Im Théâtre du Gymnase Marie Bell in Paris wird Belle Lurette, die unvollendete Operette von Jacques Offenbach, erstmals in Frankreich in ihrer authentischen Version gezeigt. Die Aufführung findet vom 9. Januar bis zum 1. Februar 2026 statt. Die Produktion wird von den Tréteaux Lyriques getragen, musikalisch geleitet von Laurent Goossaert und inszeniert von Yves Coudray. Ziel ist es, das Werk so wiederzugeben, wie es der Komponist vor seinem Tod im Jahr 1880 konzipiert hatte. Lange Zeit war Belle Lurette nur in veränderten Versionen bekannt. Jetzt wird sie in einer restaurierten Fassung präsentiert, ohne posthume Ergänzungen, und bietet eine neue Perspektive auf dieses seltene Stück aus dem Repertoire Offenbachs.
Begonnen, während der Komponist gleichzeitig an den Hoffmanns Erzählungen arbeitete, blieb Belle Lurette nach seinem Tod unvollendet. Obwohl das Libretto und die Klavierfassung fertiggestellt waren, fehlte die endgültige Orchestrierung. Sein Freund Léo Delibes übernahm die Partitur und änderte dabei die Dramaturgie und die musikalische Struktur, vor allem im dritten Akt. Die später veröffentlichten Ausgaben sind durch zahlreiche Fehler, Auslassungen und musikalische Ergänzungen geprägt, sodass die ursprüngliche Version von Offenbach in den französischen Szenen zunehmend verschwand.
Die Neuschöpfung, die Laurent Goossaert verantwortet, basiert auf einer vollständigen Rückführung zum Original-Piano-Vocal. Der Dirigent hat das Werk neu orchestriert, die Harmonien, Übergänge und fehlenden Nummern anhand der Hinweise von Offenbach rekonstruiert. Das eingesetzte Orchester entspricht der klassischen Besetzung der Pariser Operngruben des 19. Jahrhunderts, mit 19 Musikern, um einen Klang zu erzeugen, der jener der damaligen Zeit nahekommt. Dadurch wird erstmals seit 1880 eine stimmige und vollständige Version von Belle Lurette angeboten.
Die Inszenierung von Yves Coudray wählt eine dramaturgisch sorgfältige Lesart des Opéra-comique, die weit entfernt ist von der üblichen Satire, die man mit Offenbach assoziiert. Das Stück zeichnet ein gesellschaftliches Bild, das im pulsierenden Paris des späten 19. Jahrhunderts verwurzelt ist, und dabei die Figur der Belle Lurette in den Mittelpunkt stellt – eine Wäscherin und zentrale weibliche Figur. Das Libretto beschreibt eine überwiegend weiblich geprägte Arbeitswelt, die geprägt ist von Zusammenhalt und Solidarität, in der soziale und geschlechtliche Machtverhältnisse klar sichtbar sind. Dieser Ansatz verleiht dem Werk einen realistischen Kontext und spiegelt die gesellschaftlichen Veränderungen jener Zeit wider.
Une performance que la rédaction a donc été voir un soir. À quoi pouvez-vous vous attendre en vous rendant à Belle Lurette ? À un opéra comique dans sa forme la plus authentique, avec du chant, du théâtre et beaucoup d’humour. L'humour, lui, est plutôt bien exploité par Offenbach, notamment à travers ce qu’on pourrait appeler le "hors-champ" : comprendre "ce qui se passe sur scène autour des personnages". Certaines scènes rassemblent beaucoup de monde, et il peut être difficile de se faire remarquer lorsque toute l’attention se porte sur les duos ou trios chantant au centre de la scène.
Doch genau das macht die Stärke des Stücks aus: Der Text wird sowohl durch die Hauptakteure als auch durch die Nebenfiguren auf wunderbare Weise getragen – durch Mimik, Gestik und sogar durch die Interaktion mit dem Publikum im Hintergrund. Ein Beispiel ist die Szene mit dem Hummer: Abgesehen von dem äußerst lustigen Lied, das Marceline, die Besitzerin der Wäscherei, singt, bringt auch die Figur der Magd, dargestellt von mehreren Soldaten, viel Humor ins Spiel. Sie zeigt auf urkomische Weise die Hummerplatte und versteckt sie vor der Hausherrin, was den ganzen Moment zusätzlich komisch macht.
