Einhörner! : Die Ausstellung im Musée de Cluny in Paris taucht tief in den Mythos der legendären Kreatur ein

Von Laurent de Sortiraparis · Fotos von Laurent de Sortiraparis · Aktualisiert am 9. März 2026 um 18:20
In Paris zeigt das Musée de Cluny – Musée National du Moyen Âge – die Ausstellung Einhorn!, die sich der berühmten mythologischen Kreatur widmet, die durch die Geschichte und das mittelalterliche Fantasiebild wandert. Vom 10. März bis zum 12. Juli 2026 versammelt diese bedeutende Schau fast einhundert Werke aus aller Welt, um die Symbolik, Legenden und die jahrtausendealte Faszination für das Einhorn zu erkunden – zwischen mittelalterlicher Kunst, Mythologie und Spiritualität.

In Paris widmet das Musée de Cluny – Musée national du Moyen Âge eine umfangreiche Ausstellung der Einhorn, jener mythologischen Kreatur, die im Laufe der Jahrhunderte zum Symbol für Reinheit, Geheimnis und mittelalterliche Fantasie wurde. Gezeigt wird sie vom 10. März bis zum 12. Juli 2026. Die Ausstellung Einhörner!, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Barberini in Potsdam und dem Grand Palais organisiert wird, lädt Besucher auf eine sowohl wissenschaftliche als auch poetische Reise ein, um die Geschichte und Symbolik dieses legendären Wesens zu erkunden.

Durch zehn thematische Abschnitte und fast hundert Kunstwerke erzählt die Ausstellung die jahrtausendealte Faszination, die die Einhornfigur in Kunst und Kultur ausübt. Herausragende Stücke, ausgeliehen von renommierten internationalen Museen — darunter das Rijksmuseum in Amsterdam, das Prado-Museum in Madrid, das Victoria and Albert Museum in London, das Kunsthistorisches Museum in Wien oder auch das Louvre-Museum — bieten Einblicke in die vielfältigen Darstellungen dieses legendären Wesens durch die Jahrhunderte hinweg.

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Eine faszinierende Kreatur durch die Jahrhunderte

Das Einhorn, ein Fabelwesen, galt lange Zeit als real. Unzugänglich und unbezähmbar, inspiriert es seit der Antike Künstler. Selbst Marco Polo behauptete, auf seinen Reisen in Asien einem Einhorn begegnet zu sein. Alte Zeugnisse belegen seine weltweite Verbreitung: ein graviertes Siegel aus dem Indus-Tal aus der Zeit um 2000 v. Chr., ein während der Han-Dynastie in China (um 206–220) geschnitztes Qilin oder auch eine türkische Fayence-Platte aus dem 17. Jahrhundert, auf der ein Einhorn neben einem Hirsch und einem Löwen abgebildet ist.

Die Ausstellung beleuchtet auch europäische Darstellungen, insbesondere die des Kanonikers Bernhard von Breydenbach. In seinem Werk Heilige Reise nach Jerusalem (Ende des 15. Jahrhunderts) beschreibt er die Einhorn als eines der exotischen Tiere, die er auf einer Pilgerreise ins Heilige Land beobachtet hat.

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Eine Ikone des Mittelalters neu gesehen

Das Musée de Cluny, in dem die berühmten Wandteppiche von Die Dame mit dem Einhorn aufbewahrt werden, ist ein idealer Schauplatz für diese Ausstellung. Diese Serie von sechs Wandteppichen aus dem frühen XVIᵉ Jahrhundert, ein Meisterwerk der mittelalterlichen Kunst, veranschaulicht die fünf Sinne - den Tastsinn, den Geschmack, den Geruch, das Gehör und das Sehen - sowie einen sechsten Wandteppich, der mit dem Motto À mon seul désir (Mein einziger Wunsch) gekennzeichnet ist. Diese symbolträchtigen Werke stehen im Mittelpunkt des Rundgangs und dienen als Ausgangspunkt für die Erforschung des Mythos.

Bereits 2018 hatte das Museum dem legendären Geschöpf eine Ausstellung mit dem Titel Magische Einhörner gewidmet, die auf großes Interesse stieß. Die neue Ausstellung im Jahr 2026 knüpft an diese Tradition an und vertieft die künstlerischen und religiösen Darstellungen des Einhorns von der Renaissance bis heute.

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Zwischen Symbolik, Spiritualität und zeitgenössischer Gesellschaft

Die gezeigten Werke werden an die verschiedenen Facetten des Einhorns erinnern: mal wild, wie auf einer silbernen Tora-Krone aus dem Jahr 1778, mal heilend, wie im Danny Jewel des Victoria and Albert Museums, das um 1550 entworfen wurde, um ein Fragment eines Einhornhornhorns - in Wirklichkeit ein Narwalzahn - zu enthalten, das angeblich Gifte neutralisiert.

