Regie geführt und geschrieben von Sarah Polley, Women Talking ist ein Drama, das in Frankreich am 8. März 2023 ins Kino kam. Mit dabei sind Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley und Frances McDormand, sowie Ben Whishaw. Basierend auf dem Roman Was sie sagen von Miriam Toews, hat sich der Film durch den Gewinn des Oscars in der Kategorie bestes adaptiertes Drehbuch ausgezeichnet. Nach der Kinovorführung wird der Film ab dem 1. Februar 2026 auf Prime Video verfügbar sein.
Im Jahr 2010 entdecken Frauen innerhalb einer abgeschiedenen religiösen Gemeinschaft, die in nahezu vollständiger Selbstversorgung lebt, das Ausmaß der gegen sie verübten Gewalt. Abseits des Hauptquartiers versammeln sie sich in einem geschlossenen Raum, unter Zeitdruck, um eine Entscheidung zu treffen, die ihre Zukunft maßgeblich beeinflussen wird. Die Debatten, geprägt von unvereinbaren Positionen, offenbaren sowohl die Traumata als auch die Mechanismen der Macht, die diese Vergehen ermöglicht haben.
Der Film setzt auf einen geschlossenen Raum, in dem das Gesagte zur Tat wird: überzeugen, zweifeln, widersprechen, versuchen, Glauben, Sicherheit und Autonomie in Einklang zu bringen. Im Hintergrund bleibt die zentrale Frage stets präsent: Bleiben, um das System, das sie verleugnet, zu verändern, oder gehen, um sich zu schützen und den Teufelskreis zu durchbrechen? Ohne die Gewalt direkt aufzuzeigen, fokussiert Sarah Polley die Geschichte auf den Aufbau einer kollektiven Antwort, auf die Bedeutung des Schweigens und die Herausforderung, das eigene Schicksal wieder in die Hand zu nehmen.
Obwohl der Film häufig im Zusammenhang mit einer zeitgenössischen Variante von 12 Angry Men erwähnt wird, hebt er sich durch seine eigene Herangehensweise an die Argumentation ab: Wer darf sprechen, wer wurde daran gehindert, sich zu äußern, und unter welchen Bedingungen ist eine Gemeinschaft bereit, die Stimmen zu hören, die sie lange zum Schweigen verurteilt hat? Die Inszenierung setzt auf eine allmähliche Steigerung der Spannung, getragen von präzisen Dialogen und dem harmonischen Zusammenspiel eines überwiegend weiblichen Casts.
Die Produktion entstand aus der Initiative von Frances McDormand, die die Rechte an dem Roman erwarb und das Projekt begleitete, unter anderem mit Plan B. Miriam Toews lässt sich dabei von einem wahren Vorfall in einer mennonitischen Gemeinschaft in Bolivien inspirieren (Angriffe zwischen 2005 und 2009, Verurteilungen 2011) und verwandelt das reale Geschehen in eine moralische und politische Fabel. Was die Umsetzung betrifft, wurde ein Großteil des Films im Studio gedreht, um den Lauf der Sonne präzise zu kontrollieren – ein zentrales dramaturgisches Element. Der Kameramann Luc Montpellier verbindet dabei Aufnahmen mit digitalen Werkzeugen und arbeitet in einem ultrabreiten Bildformat, während die Filmmusik von Hildur Guðnadóttir stammt.
Mit seinem Thema und seiner Erzählweise spricht Women Talking Zuschauerinnen und Zuschauer an, die sich für erzählerisches und gedankliches Kino begeistern. Hier entsteht die Spannung durch Worte, Dilemmata und das Teilen von Erfahrungen. Fans zeitgenössischer Dramen, die sich um Schwesternschaft, Glauben, Gerechtigkeit und Wiederaufbau drehen, werden hier eine fesselnde Arbeit finden, die den Fokus auf den Dialog verschiedener Standpunkte legt – weniger auf eine demonstrative Handlung.
Unsere Meinung zu Women Talking
Der Außenseiter in der Nominierungsrunde, doch Women Talking hat sich den renommierten Oscar für das beste adaptiertes Drehbuch gesichert. Verständlich, denn wir haben den Film von Sarah Polley (Regisseurin der Serie Captives) ebenso sehr ins Herz geschlossen, der zu unseren Lieblingen 2023 zählt.
