1,5-stündigen Set. Für unseren Geschmack viel zu kurz. Wir hätten das Konzert gern um einige Dutzend Minuten verlängert, um weitere unverzichtbare Titel der Band zu hören, etwa „ Somebody Someone“, „ No Place to Hide“ und „ Need To“. Doch wie bei jedem Konzert macht die Setlist manche glücklich und enttäuscht andere. Eines ist sicher: Korn brachte das Publikum an diesem Freitagabend im Paris Bercy ordentlich ins Schwitzen und bescherte ihm eine kraftvolle, besonders wohltuende musikalische Auszeit – mit einer rundum präzisen und mitreißenden Show.

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Korn in Paris-Bercy, die Setlist

Jetzt geht’s los!
Für immer hier
Die Narben belohnen
Got The Life
Verrottet in Schmerz
Twist
Chi
Dich töten
A.D.I.D.A.S.
Schüsse und Leitern
Coming Undone
Did My Time
Make Me Bad
Y'All Want a Single

Zugabe : 

Immer weiter von mir weg

Blind
Verdrehter Transistor
Freak On A Leash

Praktische Informationen

Standort

8 Boulevard de Bercy
75012 Paris 12

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Infos zur Barrierefreiheit
Zugang
Metro Linie 6 oder 14 Station "Bercy".

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