Zu den schönsten Dörfer, die man in Île-de-France entdecken kann und insbesondere in Seine-et-Marne, ist Nemours. Kopfsteinpflastergassen, eine Burgauf den Ufern des Loing, gotische Kirche und Herrschaftshäuser, die in den Jahrhunderten schlummern… Nemours, im Süden der Seine-et-Marne (77), hat alles, was man sich von einer Stadt vorstellt, die man für Eingeweihte hielt. Doch diese mittelalterliche Stadt, ausgezeichnet als Ort mit Charakter, liegt nur eine Stunde von Paris entfernt ab dem Gare de Lyon, und ihr ganzes historische Zentrum lässt sich zu Fuß erkunden. Ein Erbe, das bis ins 12. Jahrhundert reicht, prähistorische Spuren, eine Insel, die Natura-2000-klassifiziert ist, und eine am Wasser gelegene Guinguette: all das sind gute Gründe, hier einen ausgedehnten Entdeckungstag zu verbringen.
Der natürliche Startpunkt jeder Besichtigung ist das Schloss-Museum Nemours, das seit mehr als 800 Jahren stolz am linken Ufer des Loing emporragt. Errichtet im XII. Jahrhundert unter Gautier I. von Villebéon, Großkammerherrn der Könige Ludwig VII. und Philipp August, gehört es zu den wenigen städtischen Burgen des Mittelalters in Île-de-France, die die Jahrhunderte nahezu unversehrt überdauert haben. Sein Turm mit vier Türmen und die gotische Innenkapelle bilden ein bemerkenswertes architektonisches Ensemble. Seit Beginn des XX. Jahrhunderts beherbergt das Schloss zudem ein Museum, das der Nemourer Bildhauer Justin-Chrysostome Sanson gegründet hat und rund 25.000 Werke umfasst. Im Jahr 2026 zeigt die Ausstellung "Paysages d'eau" Gemälde, Drucke und Skulpturen rund um das Thema Wasser in der Kunst. Bemerkenswert ist, dass das Schloss regelmäßig an Veranstaltungen wie der Nacht der Museen oder den Journées du patrimoine teilnimmt, mit Besuchern zugänglichen Kerkern aus dem XVII. Jahrhundert.
Nur wenige Gehminuten vom Schloss entfernt geht es nahtlos weiter zu den Ursprüngen der Menschheit im Musée de la Préhistoire d'Île-de-France. In einem kleinen Unterholz am Rand des Forêt de Fontainebleau gelegen, erzählt dieses regional bedeutende Museum mehr als 600 000 Jahre Geschichte der menschlichen Zivilisation in Île-de-France – vom frühen Paläolithikum bis ins Eisenzeitalter. Hier finden sich 2 500 Objekte aus über zwei Millionen, die bewahrt werden, darunter eine Mammutzahnmolar, ein gravierter Menhir oder Neolithikums-Schieferarmreifen. Der Ort lohnt sich wirklich, besonders mit Kindern. Von der Gare aus führen Buslinien direkt zum Museum.
Zwischen den beiden Abschnitten empfiehlt es sich, am Loing entlang über den Quai Victor Hugo zu gehen, um die Brücken der Petits Fossés zu bewundern, die im 19. Jahrhundert neu erbaut wurden, bevor man gemütlich die Rue de Paris flaniert. Dort, Nr. 5, versteckt sich das Écu de France, eine Auberge, die zu den ältesten Frankreichs zählen soll, in der Victor Hugo 1844 Station machte. Weiter hinten auf dem Place de la République öffnet ein unauffälliges Tor ein hôtel particulier aus dem 17. Jahrhundert, in dem Papst Pius VII. 1804 die Stadtherren empfing, auf dem Weg zur Krönung Napoléons. Solche historischen Details liebt man hier.
