Mit seinem Uhrturm und dem Fachwerk wirkt dieser Bahnhof im Val-d’Oise, als stamme er aus einer anderen Zeit.

Von Laurent de Sortiraparis · Aktualisiert am 23. Juni 2026 um 21:25
Mit ihrer postkartengleichen Silhouette, dem Uhrturm, der die Gleise überragt, und den Fachwerkfassaden hebt sich dieser Bahnhof deutlich vom üblichen Bild der Vorortbahnhöfe ab. Als Erbin der großen bahnhistorischen Umgestaltungen der Zwischenkriegszeit bewahrt er einen eigenwilligen Charme, der Reisende in eine andere Epoche versetzt – lange bevor Alltagsfahrten und Informationsbildschirme zur Normalität gehören.

Hin und wieder geht man daran vorbei, ohne hochzublicken, eilig, um den Zug zu erwischen. Doch der Bahnhof Saint-Leu-la-Forêt verdient es, dass man sich einen Moment Zeit nimmt. Mit seinem Uhrturm, seinem Scheinfachwerk und dem Charme eines kleinen Kurbahnhofs erinnert dieses Gebäude der Lieng H nicht ganz an die anderen. Als regional bedeutsames Kulturerbe ausgezeichnet, zeigt es: Das Kulturerbe der Île-de-France versteckt sich auch in den Orten des Alltags.

Ihr Name ist einfach jener der Gemeinde, die sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bedient. Der Bahnhof geht 1876 in Betrieb, als die Ermont-Valmondois-Linie von der Compagnie des chemins de fer du Nord in Betrieb genommen wird. Damals war das Empfangsgebäude eher schlicht gestaltet und zunächst darauf ausgerichtet, den Aufschwung des Zugverkehrs zu begleiten und diese Gemeinde im Montmorency-Tal besser mit Paris und den umliegenden Städten zu verbinden.

In den 1920er-Jahren bekam der Bahnhof das Erscheinungsbild, das man heute kennt. Das Bauwerk wurde daraufhin mit einem großen Durchgangsraum, einem Uhrturm und einer Fassade mit nachgebildetem Fachwerk ausgestattet, die ihm diesen sehr charakteristischen regionalistischen Charme verleihen. Das Ensemble, dem Architekt Gustave Umbdenstock zugeschrieben wird, steht im Dialog mit der gare voisine de Taverny, die im gleichen Stil wieder aufgebaut wurde. Ergebnis: eine warme, fast theatrale Silhouette, weit entfernt von dem kühlen Image, das man von Vorstadtbahnhöfen manchmal hat.

Noch im Betrieb auf der Linie H begleitet der Bahnhof nach wie vor den Alltag der Pendler, während er zugleich sein Erbe aus der Zwischenkriegszeit bewahrt. Er ist nicht nur ein Durchgangspunkt: Er fungiert auch als kleines urbanes Orientierungspunkt, erkennbar an seiner Uhr und den kunstvoll gestalteten Fassaden. Ein Grund mehr, zwischen zwei Zügen daran erinnert zu werden, dass manche Bahnhöfe fast so viel Aufmerksamkeit verdienen wie das Reiseziel.

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