Ist die Geschichte der Sklaverei im Mittelmeerraum vielleicht eine andere, als Sie bisher geglaubt haben? In Paris zeigt das Institut du Monde Arabe die Ausstellung Captifs. Künste und Sklaverei im modernen Mittelmeerraum, vom 31. März bis zum 19. Juli 2026. Die Ausstellung ist als historische und künstlerische Spurensuche konzipiert und erzählt die Lebenswege von Männern und Frauen, die zwischen dem 17. und den 1830er Jahren in Südeuropahäfen versklavt wurden. Dabei liegt der Fokus auf Ländern wie Frankreich, Italien und Malta. Im Zentrum stehen Personen, die in den gängigen historischen Erzählungen oft kaum Beachtung finden: Muslime, die an den nordafrikanischen Küsten gefangen genommen wurden, afrikanische Sklaven in Europa, aber auch Christen, die in den südlichen Regionen des Mittelmeerraums festgehalten wurden.
Der Rundgang bietet eine vielschichtige Betrachtung der sozialen und künstlerischen Rollen, die die Gefangenen einnamen. Durch ihre Darstellung als Galeerenmänner, Hausangestellte, Musiker oder Kunsthelfer beleuchtet die Ausstellung die vielfältigen Auswirkungen dieser Form der Sklaverei auf die materiellen Kulturen Europas. Im Austausch von Kunstobjekten, handschriftlichen Dokumenten und historischen Artefakten öffnet sich dem Besucher ein oft vernachlässigtes Kapitel der mediterranen Geschichte des damaligen Zeitraums.
Zu den ausgestellten Objekten gehören mehrere Stücke, die der Öffentlichkeit nur selten zugänglich sind. Darunter ein Zeichnung eines muslimischen Sklaven, angefertigt von Charles Le Brun, dem offiziellen Maler von Ludwig XIV, sowie Darstellungen des Quattro Mori-Monuments von Pietro Tacca, einer bekannten Skulpturgruppe in Livorno. Das grafische Werk von Fabroni, der Szenen von Galeerenarbeitern in ihrem Alltag festhielt, vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die physischen Bedingungen der Gefangenen, die gewaltsam auf Schiffe verschleppt wurden.
Einige Exponate beziehen sich auf bedeutende historische Ereignisse, wie die Niederschlagung des Sklavenaufstands auf Malta im Jahr 1749, und offenbaren die latenten Spannungen in diesen Hafenstädten. Die Ausstellung präsentiert zudem Briefe von Gefangenen – Christen und Muslime –, von denen einige laut vorgelesen werden, um Stimmen wieder zum Leben zu erwecken, die durch die Jahrhunderte verstummt sind.
Die Ausstellung schließt mit einer zeitgenössischen Installation ab, die dazu einlädt, über die Bedeutung dieses Erinnerns in den heutigen Gesellschaften nachzudenken. Sie thematisiert das allmähliche Vergessen dieser Geschichten seit der Eroberung von Algier im Jahr 1830 sowie die aktuellen Kontroversen um künstlerische Darstellungen der Sklaverei, exemplarisch am Streit um die Quattro Mori. Diese moderne Perspektive verbindet die historischen Fragestellungen mit den aktuellen Debatten um Erinnerungskultur, Repräsentation und die Dekolonisierung des Blicks.
Der Rundgang folgt keiner strengen chronologischen Reihenfolge, sondern zielt darauf ab, Verbindungen zwischen Praktiken der Versklavung, künstlerischen Ausdrucksformen und den in diesem Kontext entstandenen Objekten herzustellen. Zahlreiche Talismane, marine Waffen, Bugskulpturen oder rituelle Gegenstände ergänzen die Hauptwerke und unterstreichen die Vielfalt der Materialien und Perspektiven.
Gefangene. Kunst und Sklaverei im modernen Mittelmeerraum bietet das Institut du Monde Arabe eine museale Erfahrung, die sich einem wenig beachteten Thema in europäischen Kunstschauen widmet. Dank der Vielzahl seiner Exponate und der Sorgfalt in der Darstellung liefert die Ausstellung eine wichtige Ergänzung zu den üblichen historischen Narrativen.
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Termine und Öffnungszeiten
Von 31. März 2026 bis 19. Juli 2026
Standort
Institut der Arabischen Welt
1 Rue des Fossés Saint-Bernard
75005 Paris 5
Zugang
Metro Jussieu Linie 7, Linie 10
Tarife
Tarif réduit : €7
Plein tarif : €10
Offizielle Seite
www.imarabe.org
Reservierungen
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Weitere Informationen
Geöffnet von Dienstag bis Freitag, jeweils von 10:00 bis 18:00 Uhr, sowie an Wochenenden und Feiertagen von 10:00 bis 19:00 Uhr.



