Wenn man am Victor-Hugo-Ufer entlang des Flusses der Petits Fossés spaziert, stößt man fast zufällig auf eines der Waschhäuser von Nemours, ein diskreter Zeuge des Alltags vergangener Jahrhunderte. Mehrere Waschhäuser säumen tatsächlich die Ufer des Loing, vor allem am Victor-Hugo-Ufer und gegenüber dem Schloss, am gegenüberliegenden Ufer. Diese am Wasser offenen Zufluchten, in denen die Frauen des Ortes das Leinen klopften, gehören zu jenen kleinen Kulturerben, die man nicht sucht und über deren Fund man sich trotzdem freut. Im ehemaligen Hof des Schlosses, erreichbar durch eine gepflasterte Gasse, kann man auch noch ein weiteres davon erblicken, begleitet von den Überresten einer Kapelle aus dem XIII. Jahrhundert und einer Zehntscheune aus dem XVI. Jahrhundert. Solche Details verleihen der Strecke eine echte Tiefe, fern von ausgeschilderten Routen. Man nimmt sich Zeit, hält inne, und Nemours offenbart dann seine leisesten Schichten der Geschichte.
Nur wenige Schritte vom Schloss entfernt, das île du Perthuis stellt eine echte grüne Lunge mitten in der Stadt dar. Als Natura 2000-Gebiet geschützt, bietet diese fünf Hektar große Oase einen einzigartigen Blick auf den Fluss und das Schloss. Hier legt man eine kurze Pause ein, um zwischen zwei Besichtigungen durchzuatmen. Und bei schönem Wetter richtet die terrasse du Moulin de Nemours ihre temporäre Guinguette am Ufer des Loing ein, mit Food Market, Konzerten und der Vermietung von Elektrobooten für einen Aperitif auf dem Wasser mit Blick aufs Schloss. Ein echtes Sommer-Highlight.
Nemours ist auch eine Geschichte der Mohnblume. Diese leuchtend rote Blume, lange von Dichtern und Malern der Region gefeiert, ist der Ursprung einer lokalen Confiserie, die man nirgendwo anders findet: die Nemours-Mohnblume. Diese zarte, durchscheinende rote Bonbon-Art mit einem fein blumig-fruchtigen Geschmack wird aus handgepflückten Blütenblättern hergestellt, die jeden Frühling auf regionalen Flächen geerntet werden. In den 1930er Jahren geriet sie in Vergessenheit, erlebt 1996 aber ein Comeback dank dem Nemours-Haus Des Lis Chocolat, das heute dieses regionaltypische Know-how im Francilien-Terroir fortführt. Klassische Pastillen, Sirupe, Limonaden, Marmeladen oder Parfum-Schokoladen: Die Blume inspiriert eine ganze Palette kulinarischer Kreationen, die man gerne als Souvenir mitnimmt. Eine schöne Art, den Besuch bis auf den Teller zu verlängern.
Man braucht nicht unbedingt ein Auto: Man kann den Navigo-Pass nutzen : Der Transilien R ab dem Gare de Lyon bringt Sie in etwa eine Stunde nach Nemours-Saint-Pierre. Sobald Sie vor Ort sind, lässt sich das komplette historische Zentrum zu Fuß erkunden. Man kann auch direkt in der Innenstadt ein Fahrrad oder ein E-Bike mieten, um die Erkundungen in die Umgebung auszuweiten, die Uferwege der Scandibérique oder den angrenzenden Staatsforst zu erkunden.
Unsere Einschätzung: Nemours ist ein hübsches Reiseziel für alle, die eine echte historische Auszeit am Wochenende suchen und sich ein wenig von Provins oder Fontainebleau abheben lassen möchten. Es ist eine ausgezeichnete Option für Familien, für Liebhaber von mittelalterlichem Erbe und für Naturspaziergänge. Dass man hier alles ohne Auto erledigen kann, ist ein echter Pluspunkt. Die Stadt genießt nicht immer volle Sichtbarkeit, genau das macht sie aber zu einer reizvollen Entdeckung.
Weitere lesenswerte Beiträge auf Sortiraparis:
Standort
Nemours
nemours
77140 Nemours
Tarife
Kostenlos
Offizielle Seite
www.nemours.fr











































