The Ugly, der neue Thriller des südkoreanischen Filmemachers Yeon Sang-ho, der vor allem für Dernier Train pour Busan bekannt ist, kommt ins Kino am 29. Juli 2026. Mit Stars wie Park Jeong-min, Kwon Hae-hyo, Shin Hyun-been und Han Ji-hyeon liefert der Film eine düstere Familienschnitzeljagd über Vorurteile, Gedächtnis und soziale Gewalt.
Mit The Ugly setzt Yeon Sang-ho seine Erkundung der Grauzonen der südkoreanischen Gesellschaft fort, lässt diesmal aber das Fantastische und Spektakuläre hinter sich. Basierend auf seiner eigenen Graphic Novel Face, die 2018 erschienen ist, bevorzugt der Film eine intimere Form, die sich aus Zeugnissen, Erinnerungen und Rückblicken in die Vergangenheit zusammensetzt.
Die Geschichte folgt dem Sohn eines blinden Siegelgraveurs, nachdem er die Knochen seiner Mutter gefunden hat, die vor vierzig Jahren verschwunden war. Begleitet von einer Fernsehproduzentin, die ursprünglich einen Beitrag über das bemerkenswerte Werk seines Vaters drehen wollte, bemüht er sich, das Leben dieser Frau zu rekonstruieren, von der die Verwandten offenbar nur noch eine angebliche Hässlichkeit in Erinnerung behalten.
Die Besetzung vereint Park Jung-min, der eine Doppelrolle spielt – den Sohn in der Gegenwart und den Vater in seiner Jugend –, Kwon Hae-hyo, Shin Hyun-been und Han Ji-hyeon. Gemeinsam tragen sie eine Erzählung, in der die Spannung weniger aus polizeilichen Wendungen als aus Widersprüchen, Schweigen und der in den Zeugenaussagen enthaltenen Gewalt entsteht.
Weit entfernt von der Energie von Dernier Train pour Busan, präsentiert sich The Ugly daher eher als eine familiäre und moralische Obduktion denn als reiner Krimi. Eine düstere, dialogreiche Darstellung, die fragt, wie eine Gesellschaft jemanden auf sein Aussehen reduziert und ein kollektives Urteil in eine offizielle Wahrheit verwandelt.
Unsere Kritik zu The Ugly
In The Ugly bleibt ein Gesicht lange außerhalb der Reichweite, verborgen hinter Kamerafahrten, Haaren und vor allem den Worten jener, die behaupten, sich daran erinnern zu können. Was diese Zeugen mit einer fast mechanischen Grausamkeit schildern, rückt weniger in den Mittelpunkt als das, was ihre Berichte über sie selbst aussagen. Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto eher wird die vermeintliche Hässlichkeit einer Frau zum Spiegelbild einer tiefer liegenden, familiären und gesellschaftlichen Struktur.
Yeon Sang-ho verzichtet hier auf Menschenmassen, Zombies und große, spektakuläre Momente zugunsten eines konzentrierten Dramas, das sich um Figuren und Worte dreht. Der Filmemacher erzählt seine Geschichte durch eine Abfolge von Gesprächen, die jeweils neue Rückblicke eröffnen. Die Informationen ergänzen einander, widersprechen sich und lassen allmählich die zuvor idealisierende Vaterfigur in Frage stellen.
Die Faszination der Untersuchung liegt weniger in der Komplexität des Rätsels als in der Fülle an Zeugenaussagen. Jede neue Äußerung fügt dem kollektiven Porträt eine weitere Schicht Gewalt hinzu. Die Worte, mit denen über das Verschwundene gesprochen wird, werten oft herab, sind in ihrer Banalität manchmal unerträglich. Ein beleidigender Spitzname wird zur Identität, als ob Persönlichkeit, Wünsche und Würde endgültig durch das Urteil der Gruppe ersetzt worden wären.
Diese Konstruktion mag statisch oder repetitiv wirken, doch sie erzeugt eine kohärente Erstickungsstimmung im Einklang mit dem Thema. Die Sprache befreit die Wahrheit nicht sofort: Zunächst zeigt sie, wie eine Gesellschaft eine bequeme Version eines Menschen erzeugt. Die Zeugen rechtfertigen sich, relativieren ihre Taten oder erzählen die Brutalität als eine längst gegebene Gegebenheit. Jedes Gespräch wird damit weniger zu einer zuverlässigen Quelle als zu einem Offenleger von Vorurteilen, Feigheit und persönlichen Interessen.
Die große Stärke von The Ugly liegt im Kontrast zwischen gezeigter Schönheit und der moralischen Hässlichkeit. Der blinde Vater wird für die prachtvollen Siegel gefeiert, die er in Stein gemeißelt hat. Um ihn herum formt sich das idealisierte Bild eines Künstlers, der seine Behinderung überwunden hat. Doch diese öffentliche Legende lässt nach und nach seine persönlichen Blindecken sichtbar werden.
Wer die Gesichter nicht sieht, entgeht weder dem gesellschaftlichen Blick noch der Scham, die dieser hervorrufen kann. Der Film zeigt mit scharfer Bitterkeit, wie der Wunsch nach Aufstieg und Anerkennung dazu führen kann, die doch am verletzlichsten Menschlichen als Demütigung oder Hindernis zu betrachten. Die Blindheit des Charakters wird folglich nicht zu einem beruhigenden Symbol gesellschaftlicher Oberflächlichkeit: Sie enthüllt vielmehr, wie tief Vorurteile verinnerlicht werden können, ohne überhaupt den Blick zu brauchen.
