Einhorn! : Die große Ausstellung des Musée de Cluny untersucht den Mythos des Fabelwesens.

Von Laurent de Sortiraparis · Fotos von Cécile de Sortiraparis · Aktualisiert am 6. November 2025 um 15:33
Das Musée de Cluny in Paris zeigt „Einhorn!“, eine große Ausstellung über die berühmte mythologische Kreatur, vom 10. März bis zum 12. Juli 2026. Anhand von rund einhundert Exponaten aus aller Welt tauchen Besucher in die Geschichte, die Symbolik und die jahrhundertealte Faszination des Einhorns ein – zwischen Kunst, Legende und Spiritualität.

Das universelle Symbol für Reinheit und Geheimnis offenbart sich in einer neuartigen Ausstellung im Musée de Cluny – Musée National du Moyen Âge in Paris, vom 10. März bis zum 12. Juli 2026. Unter dem Titel Einhorn! lädt diese Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini in Potsdam sowie dem Grand Palais entstanden ist, zu einer wissenschaftlich-poetischen Reise rund um dieses sagenumwobene Tier ein.

Anhand von zehn Themenbereichen und rund hundert Werken aus renommierten Museen wie dem Rijksmuseum in Amsterdam, dem Prado in Madrid, dem Victoria and Albert Museum in London, dem Kunsthistorischen Museum in Wien oder dem Louvre zeichnet die Ausstellung die jahrtausendealte Faszination für dieses mythische Wesen nach.

Eine faszinierende Kreatur durch die Jahrhunderte

Das Einhorn, ein Fabelwesen, galt lange Zeit als real. Unzugänglich und unbezähmbar, inspiriert es seit der Antike Künstler. Selbst Marco Polo behauptete, auf seinen Reisen in Asien einem Einhorn begegnet zu sein. Alte Zeugnisse belegen seine weltweite Verbreitung: ein graviertes Siegel aus dem Indus-Tal aus der Zeit um 2000 v. Chr., ein während der Han-Dynastie in China (um 206–220) geschnitztes Qilin oder auch eine türkische Fayence-Platte aus dem 17. Jahrhundert, auf der ein Einhorn neben einem Hirsch und einem Löwen abgebildet ist.

Die Ausstellung erinnert auch an europäische Darstellungen, insbesondere die des Kanonikers Bernhard von Breydenbach, der in seiner Heiligen Reise nach Jerusalem (Ende des 15. Jahrhunderts) das Einhorn unter den exotischen Tieren beschreibt, die er während einer Pilgerreise ins Heilige Land beobachtet hat.

Eine Ikone des Mittelalters neu gesehen

Das Musée de Cluny, in dem die berühmten Wandteppiche von Die Dame mit dem Einhorn aufbewahrt werden, ist ein idealer Schauplatz für diese Ausstellung. Diese Serie von sechs Wandteppichen aus dem frühen XVIᵉ Jahrhundert, ein Meisterwerk der mittelalterlichen Kunst, veranschaulicht die fünf Sinne - den Tastsinn, den Geschmack, den Geruch, das Gehör und das Sehen - sowie einen sechsten Wandteppich, der mit dem Motto À mon seul désir (Mein einziger Wunsch) gekennzeichnet ist. Diese symbolträchtigen Werke stehen im Mittelpunkt des Rundgangs und dienen als Ausgangspunkt für die Erforschung des Mythos.

Bereits 2018 hatte das Museum dem legendären Geschöpf eine Ausstellung mit dem Titel Magische Einhörner gewidmet, die auf großes Interesse stieß. Die neue Ausstellung im Jahr 2026 knüpft an diese Tradition an und vertieft die künstlerischen und religiösen Darstellungen des Einhorns von der Renaissance bis heute.

Zwischen Symbolik, Spiritualität und zeitgenössischer Gesellschaft

Die gezeigten Werke werden an die verschiedenen Facetten des Einhorns erinnern: mal wild, wie auf einer silbernen Tora-Krone aus dem Jahr 1778, mal heilend, wie im Danny Jewel des Victoria and Albert Museums, das um 1550 entworfen wurde, um ein Fragment eines Einhornhornhorns - in Wirklichkeit ein Narwalzahn - zu enthalten, das angeblich Gifte neutralisiert.