Die Ausstellung wird auch die Entwicklung des Mythos in der modernen und zeitgenössischen Kunst zeigen. Das Tier, das in der mittelalterlichen Symbolik einst mit Christus in Verbindung gebracht wurde, wird manchmal zur Figur der Inklusion und Emanzipation. Ein ukrainisches Wappen aus dem Jahr 2020, das im Museum Barberini aufbewahrt wird, stellt das Einhorn als Queer-Symbol und Emblem des Widerstands gegen Unterdrückung dar. Darüber hinaus haben Künstlerinnen wie Niki de Saint Phalle und Suzanne Husky das Einhorn in neueren, in Cluny ausgestellten Werken wie La Licorne und La noble pastorale neu interpretiert.

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Das Einhorn in der Geschichte der Kunst und der Kostbarkeiten

Die Faszination für Einhörner kam auch in Kuriositätenkabinetten oder in den Möbeln großer Häuser zum Ausdruck. Schloss Rosenborg in Kopenhagen bewahrt einen Krug aus dem 17.ᵉ Jahrhundert auf, der aus einem Narwalzahn geschnitzt und mit kleinen Einhörnern aus Silber verziert ist. Diese Objekte zeugen davon, dass der Mythos über die Jahrhunderte hinweg zwischen Verwunderung und Aberglauben Bestand hatte.

Durch diese vielfältigen Stücke zeigt die Ausstellung die universelle Faszination für das Einhorn – ein Symbol für Reinheit, Macht und Mysterium. Seine Darstellung in der westlichen wie östlichen Kunst verdeutlicht, wie tief verwurzelt diese gemeinsame Fantasie ist, die Kulturen und Epochen überdauert.

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Eine thematische Rundreise zur Entschlüsselung des Mythos

Die Ausstellung gliedert sich in mehrere Abschnitte, die die vielfältigen Interpretationen des Einhorns im Lauf der Geschichte erkunden. Die ersten Räume widmen sich seiner Verbreitung in verschiedenen Kulturen, von den antiken Berichten des bis hin zu asiatischen Traditionen, in denen Kreaturen erscheinen, die dem Einhorn ähnlich sind – manchmal als Mischwesen aus echten und fantastischen Tieren beschrieben.

Ein weiterer Abschnitt der Ausstellung widmet sich der Rolle des Einhorns in wissenschaftlichen Texten und mittelalterlichen Bestiarien, wo es als mysteriöses Tier in fernen Ländern beschrieben wird. Die Autoren jener Zeit sprechen von seinem manchmal friedlichen Wesen, das von Musik und der Sanftheit junger Mädchen angezogen wird, aber auch von seiner wilden und kämpferischen Natur gegenüber anderen Tieren.

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Religiöse Symbolik spielt ebenfalls eine zentrale Rolle in der Ausstellung. In der christlichen Ikonografie des Mittelalters wird die Einhornfigur mit Christus und der Inkaration verbunden, besonders in der Szene der sogenannten Mystischen Jagd, in der die Erlegung des Tieres auf die Passion verweist. Gleichzeitig wandelt sich das Einhorn zu einer Allegorie für Reinheit und höfische Liebe in literarischen Erzählungen und künstlerischen Darstellungen des späten Mittelalters.

Die Ausstellung widmet sich auch der wissenschaftlichen Entwicklung der Mythen, beginnend in der Renaissance, als Naturalisten begannen, die Existenz der irdischen Einhorn in Frage zu stellen. Die berühmten Einhornhörner, die lange Zeit in königlichen oder religiösen Schatzkammern aufbewahrt wurden, wurden schließlich als Zähne des Narwals erkannt, das in den arktischen Meeren beheimatet ist.

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Eine Ausstellung, um das Einhorn aus historischer und künstlerischer Sicht zu entdecken

Die Ausstellung Licorne! im Musée de Cluny spricht ein breites Publikum an, das sich für Mythologie, mittelalterliche Kunst und symbolische Darstellungen interessiert. Geschichtsbegeisterte, Iconographie-Fans und Kenner visueller Kultur finden hier eine wissenschaftlich fundierte und gut recherierte Präsentation. Auch Familien sind herzlich eingeladen, denn die Ausstellung ist speziell für sie konzipiert – vor allem für Kinder, mit verständlichen Beschriftungen und einem Programm für junge Besucher, obwohl die Szenografie eher traditionell gehalten ist.

Der Besuch lädt dazu ein, eine Figur, die wir zu kennen glauben, aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Zwischen alten Traditionen, künstlerischen Neuinterpretationen und modernen kulturellen Symbolen bleibt die Einhorn ein fester Bestandteil der kollektiven Fantasie und inspiriert Geschichten, die weit über das Mittelalter hinausgehen.

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Praktische Informationen

Termine und Öffnungszeiten
Von 10. März 2026 bis 12. Juli 2026

× Unverbindliche Öffnungszeiten: Um die Öffnungszeiten zu bestätigen, wenden Sie sich an die Einrichtung.

    Standort

    28 Rue du Sommerard
    75005 Paris 5

    Route berechnen

    Zugang
    Metrolinie 10 Station "Cluny - La Sorbonne".

    Tarife
    Tarif réduit : €10
    Plein tarif : €12

    Offizielle Seite
    www.musee-moyenage.fr

    Weitere Informationen
    Täglich außer montags von 9:30 bis 18:15 Uhr geöffnet

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