Eine Linie auf einer Karte, und schon kippt eine ganze Welt... In Paris präsentiert die Cité des sciences et de l’industrie Frontière, eine Ausstellung über Grenzen in der Gegenwart, vom 14. April 2026 bis zum 2. Januar 2028. In Zusammenarbeit mit der Université Grenoble-Alpes erforscht diese Ausstellung die Grenze in all ihren Formen — geographisch, politisch, digital, maritim oder symbolisch — durch eine Route, die Kartographie, Geisteswissenschaften, künstlerische Schöpfung und interaktive Installationen vereint. Angesichts der aktuellen globalen Debatten über Migration, Kontrolle, Territorium und Mobilität liefert Frontière greifbare Orientierungspunkte, um zu verstehen, wie diese sichtbaren oder unsichtbaren Linien unser Verhältnis zur Welt strukturieren.
Hier ist die Grenze nie einfach eine bloße Abgrenzung. Die im Cité des sciences gezeigte Ausstellung setzt zudem auf das Singularische: Grenze (kein -s am Ende). Diese Wahl ist keineswegs zufällig, denn es geht nicht darum, eine exhaustive Liste aller Grenzen der Welt zu erstellen, sondern darum, zu fragen, was eine Grenze ist, was sie produziert, was sie offenbart und was sie in unseren Gesellschaften verändert. Als Ort des Verkehrs, der Ressourcen, der Sortierung von Menschen, der Überwachung von Daten, von Spannungen oder des Zusammenlebens erscheint die Grenze hier als politische und geografische Konstruktion, niemals als naturgegebene Selbstverständlichkeit.
Schon von den ersten Räumen an werden Sie dazu eingeladen, diese Linien anders zu betrachten, die man sich oft als fix vorstellt. Doch je nach Kontext, Machtverhältnissen und Territorien bewegen sie sich, verhärten sich, entmaterialisieren oder verblassen – ohne völlig zu verschwinden. Die Ausstellung verknüpft daher Karten, Fotografien, Zeugenaussagen, künstlerische Installationen, wissenschaftliche Analysen und interaktive Formate, um die ganze Komplexität dieses Objekts im Zentrum zeitgenössischer Debatten zu erfassen. Der Rundgang beantwortet fundiert die wesentlichen Fragen: Wer schafft die Grenzen, was ziehen sie ab, wo üben sie sich aus, wann rekonstituieren sie sich und wie beeinflussen sie konkret menschliche Lebenswege?
Stellen Sie sich vor, vor einer Grenze zu stehen: Soll man sie überqueren, umrunden, ertragen, abwarten oder überwachen? Genau das inszeniert Frontière mit Hilfe von zehn thematischen Inseln, die das Herz der Ausstellung bilden. Jede Insel entwickelt eine eigenständige Realität, mit eigener Inszenierung, eigenen Trägern und eigenen Herausforderungen. Dieser fragmentierte Ansatz erlaubt es, von einem Territorium zum nächsten zu wechseln und dabei zu verstehen, dass die Grenze materiell, symbolisch, maritim, digital oder humanitär sein kann.
Bereits beim Eintritt setzt der Ton: Eine fiktive Kontroll-Erfahrung, durchgeführt von einem Grenzbeamten mit künstlicher Intelligenz. Vor einem Bildschirm interagieren Sie mit einem 3D-Charakter, der gezielt verstört gestaltet ist, um Willkür, Spannung und Unbehagen zu vermitteln, die manche Überwachungstechnologien hervorrufen. Diese Eröffnungssequenz schafft sofort eine beunruhigende Atmosphäre und wirft die ethischen und politischen Fragestellungen des Themas auf.
Der Rundgang gliedert sich anschließend in zehn thematische Abschnitte:
Die Frage nach Grenzen durchzieht politische Diskurse, öffentliche Debatten und die aktuellen geopolitischen Umwälzungen. Hier wird sie mit Abstand und ohne Vereinfachung behandelt. Die Ausstellung nimmt sich die Zeit, zu zeigen, dass eine Grenze zugleich Linie, Zone, Netz, Schnittstelle, Sperre oder Durchgang sein kann.