In Women Talking erzählt die Filmemacherin die wahre Geschichte der Frauen einer zutiefst religiösen Gemeinschaft, die in einer abgelegenen Region der USA lebt. Ihr Lebensstil ist so archaisch, dass man zunächst glauben könnte, die Handlung spiele im 19. Jahrhundert. Doch dann offenbart sich überraschend, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden. Die Schockstarre ist noch größer, wenn man erfährt, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt: Das Schicksal dieser Dutzende Frauen, allesamt sexuell missbraucht von den Männern der Kolonie, steht nun auf dem Spiel – sie müssen über ihre Zukunft entscheiden.
Damit entsteht eine feministische, viel modernere Variante des Klassikers 12 Angry Men von Sydney Lumet. Hier sitzen die wichtigsten Frauen der Gemeinschaft zusammen, diskutieren, legen ihre Argumente dar und versuchen, sich gegenseitig zu überzeugen. Das Dilemma ist schwer zu entscheiden: bleiben und kämpfen oder fliehen, damit die Gewalt nie wieder passiert. Der weitere Verlauf ist absolut packend.
Schon in den ersten Minuten spürt man, dass das, was wir sehen, hochgradig verstörend ist. Die filmische Umsetzung ist grau in grau gehalten, fast ohne Farbe, was das Leben dieser Frauen symbolisiert. Szenen tiefster Leiden eröffnen den Film. In dieser Kolonie, die fast einer Sekte gleicht, haben die Männer alle Macht – die Frauen sind nichts. Man versteht sofort, warum das Gefühl der Rebellion wächst, wenn eine Übergriffigkeit passiert. „Wie würdest du dich fühlen, wenn deine Meinung nie gezählt hätte?“ fragt eine Frau den einzigen Mann, der sie versteht. Und zum ersten Mal in der Geschichte zählt ihre Meinung endlich, und sie verteidigen ihren Standpunkt mit aller Kraft.
Hier wird der Film beeindruckend. Die Diskussionen dieser Frauen sind von präziser, kompromisslos relevanter Weisheit. Die Sichtweisen, manchmal widersprüchlich, oft extrem, sind herausfordernd, doch spiegeln sie die erlebte Leiden auf treffende Weise wider. Unterstützt wird das Ganze durch eine brillante Besetzung mit Top-Schauspielerinnen: Rooney Mara (Nightmare Alley), Claire Foy (The Crown) und Jessie Buckley (Men) an vorderster Front, ebenso wie Frances McDormand (Nomadland). Die Regisseurin hat einige der größten Schauspielerinnen Hollywoods verpflichtet.
Das Ergebnis: Women Talking ist ein großartiger Film, der die Zuschauer fesseln und zweifellos für zahlreiche Debatten sorgen wird, angesichts der schmerzhaften Themen. Eine Oscar-Auszeichnung könnte diesem mutigen Werk noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Seine statische Erzählweise, bei der das Gespräch im Mittelpunkt steht, könnte allerdings den Erfolg erschweren. Deshalb empfehlen wir Ihnen nachdrücklich, Filme dieses Genres zu unterstützen – sie sind ebenso notwendig wie grandios.
Women Talking
Film | 2022
Kinostart: 8. März 2023
Ab 1. Februar 2026 auf Prime Video
Drama | Laufzeit: 1h44
Von Sarah Polley | Mit Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Frances McDormand, Ben Whishaw
Originaltitel: Women Talking
Herkunftsland: USA
In einem einstimmigen Theaterstück, einer gesellschaftlichen Chronik und einer Reflexion über Selbstbestimmung zeigt Sarah Polleys Film eine gemeinschaftliche Entscheidung unter Frauen, ohne die Gewalt, die er thematisiert, zu sensationalisieren. Mit seiner Veröffentlichung auf Prime Video rückt ein preisgekröntes Werk in den Mittelpunkt, das sich durch seine gelungene Adaption auszeichnet und ein zentrales Thema behandelt: Wie kann man wieder sprechen, wenn einem diese Stimme genommen wurde?
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