Wer erinnert sich noch an Olympe Audouard ? Olympe Audouard, erste Journalistin wird im Auditorium Claude Debussy in Versailles im Rahmen des Mois Molière vorgestellt, am Sonntag, 31. Mai um 19:15 Uhr und Freitag, 26. Juni um 20:45 Uhr. Inszeniert von Martin Loizillon, mit Gwénaël Ravaux und Nicolas Rigas, geschrieben von François de Mazières, basierend auf den Texten von Olympe Audouard, von Victor Hugo und von Alexandre Dumas, mit einer Komposition von Olivier Charade. Im Mittelpunkt steht eine Frau, geboren 1832, Journalistin, Reisende, Aktivistin, Zeugin und Akteurin eines XIX. Jahrhunderts, das geprägt war von politischen Revolutionen, gesellschaftlichen Umbrüchen und feministischen Kämpfen.
Der Auftakt wirkt fast wie ein Missverständnis: „Olympe Audouard? Meinen Sie vielleicht Olympe de Gouges?“. Nein, ganz im Gegenteil. Die Vorstellung erzählt den Lebensweg von Olympe Audouard, der ersten französischen Journalistin, die ihr eigenes Blatt gründet, die Welt bereist, mit den großen literarischen und politischen Figuren ihrer Zeit verkehrt und an der Pariser Kommune teilnimmt. Durch sie rollt sich ein ganzes Jahrhundert ab – zwischen Salons, Redaktionsräumen, Reisen und Barrikaden. Victor Hugo, Alexandre Dumas, Theophile Gautier oder sogar Baron Haussmann kreuzen ihren Weg, in einem Fresko, das eine Frau sichtbar machen will, die die offizielle Geschichte kaum beachtet hat.
Olympe Audouard schreitet vor wie eine Figur aus einem Fortsetzungsroman: Sie überwindet Grenzen, schreibt, polemisiert, beobachtet die Mächtigen und verweigert jenen Platz, den ihr die Epoche für Frauen zuweist. Durch ihren Werdegang eröffnet das Stück mehrere Türen zum 19. Jahrhundert: der Entstehung einer weiblichen journalistischen Stimme, Debatten um Emanzipation, die politischen Erschütterungen der Pariser Kommune, aber auch die Machtverhältnisse in literarischen, medien- und gesellschaftlichen Kreisen. Die Geschichte erscheint hier nicht als ordentliches Hintergrundbild, sondern als Reibungsfläche, durchzogen von Stimmen, Kämpfen und noch zu wenig bekannten Persönlichkeiten.
Die Entscheidung, Olympe Audouard aus ihren eigenen Texten heraus sprechen zu lassen, aber auch Texte von Victor Hugo und Alexandre Dumas einzubeziehen, verankert das Stück in einem Dialog mit den berühmten Stimmen seiner Zeit. Dieser Ansatz könnte ermöglichen, den Abstand zu messen zwischen dem, was das kollektive Gedächtnis verewigt hat, und demjenigen, der trotz seiner Kühnheit noch weitgehend unbekannt bleibt. Die enge Besetzung mit Gwénaël Ravaux und Nicolas Rigas lässt eine konzentrierte Form erahnen, in der biografische Erzählung auf historische Bezugnahme trifft, ohne eine groß angelegte dekorative Rekonstruktion anzustreben.
Indem er Olympe Audouard wieder ins Rampenlicht rückt, lädt das Mois Molière dazu ein, eine geschichtliche Seite neu aufzuschlagen, in der Presse, Politik und die Emanzipation der Frauen auf erstaunlich moderne Weise aufeinandertreffen. Bleibt diese einfache, aber treffende Frage, die die Zuschauer beim Verlassen des Theaters begleiten könnte: Wie viele weitere Olympe Audouard warten darauf, dass man endlich ihren Namen nennt?
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Termine und Öffnungszeiten
Von 31. Mai 2026 bis 26. Juni 2026
Standort
Auditorium Claude Debussy – Regionales Konservatorium Versailles Grand Parc
24 Rue de la Chancellerie
78000 Versailles
Zugang
RER C Bahnhof von "Versailles - Rive Gauche"
Offizielle Seite
www.moismoliere.com















