Man kennt die Galerie Vivienne, den Passage des Panoramas oder auch den Passage Jouffroy, doch die Galerie de la Madeleine bleibt deutlich unauffälliger. Dennoch gehört dieses überdachte Pariser Passage zwischen der 9 Place de la Madeleine und der 30 Rue Boissy-d'Anglas unbestreitbar zur großen Geschichte der pariser Handelsgalerien.
Der Bau begleitet die Veränderungen des Viertels im 19. Jahrhundert und markiert die Fertigstellung der église de la Madeleine, die 1842 eröffnet wurde. Das Immobilienprojekt wird von der Firma umgesetzt, die auch den Passage Jouffroy ins Leben rief, während die Ausführung der Galerie dem Architekten Théodore Charpentier anvertraut wurde. Die Arbeiten führten 1845 zum Abschluss, wobei die Galerie je nach Quelle 1845 oder 1846 eröffnet galt.
Hier geht es nicht darum, Hunderte von Metern zu durchqueren. Die Galerie de la Madeleine misst nur 53 Meter Länge und 4 Meter Breite. Ihr monumentaler Eingang wird von zwei Karyatiden eingerahmt, die von Jean-Baptiste Klagmann geschaffen wurden, während der Name Charpentier noch unter dem Schlussstein zu sehen ist.
Im Inneren lässt das Licht durch ein langes Glasdach strömen, das in Paneele unterteilt ist und von Strebebögen getragen wird. Holzverkleidungen, Schaufensterfronten und dekorative Details erinnern daran, dass der Viertel schon im 19. Jahrhundert einen eher eleganten Charakter hatte. Am gegenüberliegenden Ende, in der Rue Boissy-d’Anglas, zeigt sich ein anderes Gesicht mit seiner geschnitzten Holzfassade.
Die Galerie hat übrigens eine kleine Geschichte innerhalb der Geschichte: Früher bildete sie eine Verbindung zur Cité du Retiro, wo sich unter anderem ein Karussell, Bäder und eine Postkutschenstation befanden. Weitere Anekdote: Jean Cocteau und Jean Marais wohnten im Frühjahr 1938 im Haus Nr. 9 am Place de la Madeleine, direkt am Eingang der Galerie. In unmittelbarer Nähe befindet sich zudem das Restaurant Lucas Carton, das vor allem für seine Jugendstil-Holzverkleidungen bekannt ist, die mit Louis Majorelle in Verbindung stehen.
Mehr als 180 Jahre nach ihrer Errichtung ist die Galerie de la Madeleine nach wie vor präsent. Damals beherbergte sie zahlreiche kleine Geschäfte und Handwerker, heute hat der Luxus den Durchgang erobert, und man zählt hochwertige Boutiquen, die sich hier niedergelassen haben. Mit ihren Fassaden zum Straßentrakt und zum Durchgang, dem Boden und den Verglasungen, die seit dem 9. März 1987 zu den Monuments historiques gehören, bleibt die Galerie privat, ist aber öffentlich zugänglich.
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Standort
Galerie de la Madeleine
9 Place de la Madeleine
75008 Paris 8
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