Sie interessiert sich gleichermaßen für die Realitäten vor Ort wie für die Darstellungen und gibt den Geografen, den Künstlerinnen und Künstlern, den Forscherinnen und Forschern sowie den Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Grenzräume das Wort. Die Szenografie begleitet diese Lektüre, indem sie mit rohen Materialien arbeitet, die Mauern, Hindernisse und die Härte der Grenzen assoziieren, und zugleich die Formen variiert, um die Vielfalt der Situationen spürbar zu machen. Die Konzeption integriert auch eine verantwortungsbewusste Dimension, mit nachhaltigen Materialien und Bauweisen, die auf Wiederverwendung ausgelegt sind.
Nach den zehn Inseln konzentriert sich die Ausstellung auch auf die seltsamen Grenzlinien, in einem Fokus, der die Aufmerksamkeit verdient. Gezeigt wird es in Dioramen, diese eher ungewöhnlichen Fälle enthüllen Situationen, teils verwirrend, teils fast absurd, die zeigen, wie Grenzen eigenartige Realitäten hervorgebracht können.
Man begegnet dort unter anderem dem Bir Tawil, einem Grenzgebiet zwischen Ägypten und dem Sudan, das kein Staat beansprucht, der Insel der Fasanen zwischen Frankreich und Spanien, deren Eigentümer alle sechs Monate wechseln, oder auch Baarle, das zwischen Belgien und den Niederlanden liegt und berühmt ist für sein verwirrendes Netz von Enklaven.
Weitere Beispiele regen die Reflektion auch zu den Diomède-Inseln zwischen den USA und Russland an, zwei Inseln, die beiden Ländern gehören, wenige Kilometer voneinander entfernt, aber mit zwei sehr unterschiedlichen Zeitzonen (eine Differenz von 21 Stunden). Die Staatenlosigkeit, die vom Verschwinden bedrohten Gebiete im Tuvalu-Archipel, oder gar der Weltraum, der als neue pionierhafte Grenze in Erwägung gezogen wird. Dachten Sie, eine Grenze ließe sich auf eine durchgehende Linie reduzieren? Dieser Umweg beweist das genaue Gegenteil.
Die Ausstellung legt ebenfalls besonderen Wert auf künstlerische Arbeiten. Die Fotografien von Valerio Vincenzo über die ehemaligen europäischen Grenzen, die zu Bewegungsräumen geworden sind, die großformatigen Porträts von Frédéric Choffat, die Menschen zeigen, die mit den tödlichen Grenzlinien Europas konfrontiert sind, die Klanginstallation Territoires du Rêve von Kristoff K.Roll oder auch die zahlreichen Interventionen des Kollektivs Les chevreaux suprématistes bereichern den Ausstellungspfad um eine sensible und erzählerische Dimension. Diese Werke dienen nicht der bloßen Illustration des Themas von außen: Sie vertiefen die Reflexion auf andere Weise – durch Bild, Ton, Fiktion und Inszenierung.
Der Besuch endet mit einem 23-minütigen Film, konzipiert als achtaktiges Stück, das die Fragmente des Rundgangs miteinander verbindet und die im Verlauf der Räume entdeckten Ideen wieder in Bewegung setzt. Diese letzte Sequenz erlaubt es, neue Kräfte zu schöpfen, Perspektiven zu überschneiden und besser zu verstehen, was Grenzen über unsere Epoche aussagen. Vielleicht gehen Sie mit einer anderenLesart der Welt hinaus, wenn Sie diese Linien nicht mehr als bloße Trennlinien sehen, sondern als Räume, in denen Geschichten, Machtverhältnisse, Erinnerungen und Projektionen aufgeladen sind. Auf zurCité des Sciences ?
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Termine und Öffnungszeiten
Von 14. April 2026 bis 2. Januar 2028
Standort
Stadt der Wissenschaft und der Industrie
30 Avenue Corentin Cariou
75019 Paris 19
Zugang
Metro: Linie 7, Station Porte de la Villette. Bus: Linien 139, 150, 152, Station Porte de la Villette. Straßenbahn:T3b, Station Porte de la Villette.
Tarife
Tarifs réduits : €4 - €12
Plein tarif : €15
Offizielle Seite
www.cite-sciences.fr
Reservierungen
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Weitere Informationen
Geöffnet Dienstag bis Samstag von 9:15 bis 18:00 Uhr, sonntags von 9:15 bis 19:00 Uhr.