Wenn Sie die Avenue de Paris in Villejuif entlanggehen, zwischen den modernen Gebäuden und dem Summen der Nationalstraße 7, könnten Sie ohne Bedenken vorbeigehen. Doch dieser steinernen Obelisk, versteckt in der Nummer 157 bis und leicht geneigt wie seine Pise-Gefährtin, zählt zu den bedeutendsten Denkmälern in der Geschichte der Wissenschaften Frankreichs. Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Cassini-Pyramide.
Im 18. Jahrhundert bleibt das Königreich Frankreich ein geografisches Mysterium. Die Karten dieser Zeit sind so ungenau, dass Ludwig XV. sich scherzhaft damit brühnte, dass seine Kartographen ihm mehr Land entführten als seine Feinde! Um das zu ändern, beauftragte der König ein gewaltiges Projekt: die erste detailreiche topografische Karte des Reiches.
Hier beginnt die Geschichte der Familie Cassini, einer Dynastie von visionären Astronomen. Um ein ganzes Land zu vermessen, reicht es nicht aus, nur Lineale zu verwenden — es braucht reine Geometrie: die Triangulation.
Im Jahr 1742 ließ Jacques Cassini eine Pyramide errichten, die technisch gesehen eine Geodätische Zielmarke ist. Sie dient nicht nur der Zierde: Vielmehr ist sie ein präziser visueller Orientierungspunkt. Zusammen mit einer weiteren Zielmarke in Juvisy-sur-Orge ermöglicht sie die exakte Verfolgung einer geraden Linie von 11.037 Metern entlang der Route nach Fontainebleau.
Diese exakt vermessene Distanz, die ihrer Zeit weit voraus war, bildete die Grundlage aller späteren Berechnungen. Von dieser Linie aus zeichneten Wissenschaftler imaginäre Dreiecke, die Kirchtürme und Gipfel in Frankreich verbanden – bis die gesamte Landeskarte abgedeckt war.
Das Abenteuer endete damit nicht. Durch die Messung dieses Segments des Meridians von Paris konnten Wissenschaftler den Erdumfang berechnen. Dank dieser Messungen, die in Villejuif begannen, hat die Französische Revolution später die Grundlage geschaffen, um eine unveränderliche, natürliche Maßeinheit festzulegen: den Meter (definiert als der Zehntausendstelteil der Hälfte des Erdmeridians).
Heute ist die Pyramide, wie sie die Bevölkerung nennt, als Nationalmonument eingetragen. Etwas versteckt, aber oben auf ihrem Hügel sichtbar, blickt sie wissend auf vorbeifahrende Autos – wie eine altehrwürdige Wissenschaftlerin. Sie befindet sich zudem in einem umfangreichen Restaurierungsplan, der bis Mai 2026 abgeschlossen sein soll, um ihr den ursprünglichen Glanz wiederzugeben – unterstützt durch den Patrimoine-Lotterie. Falls sie leicht geneigt scheint, ist das kein Fehler bei Cassinis Messung, sondern den Bewegungen des Bodens und ihrem hohen Alter geschuldet.
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Standort
Cassini-Pyramide
157 Avenue de Paris
94800 Villejuif























