In Guyancourt, in den Yvelines, verbirgt sich eines der skurrilsten Gebäude der Pariser Region. Seine Architektur macht es zu einem Glanzstück des zeitgenössischen Kulturerbes und es handelt sich hierbei um eine lokale Kuriosität, die einen Blick wert ist. Im Viertel Villaroy zieht die Wohnanlage Les Caryatides die Blicke auf sich mit ihren großen weiblichen Statuen, die unter den Gebäuden platziert sind, als würden sie das Ganze tragen. Ihre Silhouetten erinnern an die Venus von Milo, die berühmte antike Statue, die im Louvre aufbewahrt wird.
Die Caryatiden wurden 1992 vom Architekten Manuel Núñez-Yanowsky realisiert (manchmal auch als Manolo Núñez-Yanowsky geführt). Letzterer ist bekannt für Gebäude, in denen historische Bezüge sichtbar ins Zentrum rücken: Er ist zugleich der Urheber der Picasso-Arenen in Noisy-le-Grand. In Guyancourt greift er die antike Idee der Caryatid auf: eine weibliche Statue, die als architektonische Stütze dient. Im antiken Griechenland konnten diese Figuren Säulen ersetzen. Hier wird dieses Prinzip in großem Maßstab aufgegriffen, mit einer zeitgenössischen Note und einer spektakulären Ausstrahlung.
Was zuerst auffällt, sind die Skulpturen. Sie dienen nicht bloß als Dekoration. Sie befinden sich unter dem Haus, in einer Haltung, die den Eindruck erweckt, das Bauwerk buchstäblich zu tragen. Der Effekt ergibt sich auch aus dem Kontrast. Die Linien des Gebäudes sind geradlinig, repetitiv, sehr urban. Die Statuen hingegen bringen eine klassische, beinahe museale Form ins Spiel. Diese Mischung verleiht dem Gebäude seinen Charakter. Man erkennt eine historische Referenz, doch sie wird hier in einem zeitgenössischen Wohnkomplex genutzt.
Das Gebäude gehört zur postmodernen Architektur. Dieser Stil war in den 1970er bis 1990er-Jahren sehr präsent und liebt es, Formen der Vergangenheit wiederaufzunehmen: Säulen, Giebelfelder, Statuen, Anspielungen auf antike oder klassische Vorbilder. Doch geht er damit nicht immer seriös oder unauffällig um. Er vergrößert sie, verzerrt sie, vermischt sie mit modernen Formen.
Die Caryatiden von Guyancourt sind kein antikes Denkmal, gehören aber zum zeitgenössischen Erbe der Île-de-France. Sie erzählen von einer Epoche, in der Architektinnen und Architekten in den neuen Siedlungen stärker mit Experimenten arbeiteten. Die kühnsten Bauten sind nicht immer nur Institutionen vorbehalten: Auch die Île-de-France bietet eine Fülle ungewöhnlicher Wohnhäuser.
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Standort
Die Karyatiden
14 Rue Franck Lloyd Wright
78280 Guyancourt















