Und was, wenn die Geschichte der Medizin eigentlich auch eine Geschichte des Dialogs zwischen den Zivilisationen ist? Das Institut du Monde Arabe zeigt eine Ausstellung über die Weitergabe medizinischen Wissens über die Jahrhunderte hinweg, mit dem Titel Das große Abenteuer des medizinischen Wissens, vom 13. Oktober 2026 bis zum 10. Januar 2027. Gefördert von Dr. Philippe Abastado, einem Kardiologen und Wissenschaftler für medizinische Epistemologie, bietet Das große Abenteuer des medizinischen Wissens eine chronologische und thematische Reise durch die wichtigsten Meilensteine der medizinischen Entwicklung, von der Antike bis in die Neuzeit.
Auf fünf zentrale Themenbereiche – übersetzen, vermitteln, diskutieren, experimentieren, heilen – fokussiert die Ausstellung die Geschichte einer Wissenschaft, die durch jahrhundertelange interkulturelle Austauschprozesse geprägt wurde, jenseits geografischer, religiöser oder politischer Grenzen. Der Ansatz basiert auf einer Sammlung von alten Manuskripten, Inkunabeln, illustrierten Werken sowie medizinischen Objekten, die in der Pharmazie oder Chirurgie Verwendung fanden. Diese Herangehensweise ermöglicht eine historische Perspektive auf den geistigen Austausch rund um medizinisches Wissen.
Der Besucher folgt einer Reise, die von der Antiken Griechenland über die Römische Kaiserzeit führt, durch Alexandria und Bagdad bis hin nach Padua. An jeder Station steht das medizinische Buch im Mittelpunkt, das als zentraler Träger von Wissen und Austausch gilt. Die ausgestellten Werke sind teilweise in mehreren Sprachen mit Anmerkungen versehen, die über Generationen von Praktikern weitergegeben wurden und eine allmähliche Weiterentwicklung von Praktiken und Theorien dokumentieren.
Der Zeitraum vom 7. bis zum 16. Jahrhundert wird besonders hervorgehoben, eine Epoche, in der die arabisch-muslimische Welt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Medizin spielte. Diese Zeit ist geprägt von einem bedeutenden Sprachwechsel: Zunächst vom Griechischen ins Arabische, später vom Arabischen ins Latin. Diese Übersetzungsphasen sind eng mit intellektuellen und wissenschaftlichen Debatten verbunden, die die medizinische Wissensbasis jener Zeit maßgeblich prägen.
Ergänzend zur kulturhistorischen Sammlung setzen die Ausstellung auf digitale Vermittlungsangebote. Diese interaktiven Stationen ermöglichen es den Besucher:innen, die globale Vernetzung der medizinischen Austauschprozesse nachzuvollziehen, bedeutende Persönlichkeiten der Medizin zu entdecken und sich mit ihren Überlegungen zu Mensch, Gesundheit und Behandlungsmethoden vertraut zu machen.
Zu den behandelten Themen gehören die ärztliche Beratung, Hygieneregeln sowie die Zubereitung von Kräuter- und Heilmitteln. Diese werden anhand von Reproduktionen, übersetzten Textauszügen und anschaulichen Illustrationen veranschaulicht. Die Besucher können so die antike Medizin nicht nur als starres Wissen verstehen, sondern vielmehr als eine sich ständig weiterentwickelnde Erkenntnis, die sich den jeweiligen Gegebenheiten anpasst.
Eines der erklärten Ziele der Ausstellung ist es, die Medizin als Ergebnis eines langwierigen Austauschs auf geistiger und menschlicher Ebene sichtbar zu machen. In einer Zeit, die von spezialisierten Wissensgebieten und identitären Spannungen geprägt ist, erinnert dieser Ansatz daran, dass sich die Medizinwissenschaft in einem Umfeld gegenseitiger Kooperation zwischen verschiedenen Kulturen entwickelt hat – oftmals trotz historischer Konflikte.
Der Blick auf alte medizinische Texte, Heilungspraktiken und die berufsethischen Grundlagen ermöglicht es, einige zeitgenössische Konzepte neu zu kontextualisieren. Die Ausstellung beschränkt sich nicht nur auf eine historische Perspektive, sondern lädt auch dazu ein, über den gemeinschaftlichen Aufbau wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie die damit verbundenen Formen der Wissensvermittlung nachzudenken.
Das große Abenteuer des medizinischen Wissens im Institut du Monde Arabe bietet einen sorgfältig gestalteten Rundgang, der chronologisch aufgebaut ist und eine verständliche wissenschaftliche Sprache nutzt. Die Ausstellung beleuchtet die Entwicklung medizinischer Konzepte über die Jahrhunderte hinweg und gewährt den Besuchern einen umfassenden Einblick in die vielfältigen Übertragungswege und das Erbe des medizinischen Wissens. Ob Sie sich für Wissenschaften interessieren, Geschichte lieben oder den interkulturellen Austausch spannend finden — diese Ausstellung eröffnet neue Perspektiven, um das medizinische Erbe anders zu betrachten.
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Termine und Öffnungszeiten
Von 13. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027
Standort
Institut der Arabischen Welt
1 Rue des Fossés Saint-Bernard
75005 Paris 5
Zugang
Metro Jussieu Linie 7, Linie 10
Offizielle Seite
www.imarabe.org
Weitere Informationen
Geöffnet von Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr und an Wochenenden sowie Feiertagen von 10 bis 19 Uhr.



















