Im Musée d’Orsay beschränken sich die Kunstwerke nicht mehr nur auf das Betrachten: sie werden gelesen, leuchten auf und dringen direkt auf die Netzhaut ein. Vom 20. Oktober 2026 bis zum 21. Februar 2027 verwandelt die Ausstellung „Ich habe gesehen“ von Jenny Holzer den berühmten Bahnhof in ein leuchtendes Manifest. Eine Ausstellung, in der der Text an Einfluss gewinnt – Buchstabe um Buchstabe.
Eine bedeutende Künstlerin unserer Zeit, Jenny Holzer, stellt seit jeher die Worte in den Mittelpunkt ihres engagierten Schaffens. Für dieses Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Musée d’Orsay entstanden ist, greift sie auf die Sammlungen und Archive der Institution zurück: Briefe von Künstlern, literarische und politische Schriften aus dem Zeitraum 1848–1914. Ausgewählte Fragmente, die projiziert, graviert oder anifestiert werden und zwischen Vergangenheit und Gegenwart oszillieren.
Der erste Eindruck der Ausstellung zeigt sich im Freien. Die historische Fassade des Museums an der Seine erstrahlt während mehrerer Abende rund um die Eröffnung im Oktober in Lichtprojektionen. Die bunten Leuchttexte verwandeln die Architektur und bieten Passanten ein immersives Erlebnis, das fast schon in eine andere Zeit versetzt.
Drinnen sorgt eine monumentale LED-Installation, eigens für die Ausstellung gestaltet, für eine wegweisende Atmosphäre. Bunte Wortströme begleiten die Besucher und erinnern an den ursprünglichen Verkehr der im 19. Jahrhundert entstandenen Bahnhofshalle, die heute als Museum dient. In den Kuppelräumen tritt dieses Kunstwerk in Dialog mit Werken von Holzer, die mit Gold-, Platin- und Palladiumblatt gearbeitet sind. Veränderliche Oberflächen, teilweise verdeckt, lassen Spuren schwerer Entscheidungen erkennen und greifen die großen Histori gemälde in den Nachbarräumen gekonnt auf.
Der Rundgang wird auch durch eine andere Art der Betrachtung bereichert. Steinbänke in ungewöhnlichen Farbtönen, mit Inschriften aus der damaligen Zeit versehen, sind im Erdgeschoss und den Galerien verteilt und schaffen einen faszinierenden Bezug zur von Gae Aulenti gestalteten Architektur.
Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Musée d’Orsay wurde J’ai vu konzipiert, um die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu feiern. Dabei entsteht ein feines Wechselspiel zwischen den Sammlungen des Museums und der Perspektive einer amerikanischen Künstlerin. Eine Ausstellung, die man zwischen den Zeilen lesen sollte… und die im Rampenlicht erstrahlt.
Termine und Öffnungszeiten
Von 20. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027
Standort
Orsay-Museum
62 rue de Lille
75007 Paris 7
Offizielle Seite
www.musee-orsay.fr















