„Ich wünsche, dass meine Asche am Ufer der Seine ruht“, so lautet dieser Satz, doch nur wenige haben die Handschrift des Mannes gesehen, der sie niederschrieb. Im April 1821, auf St. Helena, wusste Napoleon I. schon, dass das Ende nah war. Krank und geschwächt, verfasste er zwischen dem 15. und 27. April ein neues Testament von 58 Seiten. Dieses Dokument ist keine bloße Aufzählung von Vermächtnissen; es ist eine Zusammenfassung seines Lebens, ausgestellt vom 4. März bis 29. Juni 2026 im Herzen der Französischen Nationalarchive, in Paris.
Hier treffen wir den Kriegsmann, den Staatsmann, aber vor allem den Mann, der den Tod ablehnt: "besiegt und ohne Ruhm". Dieser leidenschaftliche Schrei des französischen Volkes, das er so sehr geliebt haben will, bildet den Höhepunkt eines Dokuments, das fast 40 Jahre brauchte, um schließlich in den Französischen Nationalarchiven im Jahr 1860 zu landen. Die Ausstellung beschränkt sich nicht nur auf die Präsentation des Papiers; sie erzählt die mentale Reise des Kaisers im Angesicht des Todes.
Während seines Exils pendelte er zwischen dem Schreiben kämpferischer Memoiren, um seine imperialistische Würde zu wahren, und ruhigen Phasen, in denen er das Federkiel gegen die Gartenschaufel tauschte und sich seinem Garten widmete. Erst als er vom Tod seiner Schwester Élisa erfuhr und seine eigene Gesundheit zu schwinden begann, fasste er den Entschluss, seine letzten Wünsche niederzulegen – zunächst seinem Kammerdiener Montholon diktiert, später eigenhändig niedergeschrieben.
Dieses Testament zu studieren bedeutet auch, eine Reise durch die politische Geschichte des 19. Jahrhunderts zu unternehmen. Bevor es in der Eisernen Truhe ruhte, hat das Manuskript vier verschiedene politische Regime erlebt und führte zu diplomatischen Spannungen mit England. Die Spuren auf dem Papier zeugen von dieser langen und komplexen Geschichte, an der zahlreiche Akteure beteiligt waren und die die Hintergründe einer außergewöhnlichen letztwilligen Verfügung offenbart.
Diese temporäre Ausstellung bietet somit eine einmalige Gelegenheit, die physischen Spuren — Kritzeleien, Flecken, zitternde Schrift — eines Mannes zu erleben, der bis zu seinem letzten Atemzug versuchte, sein Schicksal selbst zu lenken. Die „Eiserne Truhe“, in der sein Testament aufbewahrt wird, ist ein historischer Tresor, der während der Französischen Revolution eigens zum Schutz der wertvollsten Dokumente der Nation errichtet wurde.
Sie befindet sich im Herzen des Hôtel de Soubise und die Schlüssel werden dort sorgsam bewacht. Eine Dokumentenausgabe ist daher ein äußerst seltenes Ereignis!
Termine und Öffnungszeiten
Von 4. März 2026 bis 29. Juni 2026
Standort
Archives Nationales - Standort Paris
60 Rue des Francs Bourgeois
75003 Paris 3
Tarife
Kostenlos
Offizielle Seite
www.archives-nationales.culture.gouv.fr















