In der Bibel ist Salomé ein junges Mädchen voller Anmut und Schönheit, das die Männer durch ihr tänzerisches Talent verzaubert. Künstler sehen in ihr eine Verführerin, ein Symbol für sinnliche Weiblichkeit, die den Verstand verliert. Ende des 19. Jahrhunderts taucht Salomé in zahlreichen Werken auf: Gemälde, Opern, Gedichte, Skulpturen, Märchen, Theaterstücke, Ballette... Europäische Künstler lassen sich von dieser Figur inspirieren und interpretieren sie auf vielfältige Weise. Ihre Darstellung findet sich in den Werken von Oscar Wilde, Mallarmé, Flaubert, Richard Strauss und vielen mehr.
Für Gustave Moreau war Salome eine Obsession, die ihn über mehr als zwanzig Jahre hinweg beschäftigte. Bei Jean-Jacques Henner ist es eine faszinierende Figur, die gegen Ende seines Lebens entstand. Das Musée Jean-Jacques Henner bringt diese beiden bedeutenden Künstler in Dialog und setzt ihre Werke gegeneinander in einer Ausstellung, die vom 18. Februar bis zum 22. Juni 2026 zu sehen ist.
Unter dem Titel Salomé. Henner und Moreau im Dialog mit dem Mythos vereint diese Ausstellung verschiedene Gemälde, Zeichnungen, Skizzenbücher und Schnitte, die sich mit Salomé und ihrer Geschichte auseinandersetzen. Insgesamt sind rund dreißig Werke zu sehen, die ein gemeinsames Thema verbinden. Zum ersten Mal begegnen sich die beiden Maler – die Zeitgenossen – auf diesem gemeinsamen Gebiet: Ihre Unterschiede treten dabei besonders deutlich zutage.
Im Moreau wird Salomé als eine wahre Prinzessin dargestellt, geschmückt mit goldenen Schmuckstücken, opulenten Gewändern und zarten Schleiern. Sie ist in kunstvoll inszenierte Paläste und aufwändig gestaltete Szenarien eingebettet. Moreau schuf zahlreiche Gemälde und Zeichnungen, die unterschiedliche Variationen einer einzigen Szene zeigen. Dabei konzentriert sich der Künstler auf den Tanz dieser „Verführerin“ und die Rolle der anderen Figuren in der Geschichte.
Die Gemälde von Henner sind deutlich düsterer und schlichter. Salomé trägt simple, modern wirkende Kleider in kräftigen Farben. Mit einem durchdringenden, finsteren Blick fixiert sie den Betrachter, voller Berechnung. Der entkopflichte Johannes der Täufer wird durch eine neben der Frau stehende Platte angedeutet. Ihr langes Haar ist offen, der neutrale Hintergrund hebt sie hervor. Einerseits eine zarte Prinzessin, andererseits eine gefährliche Femme Fatale...
Auf ihre eigene Art und Weise greifen die beiden Maler diese mythologische Gestalt auf. Die Gemälde spiegeln ebenso ihre jeweiligen Welten wider, ihre Visionen von Kunst, Körper und Weiblichkeit. Die Skizzen gewähren außerdem Einblick in den kreativen Schaffensprozess von Henner und Moreau, in die Art, wie sie Linie, Farbe oder die Natürlichkeit des menschlichen Körpers betonen...
Diese Ausstellung ist eher überschaubar und erstreckt sich über zwei Säle des Museums. Alle Werke zeigen Salomé – sei es in Zeichnungen oder Gemälden von Moreau und Henner. Das Thema ist äußerst spannend: Anhand dieser wenigen Werke wirft die Ausstellung einen Blick auf den Mythos der verführerischen Femme fatale und die Darstellung der verlockenden Frau im 19. Jahrhundert. Gleichzeitig stellt sie zwei völlig unterschiedliche Maler gegenüber – sowohl in ihrem Leben als auch in ihrer künstlerischen Ausgestaltung.
Zum Thema gemeinsam lädt das Musée Jean-Jacques Henner zu einer spannenden Dialogausstellung zwischen den beiden bedeutenden Malern des 19. Jahrhunderts ein. Die Ausstellung ist im ersten Halbjahr 2026 zu erleben.
Dieser Test wurde im Rahmen einer beruflichen Einladung durchgeführt. Sollten Ihre Erfahrungen von unseren abweichen, teilen Sie uns dies bitte mit.
Termine und Öffnungszeiten
Von 18. Februar 2026 bis 22. Juni 2026
Standort
Jean-Jacques Henner Museum
43, avenue de Villiers
75017 Paris 17
Zugang
Metro: Malesherbes (Linie 3), Monceau (Linie 2) Bus: 30, 31, 94
Tarife
Tarif réduit : €6
Plein tarif : €8
Offizielle Seite
musee-henner.fr



