Was können Sie sonst noch erwarten? Eine künstlerische Inszenierung, die bewusst von den traditionellen Konventionen des klassischen Opernwesens abweicht. Denn die Tréteaux Lyriques sind eine Amateurtruppe unter professioneller Leitung – alles Ehrenamtliche, ohne die strenge Präzision und das perfekte Orchestergefühl, das man von einer Oper kennt. Für ein Publikum, das sich gut auskennt, also. Wenn man eine Oper mit ihrer Kraft und chirurgischen Präzision erwartet, ist man hier falsch. Genau das verfolgt auch die Operette in ihrer Präsentation: eine Mischung aus Theater und Oper, deutlich zugänglicher. Und genau das gelingt der Truppe mit Bravour.
Trotz allem bleibt es eine erstklassige Show, geprägt von stimmlich und schauspielerisch überzeugenden Darbietungen, egal ob gesungen oder gesprochen. Die Kostüme sind opulent und leuchtend, verbinden historische Eleganz mit modernem Trend, während die minimalistischen, aber sorgfältig gestalteten Bühnenbilder das Publikum gekonnt in die Geschichte eintauchen lassen.
Der zweite „Pause“-Akt ist ziemlich erfrischend, denn er lädt das Publikum dazu ein, aktiv mitzuwirken, indem es einen Vers aus zwei Liedern lernt, die beim Applaus gesungen werden sollen. Dirigent Laurent Goossaert führt uns mit viel Humor durch diese Aufgabe. Das Ganze ist herzlich und macht Spaß. Ein besonderes Lob geht an Béatrice Grinfeld, die die Rolle der Bel Lurette mit beeindruckender Gesangsstärke und Präzision zum Leben erweckt. Da der Saal nicht sonderlich gut geheizt ist, sollte man sich auf einen warmen Pullover und einen Schal einstellen.
Ein erfrischendes Highlight zum Entdecken, vor allem für ein vergessenes Werk, das wir mit Freude wiederentdecken können.
Abschließend ein Blick auf das Ensemble: Gegründet im Jahr 1968, Les Tréteaux Lyriques vereinen ehrenamtliche Künstler aus unterschiedlichsten professionellen Hintergründen, dazu etablierte Künstler. Bei jeder Produktion arbeiten Sänger, Musiker, Chorleiter, Kostümbildner und Techniker gemeinsam an einem künstlerischen Projekt. Ihr Repertoire ist stets eng mit Offenbach verbunden, von dem sie bereits mehrere bedeutende Werke auf die Bühne gebracht haben.
Neben dem künstlerischen Anspruch geht Belle Lurette auch mit einem klaren solidarischen Engagement einher. Alle Einnahmen werden vollständig an zwei Organisationen gespendet: Anak-Tnk, die sich für Straßenkinder und die Armenviertel Manillas einsetzen, sowie La Salle à Manger La Défense, eine Einrichtung für solidarische Gastronomie, die Menschen in prekären Situationen unterstützt. Jede Vorstellung wird so zu einem kulturellen Projekt mit konkretem sozialem Mehrwert – ganz im Geiste der Tréteaux Lyriques, die seit über fünfzig Jahren für ihre soziale Mission stehen.
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Termine und Öffnungszeiten
Von 9. Januar 2026 bis 1. Februar 2026
Standort
Theater des Marie-Bell-Gymnasiums
38 Boulevard de Bonne Nouvelle
75010 Paris 10
Tarife
Tarif 4e catégorie : €12
Tarif 3e catégorie : €14
Tarif 2e catégorie : €19
Tarif 1ère catégorie : €24
Tarif Carré Or : €29
Durchschnittliche Dauer
2 Std.
15 Min.
Offizielle Seite
www.theatredugymnase.com
Reservierungen
www.treteaux-lyriques.com
Weitere Informationen
Aufführungen um 20:30 Uhr



