Diese Widersprüchlichkeit durchzieht auch die Figur der Produzentin. Sie kommt, um das Talent des Graveurs zu filmen, und begreift rasch, dass eine kriminalistische und familiäre Erzählung womöglich mehr Aufmerksamkeit zieht. Ihr Interesse hilft zwar, eine vergrabene Geschichte wieder ans Licht zu holen, doch die Kamera bleibt kein unschuldiges Werkzeug. Sie gibt eine Stimme zurück, wählt aber zugleich, worüber sich später berichten lässt. The Ugly hinterfragt so das dünne Gleichgewicht zwischen dem Offenlegen einer Ungerechtigkeit und der Verwandlung von Leid in Spektakel.
Rückblicke in das industrialisierte Korea der 1970er Jahre weiten diese familiäre Tragödie zu einer breiteren gesellschaftlichen Gewalt aus. In der von dem Film dargestellten Arbeiterwelt erleiden Frauen Demütigungen, Schläge, Übergriffe und die Autorität männlicher Figuren, die durch ihre Stellung geschützt sind. Die Brutalität gegen die Mutter entspringt daher nicht nur einzelnen besonders grausamen Akten, sondern gedeiht in einem System, in dem Klasse, Geschlecht und Erscheinung die Wertschätzung eines Menschen bestimmen.
Der Film sammelt Figuren dieser alltäglichen Gewalt: kollegiale Herabwürdigungen ohne Reue, ein Vorgesetzter, der seine Macht missbraucht, eine Familie, die mehr um das Erbe als um die Verstorbenen besorgt ist, ein Ehemann, der seine Frau als Bremse seiner eigenen Aufstiegschancen wahrnimmt. Alles wirkt „hässlich“ – nicht durch Hautbild, sondern durch Egoismus, Opportunismus und Empathielosigkeit, die menschliche Beziehungen dominieren.
Park Jeong-min, der im Heute den Sohn und in der Jugend den Vater spielt, begleitet diese Generationsbeziehungen zurückhaltend treffend. Seine Doppelrolle materialisiert eine Vererbung, die unbequem geworden ist: Die Wahrheit über die Mutter zu suchen zwingt den Sohn auch, den bewunderten Mann, seinen Vater, anders zu sehen. Ohne grelle Effekte trennt der Schauspieler die beiden Figuren, lässt aber ahnen, was von einer Epoche in die andere weitergegeben wird.
Der Aufbau bleibt jedoch nicht frei von Grenzen. Manche Figuren verkörpern so deutlich eine Form von Gewalt, Vonheit oder Heuchelei, dass der Diskurs manchmal schon vor dem Ende des Satzes vorgezeichnet zu sein scheint. Die Aneinanderreihung der Enthüllungen lässt wenig Raum für Mehrdeutigkeit, und der soziologische Beweis wirkt oft beanstandet.
Auch die Mutter bleibt lange Gefangene der Erzählungen über sie. Der Film will ihr ein eigenes Dasein geben, doch ihr Beschneiden des Gesichts und das fortwährende Verschieben ihrer Perspektive nähren zugleich die Neugier, die er zu hinterfragen vorgibt. Diese Widersprüchlichkeit irritiert: Um die kollektive Obsession um ihr Aussehen zu entlarven, nutzt der Bericht teils genau jene Obsession als Spannungsmotor.
Doch diese Grenze schmäler nicht die Emotionalität des Films. Sie macht sie sogar noch unbehaglicher. The Ugly fesselt beim Zuschauen, durchzieht von einer fast unerträglichen Traurigkeit. Die Demütigungen summieren sich zu einer Welt, in der fast jeder die Verwundbarkeit anderer ausnutzt: um Reputationen zu wahren, eine gesellschaftliche Position zu verteidigen, ein Erbe zu sichern oder eine kommerzielle Narration verführerischer zu gestalten.
Der Film richtet sich eher an Liebhaber psychologischer Thriller, Familienuntersuchungen und sozial orientierten südkoreanischen Kino. Er dürfte zudem Zuschauer erreichen, die über Normen von Erscheinung, Patriarchat, Erinnerung, Klassengewalt und kollektiver Vorurteile nachdenken. Neugierige Leser, die eine intimere Seite von Yeon Sang-ho entdecken möchten, finden hier ein Werk, das sich deutlich von der Dynamik von Der Zug ins Bussan entfernt.
Er eignet sich weniger für jene, die einen actionreichen Polizeithriller mit falschen Spuren und komplexen Wendungen erwarten. Sein Tempo basiert vor allem auf Dialogen, Zeugenaussagen und Rückblenden. Wer empfindlich auf wiederholte Demütigungen, sexuelle Gewalt, Schläge und Belästigungen aufgrund des Aussehens reagiert, sollte wissen: Der Film behandelt diese Themen mit persistierender Dunkelheit.
The Ugly erzählt letztlich nicht die Geschichte einer hässlichen Frau, sondern die Geschichte einer Frau, die andere zu diesem Wort degradiert haben. Trotz teils zu deutlicher Beweisführung gelingt Yeon Sang-ho eine fesselnde familiäre und gesellschaftliche Obduktion, deren wahre Rätsel nicht in einem versteckten Gesicht liegen, sondern in der Leichtigkeit, mit der gewöhnliche Menschen lernen, die Menschlichkeit eines Menschen nicht mehr zu sehen.
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