Die Ausstellung wird auch die Entwicklung des Mythos in der modernen und zeitgenössischen Kunst zeigen. Das Tier, das in der mittelalterlichen Symbolik einst mit Christus in Verbindung gebracht wurde, wird manchmal zur Figur der Inklusion und Emanzipation. Ein ukrainisches Wappen aus dem Jahr 2020, das im Museum Barberini aufbewahrt wird, stellt das Einhorn als Queer-Symbol und Emblem des Widerstands gegen Unterdrückung dar. Darüber hinaus haben Künstlerinnen wie Niki de Saint Phalle und Suzanne Husky das Einhorn in neueren, in Cluny ausgestellten Werken wie La Licorne und La noble pastorale neu interpretiert.

Das Einhorn in der Geschichte der Kunst und der Kostbarkeiten

Die Faszination für Einhörner kam auch in Kuriositätenkabinetten oder in den Möbeln großer Häuser zum Ausdruck. Schloss Rosenborg in Kopenhagen bewahrt einen Krug aus dem 17.ᵉ Jahrhundert auf, der aus einem Narwalzahn geschnitzt und mit kleinen Einhörnern aus Silber verziert ist. Diese Objekte zeugen davon, dass der Mythos über die Jahrhunderte hinweg zwischen Verwunderung und Aberglauben Bestand hatte.

Die Ausstellung beleuchtet die universelle Dimension des Einhorns als Symbol der Reinheit, der Macht und des Geheimnisses. Seine Präsenz in der westlichen und östlichen Kunst verdeutlicht die Beständigkeit einer gemeinsamen Vorstellungswelt, die Kulturen und Epochen überdauert.

Eine Ausstellung, um das Einhorn aus historischer und künstlerischer Sicht zu entdecken

Die Ausstellung Einhorn! richtet sich an ein breites Publikum, das sich für Mythologie, mittelalterliche Kunst und symbolische Darstellungen interessiert. Liebhaber von Geschichte, Ikonografie und visueller Kultur werden hier einen wissenschaftlichen und dokumentierten Ansatz finden. Familien und neugierige Besucher können sich an der Vielfalt der ausgestellten Werke erfreuen, die von antiken Objekten bis hin zu zeitgenössischen Kreationen reicht.

Die Ausstellung ist auch für ein Publikum interessant, das für die interkulturelle Dimension des Mythos sowie für aktuelle Überlegungen zu Symbolen und Identitäten empfänglich ist. Die verschiedenen thematischen Abschnitte werden es ermöglichen, das Einhorn als Spiegel der Überzeugungen und Werte jeder Epoche zu entdecken.

Die Ausstellung ist vielleicht nicht für diejenigen geeignet, die eine immersive, interaktive oder spektakuläre Erfahrung suchen. Der Rundgang bevorzugt einen klassischen Museumsansatz, der auf Kontemplation, Dokumentation und Kontextualisierung der Werke beruht.

Besucher, die für alte Kunst oder religiöse Symbolik wenig empfänglich sind, könnten die Ausstellung eher als intellektuell denn als unterhaltsam empfinden. Die Veranstaltung soll in erster Linie eine Ausstellung zum Studium und zur Vermittlung sein, getreu dem patrimonialen und wissenschaftlichen Auftrag des Cluny-Museums.

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Praktische Informationen

Termine und Öffnungszeiten
Von 10. März 2026 bis 12. Juli 2026

× Unverbindliche Öffnungszeiten: Um die Öffnungszeiten zu bestätigen, wenden Sie sich an die Einrichtung.

    Standort

    28 Rue du Sommerard
    75005 Paris 5

    Route berechnen

    Zugang
    Metrolinie 10 Station "Cluny - La Sorbonne".

    Tarife
    Tarif réduit : €10
    Plein tarif : €12

    Offizielle Seite
    www.musee-moyenage.fr

    Weitere Informationen
    Täglich außer montags von 9:30 bis 18:15 Uhr geöffnet

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